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Grandios. In der versetzten 5:1-Abwehr der HSG Wetzlar stellte Lars Weissgerber (rechts) u. a. Gäste-Torjäger Fabian Gutbrod (22) kalt. Vorn lauert Maximilian Holst.

HSG Wetzlar

Beste Version ihrer selbst

  • Ralf Waldschmidt
    vonRalf Waldschmidt
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Die HSG Wetzlar bleibt das Sensationsteam der Handball-Bundesliga. Trotz des kurzfristigen Ausfalls von Linkshänder Ivan Srsen wird der Bergische HC beim 30:22 (14:10) in seine Einzelteile zerlegt.

Die HSG Wetzlar hat trotz eines neuerlichen personellen Rückschlags ihre mittlerweile kaum noch zu erklärende Erfolgsserie in der Handball-Bundesliga fortgesetzt. Am Samstag abend wurde trotz des krankheitsbedingten Ausfalls von Ivan Srsen als bereits viertem fehlendem Rückraumspieler nach Stefan Cavor, Olle Forsell Schefvert und Alexander Feld der mit seiner Paradeformation angetretene Bergische HC samt Trainerstab mit 30:22 (14:10) überdeutlich in die Schranken gewiesen.

24 Stunden und eine Trainingseinheit Zeit hatte Coach Kai Wandschneider gehabt, um sich auf die noch einmal zusätzlich verschärfte Personalsituation einzustellen. »Ich bin total stolz auf meine Mannschaft, die aus jeder Situation das Beste macht«, sprudelte es aus dem 61-Jährigen heraus, »mit der versetzten 5:1 haben wir dem Bergischen HC richtig weh getan.« Dafür brauche man eben »Spieler, die das annehmen und umsetzen. Die habe ich. Das hat mein Team mit ganz viel Herz, mit ganz viel Leidenschaft getan.«

Maximilian Holst wunderte sich in Anbetracht der Besonderheiten der Corona-Saison über gar nichts mehr und vor allem nicht über diese 60 Minuten der HSG Wetzlar. »Seit dem ich hier bin, haben wir noch nie so Handball gespielt. Lars (Weissgerber) hat die 5:1-Abwehr so noch nie gespielt, den BHC-Rückraum aber extrem genervt. Wir haben das über 60 Minuten konsequent durchgezogen.«

In den ersten 30 Minuten beherrschte die HSG Wetzlar mit ihrer ruhigen und sachlichen Spielwiese im Positionsangriff bereits das Geschehen. In der Abwehr störte Lars Weissgerber vorgezogen in der versetzen 5:1-Deckung, die Kai Wandschneider zuletzt in seinen Dormagener Zeiten vor über zehn Jahren konsequent einsetzte, den Spielfluss und die Wurfkraft des Bergischen HC. Im Angriff trumpfte Lenny Rubin auf, der erneut nicht zu bändigen war und dem die Abwehrtaktik der Gäste fahrlässig viel Freiraum ließ. Darüber hinaus sprang diesmal der eigentliche Defensivspezialist Philip Hennigsson mit ebenso erfolgreichen wie bemerkenswerten Tor-Abschlüssen für die fehlenden Rückraumkollegen in die Bresche.

Vom Rubin-7:4 nach 14 Minuten hielten die Grün-Weißen den gegen die 5:1-Abwehr schier ohnmächtigen und von der Bank impulslosen Gast über das Henningsson-11:8 (25.) bis zum Pausen-14:10 hochverdient auf Distanz.

Wer gedacht hätte, die Grün-Weißen würden im zweiten Durchgang kräftemäßig ihrer langen Ausfallliste Tribut zollen, sah sich getäuscht. Im Gegenteil, über das 12:19 (37.) und 15:24 (47.) musste BHC-Trainer Sebastian Hinze mit zwei frühen Auszeiten sogar noch ein echtes Debakel verhindern.

»Da gibt es nichts zu diskutieren, wir waren viel zu früh mit uns selbst beschäftigt und haben die vorgenommene Aufgabenverteilung nicht auf die Platte bekommen«, kommentierte Gästecoach Hinze frustriert den Auftritt seiner Mannschaft, die über weite Strecken einem handballerischen Offenbarungseid glich. Vor allem die excellent besetzte Startsieben mit Mrkva, Gunnarsson, Boomhower, Schmidt, Arnesson, Gutbrod und Darj fand keinen Zugang zur Partie, die sie dem gesunden Handball-Verstand nach eigentlich klar hätte dominieren müssen.

Anton Lindskog beherrschte im Kreisläufer-Innenblock-Duell seinen namhaften schwedischen Landsmann Max Darj. Till Klimpke gewann das Torhüter-Duell gegen Tomas Mrkva. Lars Weissgerber degradierte BHC-Rückraumshooter Fabian Gutbrod zur Bedeutungslosigkeit. Magnus Fredriksen wirkte im Gegensatz zu seinem Spielmacher-Pendant Linus Arnesson listig wie ein Fuchs. Lenny Rubin lässt Handball-Experten ohnehin nur noch ins Schwärmen kommen. Patrick Gempp verschaffte Anton Lindskog die benötigten Pausen.

Die Besonderheit aber war, dass diesmal mit dem wie mit Duracell aufgezogene Philip Henningsson sowie dem klettenartig verteidigenden Lars Weissgerber zwei andere HSG-Akteure zu den Helden des Spiels wurden. In einem großartigen, immer selbst an sich glaubenden Wetzlarer Team ohne eigentlichen Schwachpunkt.

Den vom Zweitligisten TV 05/07 Hüttenberg vorsorglich per Zweitspielrecht »ausgeliehenen« Ian Weber sowie Ole Klimpke konnte HSG-Trainer Kai Wandschneider in Anbetracht der turmhohen 30:22-Überlegenheit in der Endphase auch noch zum Einsatz bringen.

Fazit: Vor dem personellen Hintergrund und der anspruchsvollen taktischen Ausrichtung durch den Trainer lieferten die Björnsen, Holst und Co. einmal mehr die beste Version ihrer selbst. Im Umkehrschluss der Bergische HC die schlechteste seiner selbst.

HSG Wetzlar: Till Klimpke, Ivanisevic, Suljakovic; Rubin (8), Henningsson (5), Gempp (4), Holst (4/1), Björnsen (3), Weissgerber (3), Fredriksen (2), Mirkulovski (1), Ole Klimpke, Weber, Mellegard.

Bergischer HC: Rudeck, Mrkva; Gunnarsson (6/2), Boomhouwer (4/1), Schmidt (3), Weck (3), Gutbrod (2), Arnesson (1), Nikolaisen (1), Stutzke (1), Uscins (1), Darj, Nippes, Babak, Szücs, Damm.

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Baumgart/Wild (Altenheim/Elgersweier). - Zeitstrafen: Lindskog (31.), Henningsson (33., beide Wetzlar); Schmidt (15.), Stutzke (28.), Babak (47., alle Bergischer HC). - Torfilm: 4:4 (10.), 7:4 (14.), 9:6 (20.), 14:10 (Halbzeit); 19:12 (37.), 22:13 (42.), 28:20 (53.), 30:22 (Endstand). - Siebenmeter: 1/1:3/3.

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