Gießen 46ers

Stress ohne Grund nach Sieg der Gießen 46ers

  • VonMartin Vogel
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Auch gegen Jena gewinnen die 46ers und gehen mit einer ausgeglichenen Bilanz in die Länderspielpause. Dennoch herrscht keine gute Laune, ein Konflikt überschattet die gute Leistung der Gießener.

Vier Heimspiele in Folge gingen die Gießen 46ers nun als Sieger vom Parkett, gewannen dabei gegen die direkte Konkurrenz aus Bremerhaven, Weißenfels, Tübingen und am Samstag mit 84:60 (42:32) gegen Science City Jena. Und so müsste man davon ausgehen, dass Trainer Ingo Freyer, der die Mannschaft in zehn Saisonspielen zu einer ausgeglichenen Bilanz von fünf Siegen und fünf Niederlagen geführt hat, auf der Ehrenrunde von den 3314 Zuschauern ausnahmslos mit freundlichem Applaus bedacht wird.

Man muss den Stil, der doch anders ist als der von Vorgänger Denis Wucherer, nicht lieben, doch zweifelsohne ist es eine starke Leistung von Freyer, die Gießener nach einem Drittel der Saison auf einen Sieg an die Playoff-Plätze herangeführt und, mit Ausnahme des Heimspiels gegen Erfurt, dabei sämtliche Duelle mit der direkten Konkurrenz gewonnen zu haben.

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Vor den 46ers stehen in der Tabelle einzig Mannschaften, die einen deutlich höheren Etat als Gießen vorzuweisen haben. Und gegen Jena zeigten Trainer und Mannschaft die bislang beste Saisonleistung und zudem, dass sie so flexibel sind, wie Freyer vor der Saison forderte: Waren Darwin Davis und Kollegen vor dem Spiel die Mannschaft in der BBL, welche die zweitmeisten Dreier nahm, so brachten sie gegen Jena den Ball immer wieder ans Brett und nutzten so die Schwäche der Gäste gnadenlos aus. Freyer beschimpft

Warum also wurden Ingo Freyer und sein Co-Trainer Steven Wriedt auf der Ehrenrunde am Samstag von Teilen des Fanblocks ausgebuht und beschimpft?

Das Feuer entzündete sich an der Personalie Marco Völler: Der Powerforward, letzte Saison unter Wucherer oftmals noch Starter und gut eine Viertelstunde im Schnitt auf dem Feld, fiel unter Freyer aus der engeren Rotation. Gegen den MBC wurde er im Heimspiel zuvor nicht eingesetzt, spielte dann aber – auch aufgrund der Ausfälle von Max Landis und Mauricio Marin – in Oldenburg fast 14 Minuten. Gegen Jena saß der 28-Jährige wieder lange auf der Bank, und gut fünf Minuten vor Spielende forderten Teile des Fanblocks hinter dem Korb in Sprechchören die Einwechslung des Zwei-Meter-Mannes. Völler spielt nicht

Doch Freyer brachte Völler nicht ins Spiel – vielleicht auch, weil er noch die Partie gegen Erfurt im Hinterkopf hatte: Damals wechselte der Trainer seinen Spieler anderthalb Minuten vor dem Ende doch noch ein, was viele als Einknicken vor den damaligen Sprechchören werteten.

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»Lasst uns lieber über Spieler sprechen, die gespielt haben. John Bryant, Jamar Abrams und Benjamin Lischka haben alle gut gespielt, die großen Positionen waren somit besetzt«, wollte Freyer in der Pressekonferenz kein allzu großes Aufheben um seine Entscheidung machen, während Völler – Ironie des Schicksals – die Zeit nach Spielende trotz exakt null Sekunden Einsatzzeit bei der Dopingprobe verbringen und somit den Feierabend weit in die Nacht verlegen musste. Zuvor war dem Offenbacher aber sichtlich unangenehm, als der Fanblock ihn während der traditionellen »Humba« nach dem Sieg wieder und wieder lautstark feierte. Überragender Bryant

Dabei hatte das Spiel auch andere spannende Geschichten: Die herausragende Leistung von John Bryant, der mit 25 Punkten (91,7 Prozent Zweierquote), 14 Rebounds und vier Assists Jenas lange Garde in ihre Einzelteile zerlegte – von vier Dunks des Centers ganz zu schweigen! Das starke Spiel von Bjarne Kraushaar, der mit seinen 18 Jahren seine gut zwölf Minuten auf dem Feld so abgezockt nutzte, als hätte er fünf BBL-Saisons und nicht fünf BBL-Spiele auf dem (aufgrund seiner Jugend nicht vorhandenen) Buckel. Die tolle Energieleistung, für Freyer Schlüssel zum Sieg. Am Ende wird alles von einem schwelenden Konflikt zwischen Freyer und den Fans überschattet. Einem Konflikt, der für einen Außenstehenden keinen recht erkennbaren Grund hat.

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