Gießen 46ers

Gießen 46ers: Trainer Freyer in Rage trotz Bryant-Rekord gegen Oldenburg

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Ein Spiel, das in die BBL-Geschichte eingeht: Gießens Center John Bryant knackt den Effektivitätsrekord aus dem Jahr 2004. 46ers-Coach Ingo Freyer ist dennoch sauer wie selten.

Gießens Kapitän John Bryant lieferte beim 95:99 gegen die Baskets aus Oldenburg eine Galavorstellung ab – immerhin gegen den letztjährigen Vizemeister der Basketball-Bundesliga. Mit einem Wert von 50 in der Effektivität hat er einen 14 Jahre bestehenden Rekord gebrochen. Den hielt ausgerechnet Gießens Ex-Trainer Denis Wucherer. Der aktuelle Coach des ProA-Ligisten RheinStars Köln stand bislang mit dem Gesamtertrag von 48 an der Spitze. 2004 legte er als Spieler der Bayer Giants Leverkusen beim 113:106 gegen Karlsruhe unter anderem 37 Punkte, 13 Rebounds und zehn Assists auf.

Effektivität = ((Punkte + Rebounds + Assists + Steals + Blocks) ? ((genommene Würfe ? getroffene Würfe) + (genommene Freiwürfe ? getroffene Freiwürfe) + Ballverluste))

Formel zur Berechnung der Effektivität

Kleiner Wermutstropfen für Bryant, der in dieser Kategorie nicht als All-Time-Leader der BBL gilt, da die Statistiken in den Jahren von 1966 bis 1998 in der digitalen Bestenliste nicht erfasst sind. Das wird "Big" John sicherlich verschmerzen. Schlimmer ist für den 2,11-m-Riesen, dass seine 46ers am Ende in einem intensiven, packenden und jederzeit spannenden Spiel im Kampf um die Playoffs vor 3447 Zuschauern in der Osthalle nicht der Sieger waren.

"Wir haben das Spiel in der zweiten Halbzeit verloren. Das war schlecht von uns. Wir waren nicht so aggressiv wie in der ersten Hälfte, und Oldenburg wurde immer selbstbewusster", nannte der alles überragende Bryant Gründe.

Freyer wird laut

Genauso sah es auch Gießens Coach Ingo Freyer, der an der Seitenlinie emotional wirkte wie nie zuvor. Nach dem nervenaufreibenden Schluss und einer kurzen Verabschiedung von den Zuschauern schickte er die Mannschaft sofort in die Kabine – und dort erhielt sie eine gehörige Standpauke. "Ich kann auch laut werden", erklärte er seinen Wutausbruch.

In Rage hatte ihn vor allem der Beginn des dritten Quarters gebracht. Mit einer Zwölf-Punkte-Führung ging es Minuten vorher nach spektakulären zwei Vierteln in die Halbzeit (56:44). Freyer redete seiner Mannschafts ins Gewissen, nicht nachzulassen, tief über Bryant zu gehen, damit sich der Vorsprung nicht verringert und weiter ausgebaut werden kann. "Es war klar abgemacht, auf was der Fokus in den ersten Minuten nach der Halbzeit liegen sollte", so Freyer.

Das, was er aber sah, brachte ihn gewaltig auf die Palme – und war für ihn letztlich der Knackpunkt, warum es am Samstagabend gegen die Spitzenmannschaft aus Niedersachsen nicht reichte.

Wie kann man Bryant halten?

Der etatmäßige Aufbauspieler Darwin Davis spielte in dieser Phase zu phlegmatisch. Er traf schlechte Entscheidungen, verlor den Ball und warf noch zu allem Überfluss einen Airball aus acht Metern. Die Oldenburger, nun angeführt vom Ex-46ers-Spieler Karsten Tadda, holten auf und gingen ihrerseits mit einem 16:4-Lauf mit 62:60 (25.) in Führung. Bryant und der ohne Rücksicht auf Verluste ziehende Benjamin Lischka drehten mit ihren Punkten den Spieß wieder um. Mit dem 78:76 für Gießen folgten die finalen zehn Minuten.

Der offene Schlagabtausch nahm Playoff-Charakter an – an Intensität kaum noch zu überbieten. Bryant und sein gewichtsmäßig ebenbürtiger Widersacher Rasid Mahalbasic lieferten sich unter den Körben weiterhin ein Duell der Extraklasse. Und als Oldenburg 95:89 führte (38.), schien das Spiel gelaufen zu sein. Doch Lischka verkürzte mit einem Dreipunkt-Spiel auf 95:97 – bei Restspielzeit 31,8 Sekunden. Den verworfenen Wurf seitens der Oldenburger fischte sich Isaiah Philmore – für die Gießen 46ers wäre bei erfolgreichem Defensivrebound noch genügend Zeit für den siegbringenden Dreier gewesen oder für einen Zweier für eine mögliche Verlängerung.

Wir waren nicht so aggressiv wie in der ersten Hälfte, und Oldenburg wurde immer selbstbewusster

John Bryant über Halbzeit 2

Trotz der Niederlage verließen die knapp 3500 Zuschauer mit einem guten Gefühl die Heimstätte der Gießen 46ers. Erneut bekamen sie beste Basketball-Unterhaltung geboten – und einen Bryant, der körperlich immer fitter wird und allein das Eintrittsgeld wert ist. Ihn eine weitere Saison im Trikot der Gießen 46ers zu sehen, muss ein großes Ziel der Verantwortlichen sein. Zwar betont Geschäftsführer Heiko Schelberg, nach dem kaufmännischen Prinzip zu handeln, nicht mehr auszugeben, als man einnimmt. Aber er hat 35 Gesellschafter hinter sich, die finanzielle Mittel haben. Wenn jeder zusätzlich einen mittleren vierstelligen Euro-Betrag auf den Tisch legen würde, stünden die Chancen für einen Verbleib von Bryant sicherlich besser.

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