Dwayne Evans (GIESSEN 46ers) herzt seinen Teamkollegen Skyler Bowlin
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Dwayne Evans (GIESSEN 46ers) herzt seinen Teamkollegen Skyler Bowlin

Souveräner Erfolg

Über Teamleistung zum Sieg

  • vonMartin Vogel
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Angesichts der prekären Personalsituation kann es schon fast als Überraschung gelten: Die Gießen 46ers schlugen am Sonntag das Tabellenschlusslicht Rasta Vechta mit 82:74.

Zumindest trug Bazoumana Koné schon die richtige Farbe: In einem roten Kapuzenpullover beobachtete der Neuzugang der Gießen 46ers die Vorstellung seiner neuen Kollegen aus dem F-Block heraus, an der Seite von Manager Heiko Schelberg. Erst wenige Stunden vor dem Tipoff hatten die Gießener die Verpflichtung des 23-Jährigen bekannt gegeben, der zuletzt in Ludwigsburg spielte, wo spätestens nach der Verpflichtung von Rocky Trice am Samstag kein Platz mehr für ihn war. Damit sorgte 46ers-Coach Denis Wucherer für eine Überraschung, denn bei allem Talent, das der gebürtige Hamburger mitbringt, ist er doch ein Guard und damit kein direkter Ersatz für Forward Scrubb. Gießens Cheftrainer hatte aber bereits nach der Verletzung des Kanadiers angedeutet, sein System im Zweifelsfall so umzustellen, dass kein Flügelspieler kommen müsste. Zudem unterschrieb Koné nur einen Vertrag bis zum Ende der laufenden Spielzeit, könnte also schon im Sommer weiterziehen. Dennoch, Wucherer freut sich auf seinen neuen Mann, den er bereits im Sommer verpflichten wollte: "Ich bin sehr froh, dass es im zweiten Anlauf geklappt hat. Bazoumana ist ein interessanter Spieler mit enormen Entwicklungspotenzial. Er möchte sich beweisen, hat Lust auf Basketball – und so etwas brauchen wir in Gießen. In bin überzeugt, dass er sich schnell einleben und uns mit seinen Fähigkeiten weiterhelfen wird."

Gegen die Gäste aus Niedersachsen konnte der Neuzugang aber noch nicht mitwirken, und nicht wenige der 3586 Zuschauer in der vollen Osthalle gingen davon aus, dass es gegen das Tabellenschlusslicht wenig zu feiern geben würde: Schließlich fielen mit Scrubb (diverse Bänderrisse im Fuß), Center Justin Sears (Sehnenreizung) und Flügel Andreas Obst (Schambeinentzündung) drei Spieler aus der Rotation der 46ers aus, und die Vechtaer hatten sich schon im Hinspiel nach Kräften gewehrt.

Aber am Sonntag machten die Gießener vom Tipoff an klar, dass sie auch personell geschwächt nicht gewillt waren, Vechta die Punkte zu überlassen: Dwayne Evans spielte in den ersten Minuten so auf, als müsste er allein die Vielseitigkeit von Scrubb ersetzen. Später waren es dann vor allem Skyler Bowlin und Joshiko Saibou, die auf ganzer Linie überzeugten: 18 Zähler gingen auf das Konto von Saibou, noch zwei mehr verzeichnete der zuletzt oft formschwache US-Amerikaner – dazu zehn Vorlagen. "Der Fokus, die Konzentration war über weite Strecken sehr hoch. Die Mannschaft ist enger zusammengerückt, gepaart mit einigen tollen individuellen Leistungen.

Ich freue mich besonders für Skyler, aber auch über die drei Dreier von Benni Lischka von der Bank, über die zwei guten Minuten, die uns Jeffrey Martin gegeben hat – ich könnte noch so weitermachen, jeder hat dazu beigetragen, dass wir als Mannschaft gut aufgetreten sind", lobte Denis Wucherer seine Schützlinge nach Spielende.

Die hatten den Gästen spätestens im zweiten Viertel den Schneid weitestgehend abgekauft: 19 Ballverluste erlaubten sich die Niedersachsen, was Gießen immer wieder zu Fastbreaks und einfachen Punkten nutzen konnte. Die 42:31-Führung zur Pause war nur folgerichtig, und auch, wenn die 46ers nie so weit wegziehen konnten, dass sie ein paar Gänge hätten zurückschalten können, so schienen die Vechtaer nie gefährlich genug, um die Partie noch einmal hätten drehen zu können. Die geschlossene Mannschaftsleistung der 46ers erlaubte ihnen, das Reboundduell gegen den individuell stark besetzten Aufsteiger mit 25:33 zu verlieren, und die guten 45 Prozent, welche die Gästen von außen schossen, mit eigenen guten 41 Prozent Dreierquote zu kontern.

Dennoch, ein Teil der Niederlage geht auch auf die Schwäche der Gäste zurück, die nach nunmehr zwölf verlorenen Spielen in Serie mental nicht in der Lage waren, die Intensität der Gießener mitzugehen. Gegen eine stärkere Mannschaft wäre die Partie anders ausgegangen. Nächste Woche steht das Auswärtsspiel bei ALBA Berlin an, und damit eine Härteprüfung für die Playoff-Ambitionen der Gießener. Dann aber könnten Justin Sears und Andreas Obst wieder an Bord sein – und Bazoumana Koné wird seinen roten Hoodie gegen ein 46ers-Trikot tauschen.

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