Heiko Schelberg: "Alle Parameter müssen stimmen"

  • Wolfgang Gärtner
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Heiko Schelberg ist entspannt. Es läuft bei den Gießen 46ers. Platz neun nach 17 Spielen für den Basketball-Bundesligisten im zweiten Jahr nach dem Aufstieg – damit hatten nur die kühnsten Optimisten gerechnet.

Auch das Verdienst des Geschäftsführers, der die Marke weiter nach vorne treiben und gerne mit Trainer Denis Wucherer verlängern will. Der Terminkalender von Heiko Schelberg ist voll. Der Geschäftsführer der Gießen 46ers ist ein gefragter Mann, der ständig Entscheidungen treffen muss. Ganz oben auf seiner Agenda steht die Weiterverpflichtung von Headcoach Denis Wucherer. Der mögliche Bundesliganachwuchs ist ihm aber auch ein ganz wichtiges Thema.

Wie ist der aktuelle Stand bezüglich einer Weiterverpflichtung von Trainer Denis Wucherer?

Heiko Schelberg: Wir haben schon Mitte Dezember den Stein ins Rollen gebracht und die Initiative für die ersten Gespräche ergriffen. Für uns war es wichtig, frühzeitig auszuloten, wie die Dinge und Perspektiven für eine weitere Zusammenarbeit beiderseits aussehen. Aber es ist doch gar keine Frage, dass wir wissen, was wir hier in Gießen gemeinsam in den letzten vier Jahren auf die Beine gestellt haben – und natürlich auch, was Denis im sportlichen Bereich geleistet hat. Den Stand der Verhandlungen werden wir aber nicht in die Öffentlichkeit tragen.

Gibt es eine Deadline?

Schelberg: Wir stehen nicht unter Druck und Denis ebenfalls nicht. Von daher sehen wir beidseitig das Thema entspannt, und dennoch wollen wir schnellstmöglich ein Ergebnis finden. Wir müssen für uns, für den Klub, für alle Parteien die richtige Entscheidung treffen. Dementsprechend kann ich keine Deadline nennen. In den letzten Jahren war das Geheimnis des Erfolges, dass wir die Kaderplanung immer frühzeitig begonnen und frühzeitig abgeschlossen haben. Von daher sind wir natürlich daran interessiert, die ergebnisoffenen Verhandlungen zum Abschluss zu bringen.

Die 46ers möchten also gerne mit Wucherer weitermachen?

Schelberg: Natürlich würden wir gerne mit ihm den Vertrag erneut verlängern, aber wir müssen auch alle wirtschaftlichen Parameter einfließen lassen. Wir sind ein seriöses Unternehmen und müssen schauen, wie wir einen Weg zueinander finden. Wir werden nur dann eine Entscheidung treffen, wenn wir überzeugt sind, dass alles für die 46ers darstellbar ist und in einer vernünftigen Relation steht. Darüber hinaus möchten wir weiterhin mittelfristige Planungssicherheit im sportlichen Bereich.

Coach Wucherer hat kürzlich in dieser Zeitung geäußert, dass er bei einem Verbleib gerne einen Kader hätte, mit dem er nicht gleich wieder um den Klassenerhalt kämpfen muss. Ist das für die 46ers überhaupt finanziell realisierbar?

Schelberg: Wir sind noch am Anfang der Vermarktungsphase, was die kommende Saison betrifft. Wir haben wesentliche Bausteine von Sponsoren, die uns eine Zusage gegeben haben. Man muss den Blick aber auf das große Ganze haben. Zurzeit haben viele Branchen eklatante Probleme, in denen zahlreiche Sponsorings eingestellt werden. Diese Situation ist nicht zu unterschätzen – und die betrifft auch die Gießen 46ers. Hinzu kommt, dass wir in den letzten vier Jahren das Optimum aus der Marke Gießen 46ers herausgeholt haben. Das heißt: Wir versuchen, eine neue Sponsoring-Strategie zu erarbeiten, um mehr Erlöse zu erzielen. Und dann kommt die Sporthalle Gießen-Ost dazu, die auch in naher Zukunft eine Erlös-Grenze erreichen wird, über die wir nicht hinwegkommen. Deswegen arbeiten wir in vielen Bereichen daran, um die komplette Infrastruktur der Gießen 46ers zu verbessern. Da geht es letztendlich darum, die Erlösseite zu erhöhen, um dann auch den nächsten Schritt machen zu können.

Sind die Möglichkeiten nun vorhanden?

Schelberg: Die Möglichkeiten sind immer da. Wir haben mit dem Namenssponsor ein ganz großes Pfund in der Hinterhand. Das Thema Namenssponsoring werden wir aber nicht um jeden Preis vermarkten. Es muss passen, weil es eine strategische Kooperation ist. Es gibt immer Optionen, die Erlösseite zu steigern – und hier ist unsere Innovation gefragt.

Gibt es für die kommende Saison neue Auflagen seitens der BBL, die das gesamte Konstrukt der 46ers mehr belasten könnten?

Schelberg: Nein, überhaupt nicht. Wir haben ein sehr hohes Ansehen bei der BBL und bekommen viel Lob für unsere Arbeit. Welchen Schritt die BBL auch in Sachen Lizenzierungsauflagen gehen wird, da kann ich für die nächsten zwei Jahre sagen, das wird für die Gießen 46ers alles sehr überschaubar sein.

Und wie sieht es bei der Standardisierung aus? Die BBL erhöht Jahr für Jahr ihre Anforderungen an die Klubs wie zum Beispiel eigene Trainingshalle und ein weiterer hauptamtlicher Jugendtrainer.

Schelberg: Ein komplexes Thema. Was die eigene Trainingshalle angeht, haben wir eine exzellente Lösung mit dem MTV Gießen für die Rivers gefunden. Natürlich, jede neue Position, die von der BBL gefordert wird, auch im Jugendbereich, belastet den Gesamtetat. Aber wir sind so aufgestellt, dass wir die Auflagen mit Sicherheit erfüllen können. Bei der einen oder anderen Position müssen wir uns dual und trial aufstellen, dass halt mehrere Themenfelder bearbeitet werden. Aber eines möchte ich mal in aller Deutlichkeit sagen: Vor vier Jahren war hier nur noch Schutt und Asche. Ich glaube, dass wir es mit sehr realistischen Managemententscheidungen geschafft haben, wieder eine tolle Marke in der BBL zu werden.

Können Sie das konkretisieren?

Schelberg: Viele Klubs machen den Fehler, dass sie versuchen, sich selber zu überholen und den Begehrlichkeiten des Umfelds jederzeit nachzukommen. Dabei laufen sie Gefahr, sich finanziell in die Bredouille zu bringen oder gar zu verschulden. Wir gehen hier weiterhin konsequent und verantwortungsbewusst einen Schritt nach dem anderen. Das bedeutet, dass wir einen Entwicklungsprozess haben, der sich sehen lassen kann. Wir haben eine Bundesligasaison gespielt und sind jetzt in der Hälfte der zweiten. Und wenn man sieht, wie lange Konstrukte in Bamberg oder Ulm von der Zeitschiene her benötigt haben, haben wir schon eine enorme Aufholarbeit geleistet.

In Ulm und in Bamberg haben neue Arenen dazu geführt, dass sich ein Aufschwung anschloss. In Gießen ist auch eine neue Halle angedacht. Was gibt es dazu zu sagen?

Schelberg: Es wird schon mal gefragt, wo bleibt denn die Machbarkeitsstudie. Die wird nicht innerhalb von drei oder vier Wochen erstellt. Wir erwarten die ersten Ergebnisse der Studie im Mai oder Juni. Wenn wir diese vorliegen haben, dann folgen weitere Details.

Sie stehen als Geschäftsführer mit an der Spitze der Entscheider. Welchen Spieler der aktuellen Mannschaft würden Sie – natürlich in Absprache mit dem Trainer – gerne auch in der nächsten Saison im 46ers-Trikot sehen?

Schelberg: Wir haben wieder mal eine Saison, in der jeder einen guten Job macht (lacht) – das zeigt auch der Tabellenplatz. Das macht es nicht leichter, in die jeweiligen Vertragsverhandlungen zu gehen. Es ist doch klar, dass wir Identifikationsfiguren wie Benjamin Lischka hier halten möchten – was wir mit der Vertragsverlängerung am Donnerstag getan haben. Wie mit Marco Völler auch, der sich hier etabliert hat und in der Bundesliga angekommen ist. Er passt absolut zu unserem Klub, zu unserer Philosophie und Denkweise.

Und wenn man sieht, was Joshi (Saibou) im Vergleich zu Würzburg hier abruft, ist das auch ein spannendes Thema. Aber auch hier muss gesagt werden: Wir müssen die finanziellen Mittel, die wir haben, sinnvoll einsetzen. Wir müssen auch damit leben lernen, dass wir nicht in der Lage sind, jeden Spieler halten zu können. Das ist das Geschäft, und es liegt dann an uns, gute Alternativen aufzutun. Und in den letzten Jahren haben wir immer gute personelle Alternativen gefunden.

Ein Kapital, was vorhanden ist, ist der Nachwuchs. In diesem Bereich hat der Gießen 46ers e. V. einiges aufgestellt. Wie ist in diesem Bereich der Stand? Sie sind doch dort der erste Vorsitzende.

Schelberg: Ja, das bin ich. Und das zeigt auch, wie wichtig mir das Thema ist. Wir haben aufgrund der letzten zehn Jahre eine Menge aufzuarbeiten. Auch in diesem Bereich ist es wichtig – und zumindest versuchen wir das – , jeden mit ins Boot zu nehmen. Ob das die Licher BasketBären sind, ob das der VfB Gießen, BBLZ oder der MTV Gießen ist. Wir haben in den letzten Wochen zahlreiche Gespräche geführt und glauben, eine Vertrauensbasis hergestellt zu haben, auf der sich aufbauen lässt.

Wir haben ein Jugendkonzept entwickelt. Wie ernst wir das Thema nehmen, zeigt auch, dass wir mit der Personalie Sascha Schneider als Nachwuchsprojektleiter innerhalb der 46ers eine neue Position geschaffen haben. Und die Ernsthaftigkeit zeigt auch, dass wir bei der JBBL und NBBL einen Namenssponsor gefunden haben. Dieses Umfeld nun auf einen Weg zu bringen, ist die Kunst. Wir haben wesentliche, elementare, wichtige Wege eingeschlagen, die mir das Gefühl geben, dass wir es gemeinsam zukünftig schaffen werden, eine Sprache zu sprechen. Von daher spielt das Thema Rivers-Halle für uns auch eine große Rolle. Wir haben das Ziel, eine gute adäquate Einigung zu finden, dass wir die Vermarktungschancen, die die Rivers durchaus bieten kann, gerade für Sponsoren im Jugendbereich zu nutzen. Wir haben zielorientiert mit der Unterstützung unserer Gesellschafter ein paar Kilometer schon hinter uns gebracht – in allen Bereichen.

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