Gießen 46ers

Softe Gießen 46ers gehen unter

  • VonMartin Vogel
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Die Playoffs waren so gut wie außer Reichweite, dennoch zeigten die Gießen 46ers beim 85:117 in Oldenburg eine erschreckend schwache Leistung. Trainer Freyer zählt seine Spieler öffentlich an und ruft eine Charakterprobe aus.

Etwas mehr als eine Minute war noch auf der Uhr, da machte Rasid Mahalbasic den Deckel drauf. Nicht auf den Sieg seiner EWE Baskets Oldenburg – der stand da schon lange fest. Nein, der Center erzielte per Dreier seine Punkte acht, neun und zehn und sicherte sich damit ein Triple-Double: Zehn Punkte, zehn Rebounds, elf Assists. Es war das dritte für den Österreicher in den vergangenen 14 Spielen. Und um zu verstehen, wie unglaublich das ist, muss man wissen, dass sämtliche anderen Spieler in der Basketball-Bundesliga in den letzten 21 Jahren zusammen gerade einmal sechs Triple-Doubles geschafft haben.

Triple-Double von Mahalbasic

Ironie des Schicksal, dass diese Leistung fast an fehlenden Punkten gescheitert wäre – denn an Oldenburger Punkten mangelte es am Dienstagabend nun wirklich nicht. 117 Stück schenkten die Hausherren den Gießenern ein, und damit ist das meiste über das Spiel bereits gesagt: Außerhalb Chinas und der NBA ist es äußerst unwahrscheinlich, dass ein Team so viele Punkte kassiert und trotzdem noch gewinnt. Dabei sind die 46ers eigentlich sogar so zusammengestellt, dass es bei ihnen klappen könnte, doch vor den 6000 Zuschauern in der EWE Arena erreichte offensiv neben John Bryant (23 Punkte) und David Bell (15) kaum jemand sein offensives Normalniveau.

46ers-Trainer Freyer bedient

Stattdessen blieben Spieler wie Larry Gordon (vier Zähler), Brandon Thomas (fünf Punkte) und Jared Jordan (drei Punkte, vier Vorlagen) weit unter dem, was sie im Angriff eigentlich zu zeigen vermögen, von der schwachen Defensivleistung der gesamten Mannschaft ganz zu schweigen. Ingo Freyer war nach Spielende jedenfalls bedient. »Wenn du im ersten Viertel erst nach neun Minuten dein erstes Foul hast, wenn du zu soft spielst gegen eine Oldenburger Mannschaft, die hart spielt, dann geht das halt so aus, wie es ausgegangen ist«, sah auch der Cheftrainer der 46ers kaum Gegenwehr.

Einzig, überraschen konnte das kaum: Zu häufig erlebten die Fans in dieser Spielzeit genau dieses Problem: Eine Mannschaft, die mit viel offensivem Talent ausgestattet ist, aber die es nicht schafft, über ihren Willen in der Defense einen Gegner zu bezwingen.

Es liegt nicht fern, darin auch den Grund zu sehen, warum trotz einer Mannschaft mit netten, gut vermarktbaren Typen, das Band zwischen den Spielern und den Fans nie so eng wurde, wie das in vergangenen Jahren mit Teams war, die vielleicht weniger talentiert, aber dafür kampfstärker waren. Und nicht zuletzt liegt hier auch die Ursache, warum es trotz vieler großer, BBL-erfahrener Namen und einem guten Saisonstart auch in diesem Jahr nicht für die Playoffs reichen wird: Zu häufig ging die Mannschaft mit einer Lassaiz-faire-Einstellung in wichtige Duelle, wirkte nie willens, ihr eigentlich unterlegene Gegner wie Crailsheim oder den MBC in die Knie zu zwingen und sich gegen einen Spielverlauf auch mal aufzulehnen.

Lob für Tadda

Freyer pries in der Pressekonferenz nach der Partie den Ex-Gießener Karsten Tadda: »Gerade die Amerikaner fragen sich bei uns anhand der Statistiken immer: Warum spielt denn ein Tadda Nationalmannschaft? Ganz einfach: Weil das ein tougher, super harter Verteidiger ist! So musst du auftreten, wenn du Spiele gewinnen willst!« Einen solchen Spezialisten für die Defense haben die 46ers allerdings nicht in ihren Reihen – im Gegenteil, die Schwächen in der Verteidigung von Spielern wie Jordan oder Bell sind ligaweit seit Jahren bekannt. Die Verantwortlichen um Manager Heiko Schelberg, Co-Trainer Steven Wriedt und nicht zuletzt Freyer selbst sollten jedenfalls die Worte des Trainers im Ohr behalten, wenn die Kaderplanung für die kommende Spielzeit in ihre heiße Phase geht.

Beweis gegen München antreten

Der Headcoach jedenfalls rief das letzte Heimspiel der Saison am Sonntag gegen den amtierenden Meister FC Bayern München um seinen Superstar Derrick Williams zur Charakterprobe aus: »Gegen München können meine Spieler jetzt mal beweisen, dass sie auch tough spielen können. Ich bin gespannt.« Youngster Bjarne Kraushaar versprach vor den laufenden Kameras der Telekom, dass die Mannschaft aus der Niederlage »viel mitnehmen« und »lernen« werde. Es wäre zu wünschen, dass die Fans die ersten Ergebnisse dieses Lernprozesses zum Ausklang der Spielzeit zu sehen bekämen.

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