Michael Koch, der neue Geschäftsführer und Sportdirektor der Gießen 46ers, hat seinen Platz bei den Heimspielen gefunden - auf einem Stuhl neben der Spielerbank. FOTO: FRIEDRICH
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Michael Koch, der neue Geschäftsführer und Sportdirektor der Gießen 46ers, hat seinen Platz bei den Heimspielen gefunden - auf einem Stuhl neben der Spielerbank. FOTO: FRIEDRICH

Basketball

Michael Koch: Neuer Sportdirektor der Gießen 46ers im Interview

  • Wolfgang Gärtner
    vonWolfgang Gärtner
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Michael Koch, der neue Geschäftsführer und Sportdirektor der Gießen 46ers, hat nach der Derbyniederlage gegen Frankfurt erhöhten Redebedarf.

Natürlich hat sich Michael Koch in seiner Doppelfunktion Geschäftsführer/Sportdirektor einen besseren Einstand gewünscht. Der dringend benötigte Sieg am Samstag im Hessenderby gegen die Frankfurt Skyliners blieb dem gebürtigen Licher aber verwehrt. Der 54-jährige Ex-Basketball-Nationalspieler verrät im Interview, was ihm alles aufgefallen ist und was bei ihm aktuell ganz oben auf der Agenda steht.

Wie bewerten Sie die aktuelle sportliche Situation der Gießen 46ers?

Nach den Niederlagen in Vechta und gegen Frankfurt muss man ganz klar und deutlich aussprechen, um was es geht: Abstiegskampf. Wenn wir beide Spiele gewonnen hätten, hätten wir uns von unten absetzen können.

Was hat Ihnen am Spiel Ihrer Mannschaft gegen Frankfurt gefallen?

Der Start war solide. Wir haben am Anfang gut verteidigt, gedoppelt, einige Ballgewinnen generiert und schnell auf Angriff umgeschaltet. In den Phasen, in denen wir wieder herangekommen sind und ein paar Steals verzeichneten, war die Verteidigung ebenfalls gut - zudem das Umschaltspiel. Darauf müssen wir aufbauen - aus einer soliden Verteidigung heraus schnell nach vorne spielen. Das ist das Spiel der Mannschaft.

Bei der Pick-and-Roll-Verteidigung hat Ihr Team viele leichte Punkte von der Mitte aus kassiert. Das Herauskommen zum Stören nach dem Block war zu hektisch.

Der Plan von Ingo (Anm. d. Red.: Freyer, Trainer) war, sehr viel Druck auf die Guards auszuüben. Und Kratzer ist mit seinem bulligen Körper immer durch die Mitte gerollt. Ich hätte mir mehr Fouls gewünscht, weil Kratzer nicht der größte Freiwurfschütze ist. In so einem Spiel muss man auch einmal mit der Brechstange dazwischengehen, mal ein deutliches Zeichen setzen. Wenn es um den Abstiegskampf geht, muss man auch Härte an den Tag legen.

Was hat Ihnen gegen Frankfurt missfallen?

Wenn wir den Ball nicht bewegt haben, sondern extrem viel im Eins-gegen-Eins oder nur nach einem Pass versucht haben, zu attackieren. Dabei haben wir sehr viele Fehler gemacht, viele Ballverluste produziert und keine guten Würfe generiert. Im Gegensatz dazu: Wenn wir den Ball bewegt haben, wenn der Ball von Seite zu Seite gelaufen ist und wir dann offene Würfe bekommen haben, sah das viel besser aus.

Wie empfanden Sie die Atmosphäre beim Derby?

Die Atmosphäre war im Großen und Ganzen ganz gut. Zum Ende gab es ein paar Fans, die gepöbelt haben. Die haben wir aber gut eingefangen. Da hat Brandon Thomas (Führungsspieler) einen sehr guten Job gemacht. Wir hier in Gießen müssen verstehen - das ist auch eine Bitte an alle Fans, an alle Sponsoren, an alle, die Bundesliga-Basketball in Gießen weiter sehen wollen -, wir müssen es gemeinsam machen. Wir können uns nicht teilen. Wir müssen wie eine Eins hinter der Mannschaft stehen, sie anfeuern - in schweren Zeiten noch mehr als in guten Zeiten. Es geht nur, wenn wir alle am gleichen Strang ziehen: die Fans, die Sponsoren, Aufsichtsrat, Gesellschafter, Trainer, Spieler Sportdirektor, Geschäftsstelle. Dann können wir auch nach vorne schauen und das meistern.

Wie waren Ihre ersten Arbeitstage in der Doppelfunktion Geschäftsführer und Sportdirektor?

Stressig. Es gibt zwei Punkte: Zum einen ist es sehr gut, dass hier schon eine Struktur vorhanden ist. Das heißt: Die Mannschaft ist schon zusammengestellt, sie kennt sich in der Liga aus. Es muss aber bei den Spielern nachgebessert werden - in Form von Gesprächen. Genauso verhält es sich mit der Geschäftsstelle - die machen alle ihren Job. Für mich ging es jetzt erst einmal darum, Einzelgespräche in der Geschäftsstelle zu führen - nun kommen die Spieler dran. Ich muss mir einen Eindruck verschaffen, wie das Umfeld bestellt ist. Das macht im Augenblick viel Spaß, aber ist auch eine enorme Arbeit, weil du den Tag über sehr stark beschäftigst bist.

Mit Ihrem Trainer Ingo Freyer haben Sie bereits gesprochen. Es ist die Zeit der personellen Planung. Gibt es diesbezüglich Neuigkeiten?

Im Detail haben wir das noch nicht geklärt. Es gibt immer Tendenzen, wie die Mannschaft in der nächsten Saison aussehen soll. Aber die Personalplanung so weit nach vorne zu fahren und diese Saison aus den Augen zu verlieren, das wäre das falsche Signal und auch die falsche Herangehensweise. Aktuell müssen wir uns um die jetzige Mannschaft kümmern, sie wieder aufbauen. Noch haben wir Spiele zu bestreiten. Und wir stehen ja nicht gerade so da, dass wir uns ausruhen können.

Was ist Ihr Thema Nummer eins, was bei Ihnen auf der To-do-Liste steht?

In dieser Woche ist für mich Thema Nummer eins, dass ich mich mit den Spielern treffe und Einzelgespräche führe, damit ich einen Einblick erhalte, wie sie die Situation sehen, wie sie sich hier fühlen, welche Rolle sie haben, was sie besser machen und woran wir noch arbeiten können. Oftmals öffnen sich Spieler vielleicht mehr beim Sportdirektor als beim Trainer. Andererseits stehen auch Termine mit Sponsoren an, bei denen ich vertriebsunterstützend dabei sein werde.

Ihren Platz bei den Heimspielen scheinen Sie gefunden zu haben. Auf einem Stuhl neben der Spielerbank.

Ein Sportdirektor braucht die Nähe zur Mannschaft. Er darf nicht im Publikum sitzen.

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