Basketballer der Gießen 46er stehen auf dem Feld und jubeln.
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Freude bei den Gießen 46ers, die sich um die Wildcard in der BBL bewerben. (Archivbild)

Basketball-Bundesliga

Wildcard: Können Gießen 46ers doch noch in Basketball-Bundesliga bleiben?

  • Wolfgang Gärtner
    vonWolfgang Gärtner
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Nach dem sportlichen Abstieg aus der Basketball-Bundesliga ist nun klar: Die Gießen 46ers wollen über eine Wildcard im Oberhaus bleiben.

Gießen – Die Gießen 46ers haben sich für eine Wildcard-Bewerbung entschlossen. Eine für die basketballhungrige Region und die Stadt relevante Entscheidung. In wenigen Tagen haben die Gesellschafter die dafür benötigten 700 000 Euro zur Verfügung gestellt – ohne dabei den Gesamtetat zu belasten. Wahrlich eine grandiose Leistung in den coronabedingten Zeiten!

Der Platz war freigeworden, weil aus der 2. Liga (Pro A) wohl nur die MLP Academics Heidelberg aufsteigen werden. Die Bayer Giants Leverkusen haben trotz ihrer sportlichen Qualifikation keine Lizenz beantragt.

Bei den Gesellschaftern, dem Aufsichtsrat und der Geschäftsführung der Gießen 46ers herrschte dieser Tage rege Betriebsamkeit. Ein Thema ließ die Verantwortlichen des abgestiegenen Basketball-Bundesliga-Klubs nicht los: die Wildcard! Am Mittwoch sprachen sich die Verantwortlichen dann nach Abwägung aller Fürs und Widers für die Wildcard-Bewerbung um den BBL-Verbleib aus. 

Gießen 46ers: 700 000 Euro müssen her

700 000 Euro (Aufsplittung von je 350 000 Euro über zwei Spieljahre) müssen nun die Macher mit ihren Sponsoren der BBL auf den Tisch legen. Dann nehmen die Gießener am Wildcard-Verfahren um das Startrecht in der kommenden Saison 2021/22 teil. 

Der seit vielen Wochen um seinen Klub wie ein Berseker kämpfender Geschäftsführer Stephan Dehler betonte immer wieder, dass dieser Betrag außerhalb des regulären Budgets aufzubringen ist. »Die Gesellschafter der 46ers stellen für die Teilnahme am Wildcard-Verfahren zusätzliche 700 000 Euro zur Verfügung. Das ist ein ganz starkes Zeichen der Solidarität an unsere Fans, unsere Sponsoren und die Region. Nach intensiven Gesprächen war klar: Wir wollen die Wildcard – und deshalb haben wir uns für diese Bewerbung um die Wildcard ausgesprochen, da die innerhalb weniger Stunden zugesagten Gelder den Gesamtetat nicht belasten werden. Als Traditionsstandort und Gründungsmitglied der BBL wollen wir auch weiterhin in der 1. Liga mitspielen und spannende Abende in der Gießener ›Osthölle‹ erleben. Davon werden wir jetzt auch alle anderen BBL-Clubs mit Leidenschaft überzeugen«, so Dehler.

Der 37-Jährige hat in den schwierigen Zeiten das Herzblut gezeigt, was einen immer über das Überleben fightenden Klub wie die Gießen 46ers ausmacht – und bei vielen Spielern in dieser schwierigen Saison meist vermisst wurde. Der unentgeltlich, aber immer helfend agierende Dehler (selbst Gesellschafter und Unternehmer) soll nun nach dem seit Längerem bekannt gewordenen Ausscheiden von Michael Koch den neuen Geschäftsführer und Sportdirektor Sebastian Schmidt bis zum Jahresende einarbeiten – und danach ausscheiden. Das sollte sich der Aufsichtsrat nach dem den Klub nach vorne bringenden Engagement von Dehler aber noch einmal durch den Kopf gehen lassen.

Aber die Gießen 46ers sind nicht alleine im Rennen um den begehrten freien Platz im Basketball-Oberhaus. Der ebenfalls sportlich abgestiegene Rangletzte Rasta Vechta hat bereits seinen Hut in den Ring geworfen. Der ambitionierte Pro-A-Klub Rostock Seawolves hat am Freitag entschieden, sich nicht für die Wildcard zu bewerben - wie Science City Jena zuvor.

Basketball-Bundesliga: Gewissheit für Gießen 46ers Ende Mai?

Wer sich letztlich bei der sicherlich virtuellen Präsentation vor den 16 BBL-Managern durchsetzt und den freien BBL-Platz erhält, ist offen. Wobei die 46ers immerhin sportlich gesehen die Saison mit Platz 17 einen Rang vor Vechta abgeschlossen haben.

Am 20. Mai müssen der BBL alle Bewerbungen vorliegen, die dann einer Prüfung unterzogen werden. »Die Entscheidung wird dann zügig fallen«, sagte Jens Staudenmayer (Leiter der Abteilung Sport bei der BBL) auf Anfrage dieser Zeitung. Spätestens Ende Mai dürfte damit zu rechnen sein.

Aber es ist sogar möglich, dass es nach dem 30. Juni zu einem weiteren Wildcardverfahren kommen wird. Aufsteiger Academics Heidelberg hat noch auflösende Bedingungen im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens der BBL zu erfüllen. Im Fall, dass den Neckarstädtern die Lizenz zur Teilnahme an der Spielzeit 2021/22 nicht erteilt wird, würde nach dem 30. Juni ein zweites Wildcardverfahren eingeleitet werden.

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