HSG Wetzlar

Auftritt ohne Regisseur ?

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Am Sonntag in der Klingenhalle Solingen muss sich die ersatzgeschwächte HSG Wetzlar beim starken Bundesliga-Rückkehrer Bergischer HC auf einiges gefasst machen.

Damit die närrischen Tage im Hinblick auf die Tabellensituation als Rang-14. nicht allzu närrisch werden, benötigt die HSG Wetzlar aus den drei Partien beim Bergischen HC (So., 16 Uhr), gegen GWD Minden (21. Februar, 19 Uhr) sowie bei den Eulen Ludwigshafen (2. März, 20.30 Uhr) schon den einen oder anderen Punkt, um sich das Schlusstrio VfL Gummersbach, SG BBM Bietigheim und eben Ludwigshafen vom Leibe zu halten. Ausgerechnet jetzt fallen mit Filip Mirkulovski und Hendrik Schreiber (beide Grippe) die Spielmacher aus.

Welche Entwicklung haben die Kontrahenten seit Saisonbeginn genommen? Nach der Zweitliga-Dominanz 2017/18 mit 70:6 Punkten war klar, dass Erstliga-Rückkehrer Bergischer HC das Image der Fahrstuhlmannschaft wird ablegen können. Beim Triumph beim Linden-Cup im Sommer wurde der Beweis auch dank der Neuverpflichtungen Rafael Baena (RN Löwen) und Jeffrey Boomhouwer (MT Melsungen) angetreten. Mit mittlerweile acht Heimerfolgen und einem überragenden Torhüter Christopher Rudek belegen die Oberbergischen als Überraschungsteam der Saison – zwischenzeitlich sogar Rangfünfter – Tabellenplatz acht mit einem positiven Punktekonto von 21:19.

Die HSG Wetzlar wusste um die Schwere der Aufgabe nach dem x-ten Umbruch im Kader und den Abgang erneut zahlreicher Leistungsträger. Erst mit dem 25:21-Coup am sechsten Spieltag schwammen sich die Grün-Weißen etwas frei, waren aufgrund zahlreicher Verletzungen von Leistungsträgern (Tibor Ivanisevic, Kristian Björnsen, Lenny Rubin etc.) aber selten in der Lage, kontinuierlich starke Leistungen abzurufen. Durch die umjubelten Ein-Tore-Heimsiege gegen Hannover-Burgdorf und Leipzig kurz vor Weihnachten haben sich die Stefan Cavor und Co. erst einmal von der gefährdeten Region entfernen können.

Weshalb hat sich der Bergische HC diesmal schnell im Oberhaus etablieren können? Trainer Sebastian Hintze hat bereits in der 2. Liga das Spielsystem dahingehend verfeinert, über eine flexible Abwehrarbeit schnell in das Tempospiel zu kommen. Die Deckung wurde stabilisiert, in Melsungens Boumhouwer aufs Linksaußen ein guter Ersatz für Jan Artmann gefunden. Der Kader hat vor allem in der Breite mehr Qualität als früher – und in Tomas Babak einen Spielmacher mit echten Führungsqualitäten.

Die wichtigsten Personalien? Bei den Oberbergischen auf jeden Fall Torhüter Christopher Rudeck, der sich unter die Top 3 der Liga pariert hat. Dazu – wie erwähnt – der tschechische Regisseur Tomas Babak, der in Stresssituationen stets kühlen Kopf bewahrt, und die auf vielen Schultern (Szücs, Nippes etc.) verteilte Verantwortung. Der Bergische HC ist ein echtes, nun auch spiel- und tempostärkeres Team als zuvor.

Trainer Sebastian Hinze wird aber personell improvisieren müssen. Kristian Nippes hat angeschlagen das Training beenden müssen. Offen ist, ob die Rekonvaleszenten Daniel Fontaine, Csaba Szücs und Arnor Gunnarsson ihr Comeback geben können. Sicher fehlen werden die verletzten Leos Petrovsky, Maciej Majdzinski und Jeffrey Boomhouwer.

Bei den Wetzlarern ist Torhüter-Talent Till Klimpke nach der schweren Verletzung von Buric-Nachfolger Tibor Ivanisevic unerwartet schnell zum Rückhalt geworden, hat Anton Lindskog am Kreis nach Startschwierigkeiten zu sich gefunden und die Abwehr im Innenblock immer wieder Herausragendes abgerufen. Ebenso wie Tomas Babak auf BHC-Seite ist Filip Mirkulovski als Kopf der Mannschaft unersetzlich.

Wie stark schmerzt die HSG Wetzlar das Fehlen der Optionen im Aufbau? Individuell sind Ausfälle unvermeidbar und für sich kompensierbar. Die Vielzahl der Verletzungen ist es, die der HSG Wetzlar zusetzt und seit Saisonbeginn Trainer Kai Wandschneider in seinen Möglichkeiten permanent einschränkt. Außer Stefan Cavor, dessen hohe Einsatzzeiten allerdings kräftemäßig deutlich Spuren hinterlassen, und mit Abstrichen Filip Mirkulovski, standen jedenfalls alle anderen Rückraumspieler der Grün-Weißen für längere Zeit auf der Ausfallliste.

Allerdings ereilten Trainer Kai Wandschneider am Freitagmorgen zwei Hiobsbotschaften, denn mit Filip Mirkulovski und Hendrik Schreiber meldeten sich beide Spielmacher wegen einer starken Grippe ab und drohen zumindest für den Sonntag in Solingen komplett auszufallen. "Das ist der ›worst case‹ für uns", ist Wandschneider wahrlich nicht zu beneiden, "unsere taktische Vorbereitung muss komplett neu ausgerichtet werden", sagt der Coach, der nun wohl allein mit Olle Forsell Schefvert – zuletzt bester Halblinker – auf der Rückraum Mitte auskommen muss. Länger fehlt zudem weiter Alexander Hermann (Fußbruch). Keine optimalen Voraussetzungen für das Trainerteam, das immer wieder zum Improvisieren gezwungen ist. Für Sonntag besteht jedoch vage die Hoffnung, dass zumindest der launische Portugiese Joao Ferraz nach überstandener Grippe sowie Stefan Kneer nach seinem fast viermonatigen Ausfall (Muskelfaserriss) in den Kader zurückkehren.

Das sagen die Trainer: "Beide Teams setzen auf ein starkes Abwehr-Gegenstoß-Paket", weiß Löwen-Trainer Sebastian Hinze. "Die Teams leben von ihrer Defensivqualität. Wetzlar sucht in der Abwehr die Zweikämpfe. Die wollen wir ihnen natürlich nicht geben", kündigt Hinze auf der Klub-Homepage an, "wir freuen uns auf das erste Heimspiel des Jahres und wollen eine bessere Leistung als zuletzt gegen die Rhein-Neckar Löwen zeigen", als allerdings ein halbes Dutzend Stammkräfte noch fehlte.

Trainer Kai Wandschneider wird auf Wetzlarer Seite zunächst mit Lenny Rubin, Olle Forsell Schefvert und Stefan Cavor im Rückraum auskommen müssen: "Gerade Olle war zuletzt auf Halblinks sehr stark. Und bei Stefan muss man sehen, wie lange seine Kraft für Abwehr und Angriff reicht."

Der Grippe-Virus hat auch die Wetzlarer Regisseure Filip Mirkulowski (links) und Hendrik Schreiber erwischt. Die HSG wird morgen beim Bergischen HC wohl ohne etatmäßigen Spielmacher antreten müssen. (Fotos: Vogler)

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