+
Foto: Sven Kuczera

Jugend-Gipfel

Die Idee des gemeinsamen Sport-Internats in der Region

  • schließen
  • Sven Nordmann
    Sven Nordmann
    schließen

Die Gießen 46ers stoßen in der Nachwuchsarbeit an Kapazitätsgrenzen - wie die Roten Teufel Bad Nauheim. Die Idee eines Sport-Internats wird geboren.

Platz – für eine ausgewogene und ambitionierte Ausbildung im Jugendsport elementar. Vor allem Daniel Heinrizi von den Roten Teufeln Bad Nauheim und Thaddäus Kaeuffer von den Gießen 46ers beklagen diesbezüglich Probleme. Neben individuellen Ansätzen gibt es auch eine zentrale gemeinsame Idee: ein Sportinternat für mehrere mittelhessische Topclubs.

Wenn man Ihnen 50 000 Euro zur freien Verfügung geben würde – worin würden Sie es im Jugendbereich investieren?

Deniz Solmaz (TSG Wieseck): Ich würde es direkt in das Trainingsequipment, neue Bälle, Trikots, Tore und in die Ausbildung der Trainer stecken. Als kleines Dankeschön an meine Trainer fliege ich mit allen demnächst nach Barcelona zu einem Spiel. Das Umfeld für Spieler und Trainer soll möglichst attraktiv sein (alle stimmen zu)

Wo hakt es im Jugendbereich Ihres Vereins ansonsten am meisten?

Daniel Heinrizi (Rote Teufel Bad Nauheim): Wir brauchen definitiv mehr Trainingszeiten.Wir haben eine Eisfläche und die ist städtisch. Da findet Schulsport statt, der uns sozusagen Zeiten blockiert. Die Profis trainieren vormittags, um der Jugend abends keine Zeiten wegzunehmen. Somit können meine U19-Spieler aber nicht mal bei den Profis mittrainieren, weil sie vormittags in der Schule sind. Und durch die Zeitprobleme trainieren wir in der U8 und U10 teilweise mit 70 Kindern auf dem Eis, sechs Trainer sind dabei. Nach der Stunde bist du durch.

Thaddäus Kaeuffer (Gießen 46ers): Wir haben keinen Kraftraum, den alle nutzen können. Wir bräuchten für die Basketballer eigentlich eine Halle, in der drei Mannschaften trainieren können, einen Kraftraum nebenan und ein Zimmer, in dem der Trainer die Einheiten vor- und nachbereiten kann. Im besten Fall eine kleine Kantine. Ein Trainingszentrum wäre meiner Meinung nach wichtiger als eine neue Spielstätte.

Thomas Weber (HSG Wetzlar): Bei uns ist alles gebündelt, aber auch eng.

Solmaz: Braucht man für das Handballtraining zwingend eine Halle für ein Team?

Weber: Naja, nicht zwingend. Aber für einen Tempogegenstoß schon (alle lachen). Ich habe schon erlebt, dass drei Teams in einer Halle trainiert haben. Da wurde auf die jeweiligen Tore gespielt und in der Mitte gab’s Athletiktraining. Ich kann das also nachvollziehen, wenn Daniel von 70 Kindern auf dem Eis spricht. Danach bist du platt.

LESEN SIE AUCH: TEIL I: Jugendtrainer appellieren: Erfolg nicht an der Tabelle ablesbar

Haben Sie denn berechtigte Hoffnungen, dass sich diese Platzprobleme, vor allem in Bad Nauheim und bei den Gießen 46ers lösen werden?

Heinrizi: Ein neues Eisstadion wäre natürlich das Optimum und der Traum – das ist aber ein langfristiges Vorhaben, das sowohl für uns als Verein als auch für die Stadt zur anderweitigen Nutzung Vorteile hätte. Wir sind mit der Stadt in konstruktiven Gesprächen und wollen die Nutzung des Eisstadions kurz- und mittelfristig optimieren.

Kaueffer: Die 46ers-Fans wünschen sich schon seit Längerem eine neue Halle. Ich hoffe, dass - wenn so etwas irgendwann kommen sollte - eine Kombi-Lösung gefunden wird. Es gibt Hallen mit drei Spielfeldern, für die äußeren Spielfelder kannst du eine Tribüne ausziehen.

Herr Weber, können Sie uns ein Beispiel nennen, wo die HSG in der Jugend Nachholbedarf zur Konkurrenz hat?

Weber: Wir haben im Vergleich zur Konkurrenz das Problem, dass wir kein Internat haben. Wir können nicht garantieren, dass hier Spieler untergebracht sind. Zuerst schauen wir im Gießener Raum nach Talenten, aber so viel gibt’s ja gar nicht, um damit alles mit der gesuchten Qualität abzudecken. Im Darmstädter oder Frankfurter Raum suchen wir, das funktioniert aber auch meist nur, wenn mehrere kommen und man Fahrgemeinschaften bilden kann. Obwohl wir in der A-Jugend deutscher Meister geworden sind, kriegen wir nicht so viele Leute.

Kaeuffer: Für uns wäre es in Konkurrenz zu den Skyliners und Göttingen, die Spieler aus Kassel abziehen, auch super, wenn wir Internatsplätze anbieten können. Vielleicht können wir uns da mal in Zukunft zusammentun (alle lachen)

Solmaz: Du musst eigentlich nur ein Haus mieten, steckst einen Sozialpädagogen rein und gut ist. Hat Darmstadt 98 auch gemacht – in dem Haus leben acht bis zehn Jugendspieler.

Heinrizi: Wir haben ähnliche Ideen in Bad Nauheim schon seit mehreren Jahren. Mehrere Bundesligisten auf dem Raum von 40 Kilometern sollten sich überlegen, ob sie etwas Gemeinsames sportarten-übergreifend hinbekommen.

LESEN SIE AUCH: TEIL II: So setzen mittelhessische Jugendtrainer Grenzen bei Eltern und Handy

Ist das realistisch?

Heinrizi: Warum nicht? Logistisch und finanziell ist es für einen Verein alleine schwer. Wir müssen uns einfach mal in dieser Konstellation mit einigen weiteren Leuten zusammensetzen.

Dass dann alle auf die gleiche Schule gehen, wäre schwierig.

Kaeuffer: Dann brauchst du einen Fahrer.

Heinrizi: Du brauchst mehrere Fahrer, die die Jungs in die Eishalle nach Bad Nauheim, nach Gießen und Wetzlar fahren und die dann abends wieder zusammentreffen. Dazu eine passende Schule mit Gymnasial- und Realzweig. Da bin ich auf das Problem gestoßen, dass Innenminister Peter Beuth das Ganze super findet, aber das Land Hessen die Sportschulen von neun auf fünf reduzieren will. Du brauchst halt einen Ort, wo an einer Schule ein Leiter ist, der das fördert.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare