+
Die stimmgewaltigen Fans hinter dem Korb, die emotional auf die Leistungen der Gießen 46ers reagieren.

Gießen 46ers: Unzufriedenheit unter den Fans

  • schließen

Wie bewerten die Fans die Saison der Gießen 46ers? Fanblock-Urgestein "Hecksler" gibt einen Einblick. Und zeigt sich alarmiert. 

Christian Heck, der im Stehplatz-Fanblock der Gießen 46ers "Hecksler" gerufen wird und immer mit vollem Einsatz dabei ist, besucht die Spiele des MTV seit Anfang der 90er Jahre. Später gesellte sich der heute 39-jährige Controller zur Hinter-dem-Korb-Fraktion (HDKF) der 46ers. Er gewährt einen Einblick in seine Fan-Seele nach einer Spielzeit mit vielen Aufs und Abs des heimischen Basketball-Bundesligisten.

Wie haben Sie die Saison als aktiver Fan der Hinter-dem-Korb-Fraktion erlebt?

Christian Heck:Am Anfang war es sehr gut, da hat das Zusehen auch Spaß gemacht. Die Gegner konnten sich nicht auf uns einstellen. Das gelang ihnen aber immer besser, oft gingen die anderen Teams über John Bryant oder hatten keine Probleme, die Außenpositionen freizuspielen. Ingo Freyer hatte darauf gefühlt keine Antwort. Da hätte ich mir von ihm mehr Lösungen gewünscht: Zum Beispiel das Einstreuen einer Zonenverteidigung, die auch Bryants Langsamkeit hätte kaschieren können. Gegen Frankfurt wurde kurz mit einer Zone gespielt - und prompt verloren die Skyliners ihren Rhythmus. Das kam insgesamt zu wenig. Generell war das Derby für die Saison typisch: Die älteren Spieler, am vergangenen Sonntag war es am Ende Larry Gordon, waren oft fehleranfällig. Das erwartet man von einer erfahrenen Mannschaft nicht. Da hat sich im Vergleich zur Vorsaison keine Verbesserung eingestellt. Gefühlt wäre es nie einfacher gewesen, in die Playoffs zu kommen. Die Jungs haben aber zu selten den absoluten Willen ausgestrahlt, obwohl sie es waren, die dieses Ziel ausgegeben haben.

Inwiefern hat sich das auf die Stimmung im Fanblock ausgewirkt?

Heck:Die HDKF hat sich der Leistung auf dem Feld angepasst. Es herrschte Unzufriedenheit. Niederlagen sind wir zwar gewohnt. Dem Freyer-Stil ist es aber geschuldet, dass man nicht den Eindruck hat, dass bis zur letzten Sekunde gekämpft wird. Wenn du regelmäßig mehr als 100 Punkte kassierst, hast du im Block auch keine große Motivation. Dass mehr Auswärtsspiele als Heimspiele gewonnen wurden, reflektiert das. Wenn Alen Pjanic als Youngster den Routiniers vorleben muss, was es heißt, knallharte Verteidigung zu spielen, dann stimmt etwas nicht.

Was muss in der nächsten Saison besser werden?

Heck:Ich würde mir eine stärkere Orientierung auf Defensivbasketball wünschen. Ein Vorbild ist Rasta Vechta: Die scoren vorne auch nach Belieben, können hinten aber mit einer aggressiven Pressverteidigung ihre Gegner aus dem Konzept bringen. Die mangelnde Aggression auf dem Feld ist neben der fehlenden Athletik ein Hauptproblem. Ich würde mich nicht als Gegner von Freyers Stil bezeichnen, hoffe aber, dass er die richtigen Schlüsse zieht.

Welchen Spieler würden Sie halten, welchen gehen lassen?

Heck:Brandon Thomas und Bjarne Kraushaar haben noch Vertrag, ich würde sie auch behalten. Sollte Bryant bleiben, brauchen wir einen athletischen Vierer, der seine Schwächen kompensieren kann. Ich weiß nicht, ob Benjamin Lischka das leisten kann. Obwohl er aus der Region kommt und für Lokalkolorit sorgt, hat sein Spiel zu sehr geschwankt. Die Achse um Larry Gordon, David Bell, Jared Jordan und Co. würde ich austauschen. Mahir Agva würde ich aber gerne wiedersehen. Er ist immer noch erst Anfang 20, hat gute Anlagen und großes Potenzial. Das gilt auch für Alen Pjanic.

Wie kommt die erteilte Lizenz "unter Auflagen" im Fan-Lager an?

Heck:Mich sorgt es sehr, dass seitens der 46ers von einer Lizenz "unter Auflagen" die Rede ist, während die BBL von "auflösenden Bedingungen" spricht. Auflösend bedeutet für mich, dass bei Nicht-Einhaltung die Lizenz entzogen wird. "Auflagen" führen nur zu Strafen. Aufgrund unserer finanziellen Vergangenheit sind wir gebrandmarkt. Wir haben damals auch Christoph Syring vertraut. Sollte es Engpässe geben, würde ich mir mehr Transparenz wünschen als es früher der Fall war. Wenn Heiko Schelberg davon spricht, dass sich nun zeigen muss, ob Gießen eine Basketballstadt sei und alle an einem Strang ziehen müssten, klingt das alarmierend.

Zum Schluss: Was ist Ihre schönste Erinnerung als Fan?

Heck:Das war in meinem Handball-Talentförderunterricht 1997: Die MTV Flippers hatten damals nach uns Training. So kam eine gewisse Nähe zustande, man konnte mit den Spielern smalltalken. Keith Gatlin hat sich oft einen Ball geschnappt und mitgespielt. Er war ein super Basketballer, aber den Handball hat er sehr schlecht geworfen.

Dieser Artikel könnte Sie auch interessieren

Gießen 46ers: Warten auf John Bryants Entscheidung

Die Gießen 46ers gehen mit keinem guten Gefühl in die Sommerpause. Und die Zukunft von John Bryant ist ebenfalls noch ungewiss.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare