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Die Zukunft von Gießens Starcenter John Bryant ist ungewiss.

Basketball

Gießen 46ers: Warten auf John Bryants Entscheidung

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Die Gießen 46ers gehen mit keinem guten Gefühl in die Sommerpause. Und die Zukunft von John Bryant ist ebenfalls noch ungewiss.

Das 81:82 bei den Frankfurt Skyliners war ein Spiegelbild vieler Spiele der 46ers, die sie in der Rückrunde der BBL abgeliefert haben. Die Gießener hielten den Sieg schon in den Händen, verdaddelten aber den Ball irgendwie und gingen mit leeren Händen nach Hause. Meist waren es die erfahrenen Spieler, die am Ende die falsche Entscheidung trafen. Und ausgerechnet auf die hatte Gießens Trainer Ingo Freyer in der Spielzeit 2018/19 gesetzt, die mit 13 Siegen und 21 Niederlagen (davon 15 im neuen Jahr) auf Rang 13 unspektakulär endete.

In Frankfurt war es der 32-jährige Forward Larry Gordon, der bei einem Zwei-gegen-eins-Angriff die Pille ins Aus beförderte. Anstatt zweier klarer Punkte zur 83:80-Führung bei geringer Restspielzeit, erhielten die Skyliners den Ball, und Tyler Larson vollendete zum 82:81 für den Gastgeber. Bei noch acht Sekunden auf der Uhr kamen die 46ers in Ballbesitz, der 37-jährige Guard David Bell musste aus der Ecke einen Notwurf nehmen, der sein Ziel verfehlte.

Einer, der es hätte richten können, saß in Zivil hinter der Ersatzbank der Gießen 46ers. John Bryant musste passen. Seine Achillessehne tat weh. Am Freitag in Vechta biss der Kapitän noch auf die Zähne, am Sonntag war aber der Schmerz zu groß. Der 2,11-m-Mann konnte seinem Team im letzten Spiel der Saison nicht helfen.

Gießen 46ers: Bryant will sich Zeit für Entscheidung nehmen

Ob man ihn zum letzten Mal im Trikot der Gießen 46ers sah, bleibt fraglich. Der zum besten Offensivspieler der BBL gekürte 32-Jährige hat in seinem Vertrag, der bis zum Ende der Saison 2019/20 gültig ist, eine Ausstiegsklausel bis zum 30. Juni 2019. Natürlich hat "Big John" aufgrund seiner starken Leistungen (19,5 Punkte, 10,2 Rebounds, 4,9 Assists im Schnitt pro Spiel bei einem Effektivitätswert von 25,7 - der Beste der Liga) Begehrlichkeiten bei anderen Clubs geweckt.

Erst vor wenigen Tagen tauchte das Gerücht auf, dass es ihn wieder zurück zu seinem alten Verein nach Ulm ziehen würde. Der aktuelle Ulmer Trainer Thorsten Leibenath dementierte letzte Woche auf Anfrage aber energisch. "John Bryant hat bei uns nicht unterschrieben. Wir sind auch derzeit nicht auf dem Spielermarkt aktiv, da wir erst einmal einen Trainer für die kommende Saison brauchen." Leibenath, der früher in Lich und Gießen als Coach fungierte, bekleidet ab der nächsten Saison bei den Donaustädtern das Amt des Sportdirektors. Und Gießens Boss Heiko Schelberg verwies die Vermutung vor einer Woche ebenfalls noch in das Reich der Fabel.

Am Rande des Derbys in Frankfurt äußerte er sich aber noch einmal anders zu der Causa Bryant. Er habe in den letzten Tagen viele Gespräche mit ihm geführt. Schelberg geht zwar davon aus, dass John Bryant bleibt, aber eine 100-prozentige Garantie, dass er weiter für die Gießen 46ers spielt, gebe es nicht.

Gießen 46ers: Lischka wohl mit Angeboten anderer Vereine

Bryant selbst hat sich zu seiner Zukunft noch nicht spezifisch geäußert. Nur dahingehend, dass er sich Zeit für seine Entscheidung nehmen wolle. Klingt das nach Abschied? Bryant hat immer wieder betont, dass er sich in der Stadt an der Lahn und bei den Gießen 46ers wohlfühlt. Telefonisch war Bryant gestern zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen. Nach Angaben der 46ers wollte der 32-Jährige nach München zu seiner Familie fahren. Dort wird in den nächsten Tagen Nachwuchs im Hause Bryant erwartet.

Coach Freyer ist in dieser Situation nicht gerade zu beneiden, denn von Bryants Entscheidung hängt die Kaderzusammenstellung für die kommende Saison ab. Er muss auf jeden Fall zweigleisig planen - mit und ohne Bryant. Auf den Allrounder Brandon Thomas und den jungen Spielmacher Bjarne Kraushaar kann er unterdessen zurückgreifen - beide haben noch einen gültigen Kontrakt. Mit dem athletischen Eigengewächs Alen Pjanic wollen die 46ers verlängern, falls sich die beiden Parteien demnächst einigen können.

Beim Rest des jetzigen Kaders muss man abwarten. Die Tage von Gordon, Bell, Jared Jordan und Siyani Chambers dürften in Gießen gezählt sein. Bleiben noch Lokalmatador Benjamin Lischka und Center Mahir Agva. Letztgenannter machte in den letzten Spielen auf sich aufmerksam - die 23 Punkte des 22-Jährigen in Frankfurt waren ein Bewerbungsschreiben. Lischkas Zukunft ist ebenfalls ungewiss. Gegenüber dieser Zeitung sagte er Anfang März, dass sein erster Ansprechpartner die 46ers seien. Am Sonntag in Frankfurt wurde bekannt, dass Lischka Angebote anderer Clubs vorliegen hat und dass er auch gerne mal in den Playoffs spielen würde. Da kommen in den nächsten Tagen spannende personelle Entscheidungen auf die 46ers-Verantwortlichen zu.

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