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Die Mienen der 46ers-Fans und die von Kapitän John Bryant (l.), Alen Pjanic (2. v. l.), Co-Trainer Steven Wriedt (3. v. l.) und Headcoach Ingo Freyer (4. v. l.) sprechen nach der 82:90-Derbyniederlage gegen die Frankfurt Skyliners Bände. FOTO: FRIEDRICH

Gießen 46ers

Keine einfache Situation für die Gießen 46ers

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Derbyniederlage und Abstiegssorgen. Den Gießen 46ers ist momentan nicht nach feiern zumute. Nach dem 82:90 gegen Frankfurt befindet sich das Freyer-Team in keiner einfachen Situation. Und am Freitag steht das Kellerduell beim MBC in Weißenfels an.

Die besten Nachrichten erhielten die Gießen 46ers am späten Samstagabend: Sowohl der Tabellenletzte Weißenfels als auch der Vorletzte aus Hamburg verloren ihre Spiele in der Basketball-Bundesliga. Kollektives Aufatmen bei allen Beteiligten des Clubs von der Lahn. Die 82:90 (32:44)-Niederlage im prestigeträchtigen Hessenderby gegen die Frankfurt Skyliners hat den Punkte-Abstand zu den Kellerkindern nicht verringert - es sind weiterhin sechs Zähler. Somit haben die auf Rang 14 liegenden 46ers noch ein Polster im erbitterten Kampf um den Klassenerhalt.

Doch Trainer Ingo Freyer ist sich der prekären Lage bewusst. "Das Allerwichtigste ist, dass wir am Freitag beim MBC gewinnen", blickte er schon kurz nach dem emotionalen Nachbarschaftsduell gegen die Skyliners, die ebenfalls erst sechs Siege aufweisen - zwei davon gegen Gießen - zur bedeutsamen Partie nach Weißenfels. Bei dieser Vorausschau dürfte ihn ein mulmiges Gefühl beschleichen, denn er kennt das Nervenkostüm seiner unerfahrenen Mannschaft, das nicht das Stabilste ist.

Dass es gegen die Frankfurter nicht zur Revanche in der mit 3752 Zuschauern zum zweiten Mal in der laufenden Saison ausverkauften Osthalle reichte, hatte mehrere Gründe. Der gravierendste war wohl die mangelnde geistige Flexibilität, situationsgerecht zu reagieren. Bestes Beispiel war die Pick-and-Roll-Verteidigung. Die Gießener wollten unbedingt Druck auf die Frankfurter Guards ausüben, deswegen kamen sie beim Blockstellen des Gegners mit ihren Big Men mindestens auf die Höhe der Dreierlinie - meist sogar noch ein bisschen weiter heraus.

Da sowohl Matt Tiby als auch John Bryant nicht die Allerschnellsten auf den Beinen sind, fehlten sie als große Spieler dann beim Abrollen. Die Folge: Die Mitte der Zone war meist frei - eine Einladung zu leichten Körben par excellence. Und das nutzte vor allem Skyliner-Center Leon Kratzer konsequent aus. Es kam nicht von ungefähr, dass er 23 Punkte markierte - und dass die Frankfurter insgesamt in der Nähe des Brettes 44 Zähler sammelten.

Wenn es mehrmals hinten völlig unbedrängt per Dunking einschlägt, sollte man sich Gedanken machen. Da hätte man sich auch neue Impulse von der Gießener Bank gewünscht.

Möglicherweise stand den 46ers-Akteuren aber die eigene Aggressivität im Wege. Zu oft wurde viel zu überhastet verteidigt - zu energisch der erste Schritt nach vorne gemacht. Da hatten es die Frankfurter häufig leicht, an ihrem Gegenspieler vorbeizuziehen und den Abwehrverbund damit auseinanderzureißen.

Das war sicherlich auch ein Grund, warum sich die Skyliners so viele Offensivrebounds sicherten - immerhin 15 Stück. Bis sich die Gießener Abwehr orientiert hatte, waren die besten Plätze für den Positionskampf unter dem Korb schon vergeben.

Freyer sah die Reboundschwäche seines Teams als Hauptursache für die Niederlage - übrigens die vierte in Folge. "Unser Defizit lag ganz klar unter dem Korb. Wir haben es nicht geschafft, Kratzer, der ein super Spiel gemacht hat, zu kontrollieren - oder insgesamt Inside Frankfurt zu kontrollieren, was eigentlich unser Ziel war. Wenn du 27:43- Rebounds zu Hause machst, kannst du das Spiel nicht gewinnen."

Und doch besaßen die Gießener eine Gewinnchance. Nach einem soliden Start lagen sie nach den ersten zehn Minuten mit 15:19 im Hintertreffen. Im zweiten Viertel erhöhten die Gäste aus der Bankenmetropole ihre Intensität beim Körbeverhindern - dafür sind sie in der Liga bekannt. Die 46ers kamen mit dem Druck überhaupt nicht zurecht. Sie bewegten im Angriff den Ball zu wenig in ihren eigenen Reihen, agierten insgesamt viel zu statisch und ohne prickelnde Ideen. Die Skyliners legten einen 18:0-Lauf zur 32:15-Führung hin und gingen mit dem 44:32 in die Pause.

Die 46ers starteten aber entschlossener und geistig viel wacher in die zweite Hälfte. Angeführt vom guten Tiby - zehn von zehn Freiwürfen - holten sie bis zum 45:48 (Dreier Jordan Barnett) in der 25. Minute auf. Die Gäste konterten immer wieder über ihren Flügelspieler Shaq Hines, der bis zum Ende des Quarters wichtige Dreier traf (63:55). Wiederum kämpften sich die Gießener zurück. Nach einem Dreier von Stephen Brown waren es nur noch vier Punkte Rückstand bei Restspielzeit 50 Sekunden. Das Drei-Punkt-Spiel von Jones Lamont machte aber den zweiten Derbysieg der Saison perfekt.

Vor dem Spiel bescherten einige Gießener Fans dem Ex-Geschäftsführer Heiko Schelberg, der nach acht Jahren den Club von der Lahn verlässt, einen emotionalen Abschied mit Sprechchören und einem überdimensionalen Banner. Seit vergangenen Sonntag ist bereits sein Nachfolger Michael Koch im Amt, der zudem Sportdirektor ist. Bei ihm steht in dieser Woche ganz oben auf der To-Do-Liste, Einzelgespräche mit den Spielern zu führen. Auch er weiß, dass es nach Weißenfels geht.

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