Gießen 46ers

Starkes Schlussviertel

  • vonMartin Vogel
    schließen

Pflichtaufgabe erfüllt: Das 101:92 der Gießen 46ers in Bremerhaven war nicht glanzvoll, aber wichtig. Mit dem Sieg springen sie wieder auf einen Playoff-Platz in der Basketball-Bundesliga.

Die Aussichten rund um den Basketball in Bremerhaven sind grauer als ein Blick auf die Wesermündung im Herbst: Mit 13 Niederlagen in Serie gingen die Eisbären als das schlechteste Team der BBL ins Spiel, Trainer Dan Panaggio, der im Sommer als Sportdirektor eine illustre Sammlung von Wandervögeln nach Norddeutschland lotste – nach Aussagen von Ex-Coach Arne Woltmann teilweise ohne sein Mitwissen – als Headcoach nach der Demission von Woltmann noch ohne Sieg – und obendrein sorgte der undankbare Spieltermin am gestrigen Mittwochabend um 19 Uhr für eine Geisterkulisse von nur 1568 Zuschauern in der Stadthalle – Minusrekord für die gesamte Liga.

Es schrie also alles "Pflichtsieg" für die Gießen 46ers, spätestens nach der Niederlage im Hinrundenspiel, und diese Begegnungen sind bekanntermaßen undankbar. Doch die Mannschaft von Trainer Ingo Freyer kam höchst professionell aus den Startlöchern. Bereits zur Mitte des ersten Viertels hatte sie ein souveränes 14:5 erspielt. Gegen harmlose Eisbären zeigten die 46ers eine eher durchschnittliche Leistung, die durch eine gute Performance von der Dreierlinie aufgewertet wurde: 30:17 hieß es nach zehn Minuten für die Mittelhessen, sechs der neun Distanzwürfe hatten ihren Weg in den Korb gefunden.

So ging es auch im zweiten Viertel weiter: Gießen musste nicht überragen, um weiter davonzuziehen: Beim Stande von 40:22 zwangen die 46ers den ehemaligen NBA-Assistenztrainer Panaggio zu einer Auszeit, und die zeigte Wirkung: Während die Gäste von der Lahn eingelullt wirkten, legte Bremerhaven plötzlich einen 13:0-Lauf auf das Parkett, den auch eine Freyer-Auszeit nicht stoppen konnte. Erst eine zweite Besprechung zwischen Trainer und Team konnte den stotternden Motor der 46ers wieder anwerfen, um zumindest eine 50:47-Führung in die Pause retten zu können.

Auch nach dem Seitenwechsel blieb es eine enge Partie: Gießen konnte sich nicht mehr so absetzen wie zu Spielbeginn, musste stattdessen zusehen wie Bremerhaven sogar kurzzeitig die Führung eroberte (66:67, 28.). Fünf Punkte in Folge von David Bell sorgten aber für einen knappen 75:72-Vorsprung vor dem Schlussabschnitt.

Mit einem 11:2-Lauf brachten die 46ers wieder etwas Platz zwischen sich und die Gastgeber (86:74/35.). Auch ohne die Punkte des Ex-Bremerhaveners Larry Gordon, der offensiv quasi nicht stattfand, hielten die Gießener nun die Gastgeber wieder auf Distanz, brachen den Willen der Eisbären und holten das Spiel am Ende wieder recht souverän nach Hause: Der Dreier von Brandon Thomas zum 101:89 80 Sekunden vor Schluss trieb den letzten Nagel in den Sarg der Bremerhavener Siegeshoffnungen.

Obwohl die Defensive, insbesondere gegen die Distanzschützen der Hausherren manchmal arg löchrig wirkte, sorgten die Überlegenheit im Rebound, ein gut aufgelegter Jared Jordan, der dieses Mal auch als Scorer in Erscheinung trat, und die nötige Ruhe als Reaktion auf die Bremerhavener Aufholjagd am Ende für einen wichtigen Erfolg. Immerhin dürfte die Erfahrung, ein solches Spiel gewonnen zu haben, im weiteren Saisonverlauf den 46ers noch einmal nützlich sein.

"Wir haben zu viele dumme Fehler gemacht. Bremerhaven konnte Tempo machen, in die Transition gehen – und kam dann mit Dreiern zurück ins Spiel. Also mussten wir uns mehr reinhängen", erklärte Brandon Thomas, dank 22 Punkten Gießens Topscorer, den Spielverlauf aus seiner Sicht.

Für ihn und seine Kollegen geht es nun erst mal in die Länderspiel- und Pokalfinal-Pause, das nächste Punktspiel steht erst am 2. März an, wenn Brose Bamberg den Weg in die Osthalle zu Gießen findet. Dass es nächstes Jahr noch einmal für ein BBL-Duell nach Bremerhaven geht, scheint derweil nach nunmehr 14 Pleiten in Serie äußerst unwahrscheinlich.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare