Heimat-Spaziergang mit dem Nachwuchs: Wetzlars schwedischer Kreisläufer Anton Lindskog. FOTO: PV
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Heimat-Spaziergang mit dem Nachwuchs: Wetzlars schwedischer Kreisläufer Anton Lindskog. FOTO: PV

Handball

Anton Lindskog: "Leben und Gesundheit - das zählt!"

  • Daniela Pieth
    vonDaniela Pieth
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Anton Lindskog ist mit Freundin und Tochter in seine Heimat Schweden gefahren. Der Kreisläufer der HSG Wetzlar vermisst den Handball, ist aber froh, diese Zeit bei seiner Familie zu verbringen.

Wie erleben Sie diese Zeit in Schweden? Wir hören hier nur, dass ihr alle im Café sitzt und es euch gut gehen lasst. Wie ist es denn wirklich?

Das stimmt eigentlich. Wir machen das ganz anders als alle anderen. Wir treffen einander vielleicht nicht so wie früher, aber sonst ist alles wie immer. Und natürlich sitzen alle auch draußen mit Kaffee, Bier uns so. Zwar weniger als früher, aber doch noch sehr viele. Wir hatten jetzt lange super Wetter und so ist es fast wie immer. Nur ein paar Leute weniger.

Sind mehr junge Menschen unterwegs? Ziehen sich die älteren ein bisschen zurück?

Das weiß ich gar nicht so genau. Ich war eigentlich fast nur zu Hause und bei Freunden, aber ich habe auch viele ältere Leute draußen gesehen. Ich treffe fast nur meine Kumpels und meine Familie.

Wie gehen die Medien das ganze an? Hier hat man das Gefühl, es wird zu viel Panik verbreitet.

Natürlich wird in den Medien auch gefragt, warum machen wir das ganz anders als alle anderen. Es gibt auch viele, die damit kritisch umgehen. Und es gibt natürlich auch ein paar, die ein bisschen Panik haben wegen unserer Situation hier in Schweden. Wir haben auch viele infizierte Leute in Schweden und es sterben jeden Tag Menschen deswegen. Es ist nicht so, dass wir nur zwei, drei Leute haben. Es sind schon viele Infizierte und jeden Tag kommen neue Meldungen dazu. Natürlich sind auch ganz viele Leute kritisch über unser System, aber vor allem die jüngeren Menschen sind zufrieden mit unserer Lösung.

Wie ist das in Ihrer Familie und bei Freunden?

Alle arbeiten, alle sind gesund. Wenn wir einkaufen gehen, müssen wir auch Abstand halten. Ich war heute zum Beispiel beim Krafttraining. Da waren etwa 20 Leute und man merkt, alle wollen ein bisschen Abstand halten, jeder bleibt für sich. Du kannst miteinander reden, hast aber ein, zwei Meter Abstand. Wir sind natürlich alle ein bisschen vorsichtiger, aber wir sind in allem ein bisschen lockerer. Klar halten wir Abstand, waschen und desinfizieren die Hände, das machen wir öfter als normalerweise. Aber wir haben keine Angst oder Panik. Die älteren Menschen, die Angst haben, bleiben einfach zu Hause. In meiner Familie und bei meinen Freunden hat keiner Angst und wir gehen locker damit um.

Empfinden Sie die Regelungen in Schweden besser als in Deutschland?

Das ist schwer zu sagen. Natürlich ist es schön, jetzt hier in Schweden zu sein. Du hast Freiheit, kannst machen, was du willst. Ob das die richtige Lösung ist oder nicht, das ist zu früh zu sagen.

Was machen Sie den ganzen Tag ohne Handball?

Ich versuche im Kraftraum von IFK Kristianstad fünf, sechs Mal pro Woche Krafttraining zu machen, ein paar Mal in der Woche zu laufen, ein bisschen Sport zu machen. Ich verbringe viel Zeit mit meiner Familie, meiner kleinen Tochter und meinen Kumpels. Ein paar Tage sind vielleicht mal langweilig, aber mit einer kleinen Tochter hast du immer irgendwas zu tun. Es ist wie eine normale Urlaubszeit in meiner Heimat. Bei der Familie sein und einfach die Zeit genießen.

Was ist mit Angeln?

Noch nicht. In den ersten Tagen war es noch zu kalt. Aber letzte Woche war super Wetter, bis 20 Grad, wahrscheinlich werde ich diese Woche anfangen. Die Angelzeit hat in Schweden noch nicht angefangen. Es ist vom Wetter noch nicht optimal, aber ich denke in zwei, drei Wochen kann ich richtig Gas geben (lacht).

Wann ist bei Ihnen die Entscheidung gefallen, nach Hause zu fahren?

Wir sind in Absprache mit der HSG Wetzlar Anfang April nach Hause gefahren. Wenn die Saison weitergegangen wäre, hätten wir sofort zurückkommen müssen. Das war aber ganz klar, dass wir nicht weiterspielen können und so gab es keinen Grund, weiter in Wetzlar zu bleiben. Ich wollte diese Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen. In Deutschland konnten wir überhaupt nichts machen, alles war geschlossen.

Gab es Probleme bei der Einreise?

Nein, überhaupt nicht. Wir sind mit dem Auto nach Dänemark gefahren und dann rüber nach Schweden. Weder in Dänemark noch in Schweden hatten wir Probleme. Wir sind vielleicht zwei, drei Monate hier und dann ist es auch blöd ohne Auto hier zu sitzen. Dann hast du keine Freiheit. So ist das alles viel einfacher. Wir waren etwa zehn Stunden unterwegs und auch unsere Tochter hat das toll gemacht.

Die Kleine ist wohlauf?

Ja, sie hat viel vom Papa. Das ist unglaublich, sie wächst schnell, ist groß und isst viel. Sie ist Papas Tochter und die Großeltern sind froh, sie jeden Tag treffen zu können. Das ist das Wichtigste. Handball und alles andere stehen zurück. Nur einfach Leben und Gesundheit - das zählt.

Haben Sie eine Idee, wann es wieder losgehen kann?

Nein. Ich hoffe nur, dass wir die nächste Saison wie geplant spielen können. Wir bekommen auch keine Informationen, wir müssen einfach abwarten.

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