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Gießen 46ers

Gießen 46ers verkaufen sich gegen Bamberg teuer

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Für die Gießen 46ers ist die 90:97-Heimniederlage gegen Bamberg kein Rückschlag im Kampf um die Playoffs. Keine gute Figur geben dabei die Schiedsrichter ab.

Die Fans der Gießen 46ers haben ein feines Gespür dafür, wenn ihre Lieblingsmannschaft ungerecht behandelt wird. Ihren Unmut äußerten sie am Faschingssamstag beim Heimknaller gegen den erst vor zwei Wochen gekürten Pokalsieger Brose Bamberg, als die Schiedsrichter für ihr Empfinden viel zu oft gegen die Gießener pfiffen. Und wirklich: Irgendwie bekam man das Gefühl nicht los, dass der Ex-Serienmeister früherer Jahre bei den Herren in Schwarz und Grau einen Bonus besaß.

Keine klare Linie der Schiedsrichter

Die drei Referees ließen keine klare Linie erkennen. 50:50-Entscheidungen gingen fast ausnahmslos an die Gäste aus dem Frankenland. Und Gießens Center John Bryant durfte vom Gegner nach Herzenslust körperlich beackert werden – die Foulpfiffe blieben aber aus. Bei ihm dagegen wurde jedes kleinste Vergehen geahndet. In der Halbzeit war "Big John" schon gekennzeichnet – in der Höhe der linken Brust waren tiefe Kratzspuren zu sehen. Gießens Kapitän lieferte sich gefühlt mindestens zehnmal während der Partie Rededuelle mit den Refs, was sonst überhaupt nicht die Art des besonnenen 2,11-m-Manns ist. Man kann sich vorstellen, wie es in ihm brodelte.

Und dabei hatte sich Gießens Coach Freyer vor den live übertragenden Kameras von MagentaSport im obligatorischen Interview kurz vor Spielbeginn gewünscht, dass die Unparteiischen öfter mal für seine Mannschaft pfeifen würden. Besonders dann, wenn Bryant unter dem Korb immer mit beiden Händen gepusht wird – was eigentlich ein Foul nach sich zieht. Gemacht haben sie es wieder nicht.

Bryant und Rice dominieren

Die Schiedsrichter waren aber nicht an der Gießener Niederlage schuld – das waren einzig und allein die Bamberger mit ihren herausragenden Akteuren Tyrese Rice und Ricky Hickman auf den Guard-Positionen sowie mit Augustine Rubit, Elias Harris und Cliff Alexander im Front-Court. Die Gäste waren einfach einen Tick besser. Was nicht verwundert, wenn man die Etats beider Clubs vergleicht, dürfte das ungefähr das Vierfache betragen, das die Truppe von Coach Perego Federicio im Budget an mehr Euros aufweist.

Dementsprechend waren die Verantwortlichen der Gießen 46ers über die Niederlage nicht sonderlich enttäuscht. "Wir haben alles gegeben und sehr konzentriert gespielt. Unsere Schwächen hat Bamberg hingegen auch gnadenlos ausgenutzt. Wir wissen, dass uns auf den großen Positionen etwas Athletik fehlt und durch den Ausfall von Benjamin Lischka zusätzlich auch die Tiefe. Mit den Offensivrebounds konnte Bamberg das gut nutzen", konstatierte Freyer. Er verblüffte mit seinem neuen Outfit oberhalb des Halses nicht nur die 3518 Zuschauer in der Osthalle: Beim 48-Jährigen war die Mähne ab. Er präsentierte sich mit modernem Kurzhaarschnitt und Bart – wie damals in seinen früheren Zeiten in den 80er- und 90er-Jahren erklärte er mit einem schelmischen Grinsen.

Schelberg stolz auf die Leistung

Zufrieden mit der Teamleistung war auch 46ers-Geschäftsführer Heiko Schelberg: "Wir haben uns teuer verkauft. Klar, gegen Bamberg brauchst du einen absoluten Sahnetag. Da muss einfach alles passen. Wir waren heute nah dran, haben Bamberg das Leben schwer gemacht und können stolz auf die Leistung sein."

Beide Teams lieferten sich wahrlich einen offenen Schlagabtausch – mit fast 100-prozentiger Wurfausbeute zu Beginn der hochklassigen Partie. In Viertel eins bewies dabei der überragende Aufbauspieler Rice seine Extraklasse mit elf Punkten, die er mit einer schon fast an Arroganz grenzenden Leichtigkeit erzielte. Mit 29:26 ging der Favorit in die zweiten zehn Minuten. Dort brillierten dann die Gießener, angeführt von ihrem überragenden Captain Bryant und den beiden erneut groß aufspielenden Jared Jordan und Brandon Thomas, die sich die 51:47-Halbzeitführung erarbeiteten.

In der Pause sagte der verletzte Lischka gegenüber MagentaSport: "Ich hoffe, dass wir gut aus der Halbzeit kommen. Das dritte Viertel haben wir schon einige Male verschlafen." Diesmal aber nicht. Bis zur 26. Minute lagen die 46ers vorne – 64:60 durch den immer stärker werdenden Larry Gordon. Doch danach nahm Rubit die Sache in die Hand. Acht Punkte in Folge vom athletischen Powerforward: Bamberg führte mit 70:60 und entschied dieses Viertel mit 29:19 für sich. Nach dem 81:89 (36., Jordan) keimte noch einmal Hoffnung bei den 46ers auf, doch erneut war es Rubit, der mit seinen Dunks zum vorentscheidenden 95:81 nachlegte. Das Kopf-an-Kopf-Rennen um die Playoffs, in dem sieben fast punktgleiche Teams um die Plätze sechs, sieben und acht fighten, geht für die 46ers bereits am Freitag in Bayreuth weiter.

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