Lichtblick im Bundesliga-Team: Der 20-jährige Bjarne Kraushaar (links der Crailsheimer Sebastian Herrera) brachte als einer der wenigen Struktur ins Spiel der Gießener und produzierte keinen Fehler - und das als Aufbauspieler in 21:35 Minuten Spielzeit.	(hf)
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Lichtblick im Bundesliga-Team: Der 20-jährige Bjarne Kraushaar (links der Crailsheimer Sebastian Herrera) brachte als einer der wenigen Struktur ins Spiel der Gießener und produzierte keinen Fehler - und das als Aufbauspieler in 21:35 Minuten Spielzeit. (hf)

Gießen 46ers

Gießen 46ers: Das sind die großen Probleme - Schelberg mit harter Analyse

  • Wolfgang Gärtner
    vonWolfgang Gärtner
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Die dringend benötigte Verstärkung auf der Aufbauposition ist mit Stephen Brown verpflichtet. Jetzt müssen die 46ers die ganz schwache Auftaktvorstellung gegen Crailsheim aufarbeiten.

Fragende Blicke auf den Rängen der Gießener Osthalle. 3135 Zuschauer - für einen Saisonstart viel zu wenig, für Spielbeginn Dienstag 20.30 Uhr dann wieder erklärbar - traten nach der deutlichen 92:108-Niederlage die Heimfahrt mit gemischten Gefühlen an. 46ers-Trainer Ingo Freyer hatte den erwartungsfrohen Fans im Vorfeld der Saison eine aggressivere und intensivere Defense als in der letzten Saison versprochen. Davon war nichts zu sehen. »Wenn du dir zu Hause 108 Punkte fängst, dann weißt du, woran es gelegen hat«, erklärte ein sichtlich enttäuschter 46ers-Geschäftsführer Heiko Schelberg. Er musste nach dem Spiel erst einmal kräftig durchatmen.

Freyers Mimik sprach ebenfalls Bände. Er wirkte niedergeschlagen und analysierte treffend: »Wir haben einfach schwach gespielt. 108 Gegenpunkte sind viel zu viel - und bei 20 Turnovern und 14 Offensivrebounds sieht man, woran wir arbeiten müssen.« 20 Fehler gegen einen vermeintlichen Abstiegskandidaten. Wenn da nicht die Alarmglocken bei den 46ers schrillen?

Gießen 46ers: Schelberg nimmt kein Blatt vor den Mund

Führungsspieler Brandon Thomas war auch gezeichnet von der Pleite. Für ihn gab es eine Menge Gründe, warum der Saisonstart gründlich daneben ging. »Wir haben zu viele Offensivrebounds zugelassen und selbst zu wenige Rebounds geholt. Im Angriff waren wir unorganisiert«, konstatierte er im neu hergerichteten Presseraum, der für die Protagonisten nach den Heim-Partien als Speisezimmer dient.

Schelberg wollte ebenso nichts beschönigen: »Das war kopflos, konfus und ohne jegliche Abstimmung«. Der 46ers-Boss nahm kein Blatt vor den Mund. »Das wird in dieser Saison ein Ritt auf der Rasierklinge.« In den letzten sechs Jahren hätten die Gießen 46ers immer überperformed. Jetzt käme das siebte - hoffentlich kein verflixtes«, so Schelberg.

Gießen 46ers: Bryant sagt, er braucht noch einen Monat

Es gab wahrlich wenig Gutes zu berichten. Die 46ers wurden im Eins-gegen-Eins nach Belieben vernascht. Beim Defensiv-Rebound boxten zwar einige aus, aber eben nicht jeder, sodass der Ball viel zu oft zu in die Händer der Merlins-Akteure zurückkam. Den BBL-Rookies Luke Petrasek, Jordan Barnett und Teyvon Myers, der sein Können im Angriff bewies, aber einfach kein Pointguard ist, schmeckte die körperbetonte Gangart nicht besonders. Sie müssen sich schnellstmöglich an das raue Klima der Bundesliga gewöhnen.

Der Angriff glich größenteils einem Ego-Gezocke. Nur wenn Bjarne Kraushaar auf dem Court stand, war Struktur im Spiel zu erkennen. Der Youngster machte seine Sache gut, er harmonierte am besten mit John Bryant. Der Kapitän ist noch weit von seiner Bestform entfernt und hat mit seinen überzähligen Pfunden noch körperliche Defizite. Dennoch legte er mit 24 Punkten den besten Effektivitätswert aller Spieler auf. Im Interview mit MagentaSport sagte er selbst, dass er noch einen Monat brauche, um richtig fit zu werden. Für Freyer gibt es bis zum Sonntag - dann kommen die Bamberger um 18 Uhr in die Osthalle zum Pokal - viel zu tun. Der Tipp von MTV-Legende Bernd Röder dürfte dabei behilflich sein: »Wir mussten früher auch Enttäuschungen hinnehmen. Dann sind wir ganz einfach mit doppelter Moral und Engagement ans Werk gegangen - und haben das Blatt gewendet.«

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