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Haben sich was Besonderes für Berlin ausgedacht - Stefan Cavor (l.) und Kristian Björnsen von der HSG Wetzlar.

Handball / Bundesliga

Gelingt HSG Wetzlar der Coup in Berlin?

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Von wegen lockerer Ausklang für die HSG: Sie kann in Berlin noch entscheidend am Europapokal-Rad drehen - und mit Schützenhilfe sogar noch einen einstelligen Tabellenplatz erreichen.

Kehraus in der Handball-Bundesliga. Am letzten Spieltag der Saison 2018/2019 werden so viele Entscheidungen fallen wie lange nicht mehr. Weder Meister noch Absteiger stehen am Sonntag vor dem Anpfiff fest - und auch das Hauen und Stechen um die Europapokalplätze ist noch in vollem Gange. Mittendrin die HSG Wetzlar, die den Klassenerhalt schon lange sicher hat und in Berlin bei den Füchsen am Sonntag um 15 Uhr antritt.

Die Saison:Sie war für die Mittelhessen ein einziges Auf und Ab. Von Platz fünf nach dem ersten Spieltag bis Rang 16 kurz danach war alles dabei. Über weite Strecken sortierten sich die Grün-Weißen zwischen Platz elf und 14 ein und schossen nach dem letzten Heimspiel-Sieg über Stuttgart rauf auf den zehnten Platz. Trainer Kai Wandschneider wurde im Verlauf der Runde nicht müde, seiner Mannschaft großartige Leistungen zu bescheinigen und daran zu erinnern, unter welchen Umständen diese zustande gekommen waren.

Etliche langwierige Verletzungen zwangen die Wetzlarer immer wieder zu Umstellungen und bescherten anderen Spielern Einsatzzeiten, die sie an ihre Grenzen brachten. "Diese Mannschaft hat die ganze Saison über ausgezeichnet, dass sie alles weggesteckt hat", lobte Wandschneider. "Ob das Verletzungen waren oder dieser eigenartige Spielplan, mit den permanenten Pausen - sie hat immer große Moral gezeigt und sich nie hängen lassen. Wir sind nie in einen wirklich Rhythmus reingekommen, dennoch haben wir das großartig gemacht. Also warum nicht auch noch mal in Berlin eine gute Leistung abliefern?!"

Die Platzierung:Von Platz neun bis 14 ist theoretisch noch alles drin. "15. können wir nicht mehr werden, und das hätte ich auch sehr schade gefunden", so Wandschneider. "Das hätten die Jungs einfach nicht verdient, weil sie immer aufopferungsvoll gekämpft haben." Sollte sich die HSG in Berlin durchsetzen und der HC Erlangen in Stuttgart verlieren, wäre die Sensation geschafft und Wetzlar würde die Saison sogar auf einem einstelligen Tabellenplatz beenden. Grund genug für die Schefvert, Cavor und Co., noch einmal alles rauszuhauen. Bereits vor dem letzten Heimspiel ließen die beiden Rückraumakteure durchblicken, dass ein Sprung in die obere Tabellenhälfte ein machbares und erstrebenswertes Ziel ist. Ganz unabhängig davon, ob man für dieses Unterfangen auf Schützenhilfe der anderen Vereine angewiesen ist.

Nun ist die Verwirklichung sogar aus eigener Kraft möglich, dürfte im Fuchsbau allerdings alles andere als einfach werden. "Es geht darum, noch mal guten Handball zu spielen", sagte Wandschneider. "Wir schauen, was sonst noch passiert. Wenn wir im zweiten Tabellendrittel landen, dann ist das eine überragende Leistung für eine Mannschaft, die im letzten Viertel der Etatrangliste steht. Also wieder mehr geliefert, als eigentlich drin ist - das wäre klasse."

Die Rollenverteilung:Die Füchse sind personell deutlich besser besetzt, haben schon allein deshalb den Favoriten-Status inne und kämpfen um einen Platz im Europapokal. Dafür ist zunächst ein Sieg gegen die Mittelhessen Pflicht, um den sechsten Rang zu halten. Sollte die MT Melsungen gegen den TBV Lemgo Lippe verlieren, ist sogar Platz fünf drin. Folglich werden die Berliner alles daransetzen, die Punkte im Fuchsbau zu behalten. "Wir müssen gewinnen, dann haben wir unsere Aufgabe erledigt und müssen nicht schauen, was in den anderen Hallen passiert", erklärte Coach Velimir Petkovic. "Wir kämpfen für uns und wollen die Entscheidung für uns selbst treffen. Wir wollen nach Europa, das war und ist unser Ziel dieses Jahr. Mit so vielen verletzungsbedingten Ausfällen den Europapokalplatz und zweimal das Final 4 zu erreichen, da kann uns niemand einen Vorwurf für eine schlechte Saison machen."

Die Verletzten:Petkovic muss im letzten Spiel auf Fabian Wiede verzichten, der wieder über Probleme in der Schulter klagt. Hier will man aufseiten der Berliner kein Risiko eingehen. Bei den Gästen stehen Joao Ferraz (Daumen) und Alexander Hermann nicht zur Verfügung. Hermann hat noch immer Schmerzen im Fuß, wollte im letzten Heimspiel aber unbedingt dabei sein, um sich in einem würdigen Rahmen vom eigenen Publikum verabschieden zu können. Da der Österreicher in dieser Saison selten für die HSG am Ball war, stellt der Ausfall Wandschneider allerdings kaum vor Probleme.

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