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Aufstehen und weitermachen! Trotz der Heimniederlage gegen Tabellenführer und BBL-Neuling Heidelberg - die Gießen 46ers um (v. l.). Kyan Anderson, Kendale McCullum und Nuni Omot.

Gießen 46ers

Gießen 46ers: Trainer Pete Strobl sauer

  • Wolfgang Gärtner
    VonWolfgang Gärtner
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Die Gießen 46ers kämpfen, verlieren aber gegen den Aufsteiger und Tabellenführer Heidelberg. Warum hat es nicht mit dem zweiten Heimsieg geklappt?

Pete Strobl redete nicht lange um den heißen Brei. Der Cheftrainer der Gießen 46ers war über die 68:75-Heimniederlage gegen die auch nach dem dritten Spieltag in der Basketball-Bundesliga ungeschlagen an der Tabellenspitze stehenden Academics Heidelberg einfach stinksauer. »Ich will, dass wir bereit sind, Spiele zu gewinnen«, sprudelte es aus dem angefressenen 43-Jährigen heraus. Er legte nach - in seiner schonungslosen Analyse. Für ihn war spielentscheidend, wie seine Mannschaft begonnen hat. »Wir waren nicht konzentriert genug, konsequent genug und nicht hart genug. Wir haben die Dinge, die wir trainiert haben, nicht umgesetzt. Wir müssen 40 Minuten alles geben, um zu gewinnen - sowohl mit Körper als auch Mindset - und das haben wir nicht gemacht.«

Wir waren nicht konzentriert genug, konsequent genug und nicht hart genug. Wir haben die Dinge, die wir trainiert haben, nicht umgesetzt. Wir müssen 40 Minuten alles geben, um zu gewinnen - sowohl mit Körper als auch Mindset - und das haben wir nicht gemacht.

Pete Strobl, Trainer Gießen 46ers

Positiv war, dass nach der Halbzeitpause bei einem 26:42-Rückstand die Gespräche in der Kabine zwischen Coach und Team fruchteten. Denn: Die 46ers präsentierten sich in der zweiten Hälfte den 1595 Zuschauern von einer anderen Seite - von jener, die von Einsatz, Willen, Leidenschaft und Spielintelligenz geprägt ist. Der von Strobl immer wieder in den Ring geworfene Teambasketball war - endlich - zu erkennen. Aber auch die Qualitäten eines einzelnen.

Gießen 46ers: Blake, Anderson, McCullum, Fayne II und Omot geben Gas

Wie zum Beispiel die Dreierfähigkeiten von BJ Blake, der mit seinen zwei Würfen jenseits der 6,75-m-Linie maßgeblich an der furiosen Aufholjagd beteiligt war. Mit insgesamt 15 Punkten avancierte der emotionsgeladene, aber das eine oder andere Mal zu früh aus den Systemen ausbrechende Forward zum Topscorer seiner 46ers.

Oder der unermüdlich antreibende Spielmacher Kyan Anderson, der zwischen Ende des dritten Viertels und am Anfang des vierten viel Verantwortung im Angriff übernahm und zehn Zähler fast in Folge für sein kämpfendes Team markierte.

Oder der nach seiner Schulterverletzung erstmals ein Pflichtspiel absolvierende Kendale McCullum. Der variable Aufbauspieler war bei seinem BBL-Debüt der effektivste Akteur im 46ers-Team, klaute viermal den Ball und gab sieben Assists.

Oder Nuni Omot, der trotz seiner 2,06 m Körperlänge unglaublich flink auf den Beinen und zudem mit einem guten Wurf aus der Distanz ausgestattet ist. Der nur 91 Kilogramm leichte Powerforward trug sich beim Aufholen ebenfalls in die Scorerliste ein wie Phillip Fayne II. Der Powerforward brachte immer wieder seine Athletik ins Spiel, ackerte unermüdlich unter dem Korb und lieferte sich sehenswerte Duelle mit den starken langen Heidelberger Kerls Philipp Heyden, Brekkot Chapman, Maximilian Ugrai und dem Osthallen-Brett-Dominator Osasumwen Osaghae, der sich insgesamt neun Rebounds fischte - davon vier offensive.

