Ingo Freyer ist nicht mehr Trainer der Gießen 46ers.
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Ingo Freyer ist nicht mehr Trainer des heimischen Basketball-Bundesligisten Gießen 46ers.

Gießen 46ers

Gießen 46ers: Trainer Ingo Freyer muss gehen - Nachfolge zunächst intern geregelt

  • Markus Konle
    vonMarkus Konle
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Nur wenige Stunden nach der sechsten Niederlage im sechsten Spiel und dem Absturz auf den letzten Platz der Basketball-Bundesliga haben die Gießen 46ers Trainer Ingo Freyer entlassen.

Die Bundesliga-Begegnung gegen den Mitteldeutschen BC am Dienstag war für Ingo Freyer die letzte als Trainer der Gießen 46ers. 18 Stunden nach der 93:105-Niederlage im ersten von zwei Schlüsselspielen binnen einer Woche hat der Basketball-Bundesligist Freyer beurlaubt, der seit 2017 Coach der Mittelhessen war und noch einen Vertrag bis zum Saisonende besitzt. »Aufgrund der aktuellen Tabellensituation haben wir uns entschieden, eine Veränderung auf der Position des Headcoachs vorzunehmen. Solche Entscheidungen sind nicht immer leicht, aber wir stehen in der Verantwortung«, erklärte Sportdirektor Michael Koch.

Gießen 46ers: Rackelos-Trainer Rolf Scholz übernimmt Bundesliga-Team

Interimstrainer bei den 46ers wird Rolf Scholz, der seit der Gründung der Gießen 46ers Rackelos im Jahr 2017 das Farmteam in der Pro B betreut und beachtliche Folge mit seiner Truppe vorzuweisen hat. Der 40-Jährige gehörte zwischen 1998 und 2000 zum Erstliga-Kader der Gießener und spielte von 2002 bis zum Ende seiner Spielerlaufbahn 2011 für den TV Lich in der 2. Bundesliga. Sein Bundesliga-Debüt als Coach wird Scholz nun im Kellerduell gegen die ebenfalls noch sieglosen Niners Chemnitz am Freitagabend (20.30 Uhr) geben.

Mit ihm soll die Wende gelingen, nachdem das Bundesliga-Team bislang weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Sechs Spiele – sechs Niederlagen sind die ernüchternde Bilanz unter Freyer in dieser Spielzeit, saisonübergreifend haben die 46ers 13 Begegnungen in Serie verloren. Dabei zeigten sie bislang vor allem in der Verteidigung eine katastrophale Leistung und kassierten im Schnitt über 100 Punkte – viel zu viel, auch wenn Freyer grundsätzlich den schnellen und sehr offensiven Spielstil bevorzugt. Dies oder andere konkrete Fehler wollte Sportdirektor Koch Freyer nicht vorhalten: »Es ist Sache des Trainers, die Spiele zu gewinnen. Wir lassen ihm freie Hand, mit welchem Stil er das macht.«

Gießen 46ers: Keine zeitliche Befristung der Interimslösung

Eine der dringendsten Aufgaben von Scholz wird es dennoch sein, das Defensivverhalten seiner Truppe zu verbessern und die Anzahl der Ballverluste zu reduzieren. Ihm assistieren wird auch weiterhin Steven Wriedt, der auch unter Freyer Co-Trainer war.

»Mit Rolf Scholz haben wir für uns eine interne Interimslösung gefunden und ihm unser volles Vertrauen ausgesprochen. Für die Nachfolge des Trainerpostens bei unseren Rackelos sind wir bereits in fortgeschrittenen Gesprächen«, erklärte Koch weiter. Eine Absprache, wie lange Scholz das Amt bekleiden wird, gibt es laut Koch nicht: »Wir lassen Rolf in aller Ruhe arbeiten und machen ihm keinen Druck.« Der gebürtige Gießener, der sich gestern noch nicht zu seiner neuen Aufgabe äußern wollte, hat sich vom Polizeidienst beurlauben lassen, um sich voll auf die 46ers konzentrieren zu können.

Gießen 46ers: Lutz Mandler kehrt zu den Rackelos zurück

Nach Informationen unserer Zeitung soll Lutz Mandler die Scholz-Nachfolge beim Gießener Farmteam antreten. Bis zur letzten Saison hatten die beiden Basketball-Kumpels stets als Duo die Rackelos gecoacht. Im Sommer war Mandler dann auf eigenen Wunsch beim Pro B-Team ausgeschieden.

In den sozialen Medien hatten die 46ers-Anhänger längst Freyer, der gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war, als den Hauptschuldigen an der derzeitigen Misere ausgemacht und seine Entlassung gefordert – oder sich in Galgenhumor geflüchtet: »Was für ein Glück, dass es Ausgleichszahlungen vom Staat für Einnahmeausfälle gibt! Da machen wir noch ein Schnäppchen. Ohne Corona würden nämlich auch keine Zuschauer mehr kommen«, hatte eine Userin kommentiert. Die Verpflichtung von Scholz indes löste am Mittwoch bei vielen Anhängern Euphorie aus. Nun soll morgen gegen Chemnitz der Befreiungsschlag auf dem Parkett folgen.

Kommentar: Charmante Lösung

Die Trennung von Trainer Ingo Freyer kommt nicht überraschend – und sie ist ein logischer Schritt, nachdem im Team in den letzten Wochen keine oder bestenfalls nur eine minimale Weiterentwicklung zu erkennen war. Schon nach sechs Saisonspielen müssen sich die Fans ernste Sorgen um den Klassenerhalt der Gießen 46ers machen.

Zugegeben: Die Bedingungen für den Trainer mit der Verletzung von Aufbauspieler Jonathan Stark in der Vorbereitung, der Quarantäne direkt vor dem geplanten Saisonstart und dem nun eng getakteten Spielplan waren nicht einfach. Aber das Risiko mit dem extrem offensiven Freyer-System, das schon im vorigen Jahr des Öfteren für Verwunderung gesorgt hat, frühzeitig in arge Bedrängnis zu kommen, war groß. Zu groß für die Verantwortlichen um Sportdirektor Michael Koch.

Die Mannschaft, für deren Zusammenstellung der Trainer nun einmal die Mitverantwortung trägt, braucht mehr Struktur, sie braucht mehr als nur den schnellen Wurf von außen, und sie braucht vor allem eine aggressivere und wirkungsvollere Verteidigung.

An diesen Baustellen darf nun Rolf Scholz arbeiten. Er ist eine interne, eine charmante und eine kostengünstige Lösung. Mit seiner besonnenen Art hat der ehemalige Aufbauspieler in der Pro B gute Arbeit geleistet. Natürlich darf man von ihm zwei Etagen höher keine Wunderdinge erwarten. Aber es ist Scholz zuzutrauen, dass er an den richtigen Stellschrauben dreht, um in den kommenden Spielen gegen Gegner auf Augenhöhe (Chemnitz, Bonn, Frankfurt, Göttingen) die nötigen Ergebnisse im Kampf um den Klassenerhalt zu erzielen – und um nichts anderes kann es gehen. (Markus Konle)

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