Der Blick von Rolf Scholz und seinen Gießen 46ers kann nur nach oben gehen.	FOTO: FRIEDRICH
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Der Blick von Rolf Scholz und seinen Gießen 46ers kann nur nach oben gehen. FOTO: FRIEDRICH

Gießen 46ers

Gießen 46ers: Sorgenfalten werden tiefer

  • Markus Konle
    vonMarkus Konle
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Ungemütliche Zeiten für die Gießen 46ers. Nach der verpassten Überraschung gegen den Dritten aus Oldenburg warten nun noch schwerere Aufgaben. Die Suche nach einem Guard ist kompliziert.

Noch ist nicht einmal die Vorrunde in der Basketball-Bundesliga beendet. 20 Spiele stehen für die Gießen 46ers noch aus - viel Zeit, um die Abstiegsplätze zu verlassen. Die unmittelbare Nachbarschaft der 46ers aus Vechta, Göttingen und Bonn hat derzeit nur einen Sieg mehr auf dem Konto als der Letzte aus Mittelhessen, Mannschaften wie Bayreuth (8:20 Punkte), Chemnitz (8:18) und Braunschweig (8:14) auf den Plätzen 14 bis zwölf haben nur vier Zähler mehr.

Es gibt keinen Grund zur Panik, aber nach der 82:97-Niederlage vom Samstag gegen die Baskets Oldenburg sind die Sorgenfalten bei den Verantwortlichen der 46ers wieder ein wenig tiefer geworden. Sie wollen handeln und das Team mit einem Guard verstärken - einer, der sofort weiterhelfen kann, der Führungsqualitäten mitbringt, der der Mannschaft in brenzligen Situationen Sicherheit verleiht. Solch ein Spielertyp hätte den Gießenern am Samstag sicher gut getan, als nach einer starken ersten Halbzeit im dritten Viertel die Chance auf eine Überraschung gegen Oldenburg weggeworfen wurde.

Diese Rolle des Anführers auf dem Feld ist Jonathan Stark zugedacht, doch er hatte auch am Samstag zu viele Phasen, in denen der introvertierte Aufbauspieler trotz seiner zweifellos vorhandenen Offensiv-Qualitäten dieser Aufgabe nicht gerecht wurde. Bezeichnend, dass er sieben seiner letztlich 13 Punkte erst im Schlussviertel erzielte, als die Partie schon entschieden war. »Bei Jonathan ist noch Luft nach oben«, sagt auch Trainer Rolf Scholz, der auf eine weitere echte Verstärkung hofft: »Ein weiterer Rookie wird uns in unserem Kader nicht weiterhelfen.«

Das sieht auch 46ers-Sportdirektor Michael Koch so: »Für uns ist es zudem wichtig, dass es jemand ist, der im Saft steht. Es nutzt nichts, jemanden zu holen, der ein Jahr nicht gespielt hat, der braucht eine gewissen Anlaufzeit, das wäre der letzte Notnagel. Und deswegen wäre es schön, wenn er in Europa irgendwo unterwegs wäre.«

Klar ist aber auch: Einen Fehlgriff dürfen sich die Gießener nicht erlauben. Koch sagt: »Das ist unser letzter Schuss, der muss sitzen.« Nur noch eine Spielerlizenz haben die Gießener zu vergeben, zudem sind die finanziellen Mittel begrenzt und die Konkurrenz auf dem Markt ist nach den Worten des Sportdirektors groß: »Würzburg sucht einen Guard, Göttingen sucht einen, wir suchen einen. Viele Vereine in Europa sind derzeit unterwegs.«

Im Idealfall würde ein neuer Akteur den 46ers nicht nur sportlich sofort weiterhelfen, sondern auch noch einen europäischen Pass besitzen. Denn schon jetzt haben die Gießener sieben Amerikaner im Team, nur sechs dürfen spielen. Seit der Verpflichtung von US-Center Chad Brown stand dessen Landsmann Liam O’Reilly nicht mehr im Kader und hat wohl keine Zukunft bei den 46ers. Dem Vernehmen nach hatte der Guard zwar Angebote von potenziellen neuen Arbeitgebern, noch aber ist er in Gießen.

Angesichts des diffizilen Anforderungsprofils wird es laut Koch keinen Schnellschuss geben, zumal die Chance auf eine Sensation in den nächsten beiden Begegnungen so oder so gering sind: Am Samstag sind die 46ers beim Spitzenreiter in Ludwigsburg zu Gast, eine Woche später kommt der Tabellenzweite aus Crailsheim in die Osthalle.

Doch den Optimismus haben sie bei den 46ers längst nicht verloren. »Es war im Vergleich zur Niederlage in Vechta wieder ein Schritt nach vorne. Chad Brown und John Bryant sind besser integriert. Darauf müssen wir aufbauen«, bilanzierte Koch den Auftritt gegen Oldenburg. Vor allem Bryant zeigte eine prima Vorstellung und präsentierte sich in seinem ersten Heimspiel nach seiner Rückkehr als Leader auf dem Feld. »Er hat eine unglaubliche Präsenz, ist ein megaschlauer Spieler, nicht nur was seine Würfe angeht oder seine Post-up-Qualitäten, sondern auch sein Passen, das ist wirklich klasse. Er nimmt damit auch sehr viel Last von den Guards«, schwärmt Ferdinand Zylka über seinen neuen Kollegen: »Und außerdem ist er ein meganetter Typ. Er ist eine echte Bereicherung für das Team.«

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