Gießen 46ers: Heidelberg fischt sich zu viele Offensivrebounds

In dieser Kategorie war der gravierendste Unterschied auszumachen, denn die »Akademiker« verzeichneten 16 Offensiv-Rebounds und besaßen somit immer wieder die Gelegenheit zu zweiten Wurfchancen. Auffällig ebenfalls die schwache Wurfqoute aufseiten der Gießener an der Freiwurflinie, an der sie zehn Versuche liegen ließen.

Dies fiel auch Strobl gleich ins Auge: »Heidelberg hatte mehr Rebounds als wir - und wir haben zehn Freiwürfe verschenkt. Sowas ist spielentscheidend.« Und wenn du einen Basketballer wie Jordan Geist in deinen Reihen hast. Dem 24-jährigen Guard der Heidelberger konnte keiner das Wasser reichen. Obwohl Strobl alle seine »Wachhunde« abwechselnd auf ihn hetzte, der US-Amerikaner war nicht zu fassen. In der Crunch-Time übernahm der Go-to-guy. Erst gelang ihm ein Dreier über den stark verteidigenden 2,06-m-Hünen Omot im Rückwärtsfallen zum 69:62. Anschließend legte er gefühlt gegen alle Gießener mit Korbleger ab und bewies an der Linie Nervenstärke. Seine Ausbeute tolle 28 Punkte.

Gießen 46ers: Heidelbergs Trainer Ignjatovic schwärmt von seinem Team

Klar, dass sein Trainer Branislav Ignjatovic ins Schwärmen geriet. »Ich bin mittlerweile ein großer Fan von meinen Jungs und der Art, wie sie an die Aufgabe rangehen. Eine Mannschaft wie Gießen bei 26 Punkten zur Halbzeit zu halten - Respekt«, bilanzierte der Coach, der am Samstag das Geschenk seiner Mannschaft zu seinem 55. Geburtstag mit einem Grinsen dankend annahm.

Dass es erneut nach dem knappen 87:89 in Bamberg nicht ganz reichte für die Gießen 46ers, ist bitter, dürfte sicherlich aber auch an den letzten turbulenten Tagen gelegen haben, die von personellen Entscheidungen geprägt waren und innerhalb des Teams für Unruhe gesorgt haben, Die 46ers verloren erst mit Rawle Alkins einen Leistungsträger, dann kehrte McCullum zurück ins Team. Und seit Donnerstag ist der für Alkins nachverpflichtete »Rookie« Jalen Tate, der bei seinem Debüt gute Ansätze zeigte, dabei.

Dürftige Schiedsrichterleistung in Gießen

Nicht unerwähnt darf die dürftige Leistung der Schiedsrichter sein. Sie lagen oft mit ihren Entscheidungen daneben. Was noch schlimmer war - sie standen damit viel zu oft im Mittelpunkt des Geschehens. Zudem fiel auf, dass die Fans in der Osthalle in der heiklen Phase zu leise waren. Bei einer Restspielzeit von 44 Sekunden und einem Rückstand von nur fünf Punkten muss die Osthölle brodeln.

Gießen: McCullum (9 Punkte), Omot (11), Nawrocki, Blake (15, 7 Rebounds), Kraushaar, Anderson (13), Begue, Tate (4), Binapfl (2), Koch, Fayne II (12, 7), Bryant (2)

Heidelberg: Watkins, Chapman (6), Würzner (8), Lowery (14), Ely (9), Ugrai (2), Vasiljevic, Geist (28), Heyden (4), Osaghae (4, 9 Rebounds)

Viertelergebnisse: 17:24, 9:18, 27:16, 15:17 / Zuschauer: 1595 / Schiedsrichter: Matip, Krüper, Bejaqui.

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