Gießen 46ers

Pure Enttäuschung bei Gießen 46ers und Fans

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Ein konsternierter Trainer Ingo Freyer, sprachlose Fans und eine nach Erklärung suchende Mannschaft: Die Niederlage gegen Bremerhaven hat ihre Spuren bei den Gießen 46ers hinterlassen.

Wir haben das Spiel aus der Hand gegeben!" 46ers-Cheftrainer Ingo Freyer hätte das 87:89 gegen die Nordlichter nicht treffender auf den Punkt bringen können. Sein Team verspielte eine 15-Punkte-Führung – und somit den möglichen dritten Sieg im dritten Saisonspiel der Basketball-Bundesliga. Dementsprechend war die Laune bei den Verantwortlichen um Geschäftsführer Heiko Schelberg, die mit fragenden Blicken auf das Geschehene zurückschauten.

Bis Minute 26 alles im Lot

Bis zur 26. Minute gab es am Samstag nicht viel am Auftritt der 46ers auszusetzen. Der mächtig auf das Tempo drückende Siyani Chambers schickte mit einem Druckpass den nach vorne eilenden Larry Gordon auf die Reise, der in bester Fastbreakmanier ablegte und sich noch den Bonuswurf nach Foul sicherte: Beim 67:52 hatte keiner der knapp 3400 jubelnden Zuschauer in der Osthalle das Gefühl, dass da noch einmal was anbrennen hätte können.

Bei den 46ers-Protagonisten schlich sich aber in den verbleibenden vier Minuten bis zum Viertelende Bruder Leichtfuß ein. Möglicherweise waren einige schon bei der After-game-Party oder beim Umtrunk mit Benjamin Lischka, der für sein 100. Bundesligaspiel sicher einen springen hat lassen. Der von niemandem aufzuhaltende Chris Warren startete die Dreierorgie – Jordan Brangers und Kris Jenkins legten nach. Als der bullige Ex-NBA-Profi Darnell Jackson, der sich ein sehenswertes Duell unter den Brettern mit dem starken Gießener Kapitän John Bryant (21 Punkte, 11 Rebounds) lieferte, zum 63:70 ablegte, war ein 11:3-Lauf der Eisbären gestartet, der sich viertelübergreifend sogar noch in einen 20:3-Run verwandelte.

Zu schwach in der Defensive

Plötzlich lagen die Nordsteestädter mit den Mittelhessen beim 70:70 gleichauf. Freyer war bedient und blickte analytisch auf diese Phase: "Wir haben körperlich nicht dagegegengehalten. Uns hat die Aggressivität beim Defensiv-Rebound und im Eins-gegen-Eins gefehlt. Die Dreier der Bremerhavener haben dann dazu geführt, dass sie sich Selbstvertrauen geholt haben."

Die Sorglosigkeit in der Abwehr der Gießen 46ers bestraften die Eisbären auf dem Fuß. Mal entschwand Lischkas Gegenspieler Jan Niklas Wimberg, um mit zwei krachenden Dunkings abzuschließen. Mal nutzte Warren seine Eins-gegen-Eins-Stärke oder Blocks aus, um Max Landis abzuhängen und anschließend zu scoren oder seine Mitspieler exzellent zu bedienen. Ab Minute 32 war es ein Basketball-Krimi vom Feinsten.

87:83 für Gießen 46ers

In der Crunch-Time übernahm Bryant die Verantwortung - und zog sein Team aus dem Schlamassel. Und Landis nutzte das Momentum, als er bei einem Dreier gefoult wurde, um drei von drei von der Linie zum 87:83 einfliegen zu lassen – bei Restspielzeit 98 Sekunden. Das muss doch reichen, redeten sich die 46ers-Anhänger ein – mit Blick auf die erfahrenen Gießener Akteure wie Bryant, Gordon, Lischka oder Brandon Thomas.

Aber dabei hatten sie die coolen Eisbären um Warren und den siegbringenden Dreier von Elston Turner (7,4 Sekunden vor Schluss) wie das wahrlich grenzwertige Offensivfoul von Lischka, den Korbverleger von Gordon und das unglückliche Ziehen mit abschließendem Hinplumpsen von Landis bei der letzten Aktion nicht auf der Rechnung.

Klare Worte von Bryant

Frust bei den 46ers und den fassungslosen Fans, überschwängliche Freude dagegen bei Eisbären-Coach Arne Woltmann: "Ich kann aus Erfahrung sagen, dass in Gießen zu gewinnen, nicht leicht ist. Von daher bin ich sehr stolz, dass wir es geschafft haben, in dieser Atmosphäre von minus 15 im dritten Viertel noch einen Sieg davon zu tragen."

Sein Gegenüber Freyer hatte sichtlich an der völlig unnötigen Niederlage zu knabbern. Ihm wurde gnadenlos vor Augen gehalten, dass es noch gewaltig in der Defense hapert. Und sein Kapitän Bryant fand deutliche Worte für die mangelnde Arbeit beim Körbeverhindern: "Wir haben sie bei ihren Dreiern in einen Rhythmus gebracht. Die Defense ist für uns der große Schlüssel. Wenn wir in die Playoffs kommen wollen, müssen wir an unserer Defense hart arbeiten."

Zur Zweigstelle nach Würzburg

Fünf Tage hat die Mannschaft Zeit, das Spiel zu analysieren und ihre Lehren aus den Fehlern zu ziehen. Am Freitag geht es zu der Gießener Zweigstelle nach Würzburg (20.30 Uhr), in der bekanntlich seit dieser Saison der ehemalige 46ers-Trainer Denis Wucherer das sportliche Sagen hat. Er hat sich mit Skyler Bowlin, Cameron Wells und Gabriel Olaseni gleich drei Profis aus gemeinsamen Gießener Zeiten um sich geschart – und dürfte heiß auf das Duell sein. Das Freyer-Team kann mit einem Sieg bei den Franken Wiedergutmachung betreiben.

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