+
Prädikat wertvoll: Benjamin Lischka beim Wurf für die Gießen 46ers, die sich beim SC Rasta Vechta nach einer Steigerung nach der Pause mit 87:83 durchsetzen. (Foto: Vogel)

Lischka läuft für Gießen 46ers zu Höchstform auf

  • schließen

(mv) Benjamin Lischka spielte groß auf bei der Partie der Gießen 46ers bei Rasta Vechta: Beim 87:83 (40:49) benötigten die Bundesliga-Basketballer eine starke zweite Hälfte für ihren achten Saisonerfolg.

Es war ein hartes Stück Arbeit in der wie immer mit 3140 Zuschauern ausverkauften Halle der Vechtaer: Zwischenzeitlich lagen die Gießener mit 13 Zählern zurück (19:32/11. Minute), kamen in der ersten Hälfte zu häufig nur zu mäßig erfolgreichen Dreiern, anstatt den Weg zum Brett zu finden, den die Defensive der Hausherren verstellte. Zudem bekam die eigene Verteidigung kaum Zugriff auf die Vechtaer, die sich vor der Partie kurzfristig noch mit dem bundesligaerfahrenen Larry Gordon (Hagen, Bremerhaven) verstärkt hatten: So konnte der Ex-Gießener Besnik Bekteshi mit acht Zählern allein im ersten Viertel auf sich aufmerksam machen. Die 46ers wiederum lebten zu Beginn von den Qualitäten eines Thomas Scrubb und Durchsteckern auf Justin Sears, fanden aber nicht zu ihrem erfolgreichen Teamspiel.

Doch das Trainerteam um Denis Wucherer hatte seine Hausaufgaben gemacht: Und wie in der Vorwoche, als die Niedersachsen gegen Alba Berlin zur Pause hoch führten, aber am Ende noch deutlich unterlagen, begann sich das Blatt in der zweiten Hälfte zu wenden: Denn nun traten auch andere Spieler in Erscheinung, allen voran Benjamin Lischka: Der Langgönser ging mit Power zum Korb und netzte butterweich von der Dreierlinie ein und riss so seine Teamkollegen mit. Keiner schien den 2,04-Meter-Mann auf der Rechnung zu haben, und so lieferte er am Ende mit 14 Punkten eine neue Saisonbestleistung ab, die sein Team bitter nötig hatte. Wirkten die Gießener in den ersten 20 Minuten teilweise lethargisch, war nach dem Seitenwechsel eine neue Energie zu spüren. Vor allem in der Schlussphase des dritten und zu Beginn des vierten Viertels spielten Cameron Wells und Kollegen wie entfesselt auf, machten aus einem 52:61-Rückstand eine 84:70-Führung – ein 32:9-Lauf binnen zehn Minuten. Die Nervosität der Gastgeber, der aktuelle Bundesliga-Tabellenletzte, der erst einen Saisonsieg vorweisen kann, war in dieser Phase mit Händen zu spüren. Auch Trainer Wucherer gab seinen Schützlingen in einer Auszeit eindringlich mit auf den Weg, dass die Vechtaer angesichts der Niederlage gegen Berlin in der Vorwoche und des bisherigen Saisonverlaufes nun nervös wären. Einzig, die Hausherren hielten sich nicht an diesen Plan: Die Offensivmaschine, welche den 46ers in den ersten zehn Minuten schon 29 Punkte eingeschenkt hatte, kam nun wieder auf Touren und legte bis zur Schlussminute einen 13:0-Run auf das Parkett. Oder sogar einen 14:0-Lauf, wie die Fans in Vechta zunächst glaubten – doch der vermeintliche Dreier von Frank Gaines entpuppte sich nur als weiter Zweier, der Amerikaner stand auf der Linie, wie die Schiedsrichter nach Studium der Videobilder urteilten. "Das ist direkt vor meiner Nase passiert, darum konnte ich das gut sehen – es war knapp, aber da war keine Luft mehr zwischen Schuh und Linie", schmunzelte Wucherer in der Pressekonferenz. Gießens Trainer gab aber auch zu, dass er im Spiel selber nicht ganz so cool geblieben war: "Man weiß ja nie, ob man das dann auf den TV-Bildern genauso sieht." Doch auch die Ein-Punkt-Führung drohte noch einmal in Gefahr zu geraten, als Thomas Scrubb eine halbe Minute vor dem Ende seinen Wurf vergab. Vechta holte sich den Rebound und suchte einen Spielzug aus dem Blocken und Abrollen mit Niklas Geske. Der A2-Nationalspieler leistete sich aber einen Ballverlust und foulte Scrubb direkt danach unsportlich. In den Schlusssekunden machte Gießen dann den Sack an der Freiwurflinie zu. "Wir haben nicht die nötige Energie aufs Feld gebracht, um Stops zu generieren. Zur Pause war es unser Ziel, im letzten Viertel auf Tuchfühlung zu sein, denn im Tabellenkeller spielt es sich in solchen Situationen nicht immer einfach. Wir konnten Turnover generieren, Lücken ausnutzen und so das Spiel drehen", freute sich Wucherer. Sein Team feierte mit dem Sieg einen versöhnlichen Jahresabschluss, mit dem achten Sieg im 16. Saisonspiel geht es in die kurze "Winterpause", die eigentlich keine ist – schon am kommenden Wochenende steht das erste Spiel 2017 an, wenn die 46ers beim hessischen Rivalen in Frankfurt antreten müssen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare