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Gießens Cheftrainer Ingo Freyer nimmt sich nach dem verlorenen Hessenderby in Frankfurt seine Spieler zur Brust (v. l.): John Bryant, Bjarne Kraushaar, Jared Jordan, Larry Gordon und Siyani Chambers.

Gießen 46ers

Gießen 46ers: Zukunft von John Bryant ungewiss - Vier Spieler vor Absprung?

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Nach der Derby-Niederlage der Gießen 46ers bei den Fraport Skyliners ist Trainer Ingo Freyer sauer. Ein Fragezeichen gibt es nun doch zum Thema John Bryant. 

Trainer Ingo Freyer war unzufrieden und ließ das sein Team wissen. Die Worte, mit denen sich der Trainer der Gießen 46ers nach der 81:82-Niederlage in Frankfurt lautstark an sein Team wandte, bleiben ungenannt.

Doch sie dürften dem entsprechen, was wohl auch die meisten der gut 500 mitgereisten Fans am letzten HauptrundenSpieltag der Basketball-Bundesliga-Saison dachten. Denn auch, wenn sich Superstar John Bryant bereits vor dem Spiel mit einer Achillessehnenreizung zu Benjamin Lischka gesellte, der mit der gleichen Verletzung ebenfalls ausfiel, wäre mehr drin gewesen - wie nicht zum ersten Mal in dieser Spielzeit. Doch die Skyliners, die fast das ganze Spiel über vor 5000 Zuschauern zurücklagen, konnten acht Sekunden vor dem Ende in Führung gehen, der letzte Dreier von David Bell aus der Ecke fand sein Ziel nicht. Und so hieß es am Ende zum 21. Mal in dieser Spielzeit: Keine Punkte für die 46ers.

46ers-Manager Heiko Schelberg war nach dem Spiel dennoch leidlich zufrieden mit der Saison: "Wir nehmen lieber die goldene Ananas als die verfaulte Banane", schmunzelte er und fand nach dem Hessenderby Trost darin, an keinem der 34. Spieltage ernsthaft etwas mit dem Abstiegskampf zu tun gehabt zu haben. Dennoch kündigte Schelberg einen Umbruch im Sommer an: "Unsere Intention im Sommer war, dass wir mit erfahrenen Spielern genau solche Situationen wie hier in den Griff bekommen", betonte der Geschäftsführer, ehe er mit Verweis auf die gerade gesehene Partie, aber auch auf die Niederlagen in Braunschweig, gegen Crailsheim und Göttingen konstatieren musste: "Das ist uns nicht gelungen."

Neben Bryant war in der abgelaufenen Spielzeit unter den erfahrenen Akteuren vor allem Brandon Thomas positiv aufgefallen, der auch in der kommenden Saison unter Vertrag stehen wird. Auch in Frankfurt nahm der Flügelspieler das Heft in die Hand, war mit 23 Punkten einer der besten Gießener und sorgte mit seinen Dunks über die beiden Frankfurter Center Leon Kratzer und Jonas Wohlfarth-Bottermann für die absoluten Highlights der Partie. Ansonsten überzeugte Bryant-Ersatz Mahir Agva in einem der vielleicht besten Spiele, das der junge Deutsche bislang in der BBL absolvierte: Er kam gegen seinen Ex-Klub ebenfalls auf 23 Punkte, griff sich dazu acht Rebounds und wusste auf ganzer Linie zu gefallen.

Andere Spieler dagegen blieben blass: Larry Gordon schaffte es auch gegen Frankfurt nicht, sich aus seinem Tief der letzten Wochen zu befreien. David Bell und Jared Jordan spielten routiniert ihren Stiefel herunter, ohne darüber hinaus Akzente setzen zu können, und Siyani Chambers kam im letzten Saisonspiel nicht zum Einsatz - auch, wenn Schelberg sich nicht konkret zu einzelnen Spielern äußern wollte, scheinen die Zeichen bei allen vier Spielern eher auf Abschied zu stehen.

Zu den Gerüchten um John Bryant sagte der Manager dann doch noch etwas: "Er hat eine Ausstiegsklausel zum 30. Juni - so ist das bei großen Verträgen. Ich bin positiv gestimmt, ich habe in den letzten Tagen viele Gespräche mit ihm geführt. Ich gehe davon aus, dass er bleibt, er hat einen gültigen Vertrag - und wir setzen weiter auf ihn. Aber eine 100-prozentige Garantie, dass er weiter für die Gießen 46ers spielt, gibt es nicht."

In der kommenden Saison wollen die Gießener eine schlagkräftige Truppe rund um Bryant aufbauen. Zunächst aber müssen noch die Auflagen der BBL erfüllt werden, die derzeit noch zwischen den 46ers und der endgültigen Lizenzerteilung für das nächste Spieljahr stehen. Neben einem noch zu besetzenden Posten für einen weiteren hauptamtlichen Jugendtrainer - eine "eher untergeordnete" Situation laut Schelberg - müssen die Anforderugen an den Mindestetat erfüllt werden: "Wir brauchen die gesamte Region - bevor wir über Spieler für die nächste Saison reden, müssen wir unsere Hausaufgaben machen, aber das obliegt nicht nur der Geschäftsführung der Gießen 46ers. Jetzt wird sich zeigen, ob Gießen wirklich dieser Basketballstandort ist und alle an einem Strang ziehen."

Dafür gibt es in den kommenden Wochen noch etwas Zeit. Auf dem Parkett kehrt dagegen bis zum Beginn der Vorbereitung im August nun wieder Ruhe ein - auch Ingo Freyer kann seine Stimme für die nächste Saison schonen, in der Hoffnung, dass es dann seltener lautstarke Unmutsbekundungen geben mag.

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