Gießen 46ers

Gießen 46ers schwächeln in der Osthalle

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Im eigenen Wohnzimmer will es für die Gießen 46ers nicht klappen. Nur in vier von zehn Heimspielen verließ das Team von Coach Ingo Freyer die Osthalle als Gewinner.

Haben die Gießen 46ers eine Heimschwäche? Zumindest weisen sie in fremden Gefilden eine bessere Bilanz auf. Neun Partien mussten sie bislang in der Basketball-Bundesliga auswärts bestreiten. Fünf davon waren siegreich, vier nicht. In der eigenen Gym sind es dagegen nur vier Erfolge bei zehn Partien, die sie für sich entschieden. Das wurmt die Protagonisten um Kapitän John Bryant. Ist die Erwartungshaltung in der Osthalle zu groß?

Möglicherweise. Vor eigenem Publikum will man immer am besten performen. Aber vielleicht nimmt einem genau das die Leichtigkeit. Die war auch am Sonntag gegen Würzburg in vielen Phasen der intensiv geführten Begegnung abhanden gekommen, woran die Gäste aus Franken nicht ganz schuldlos waren.

Gießens Ex-Trainer Denis Wucherer hatte seine Mannschaft glänzend auf die 46ers eingestellt. Sie hielt das Tempo immer hoch, wohlwissend, dass der 2,16-m-Hüne Bryant nicht der schnellste ist und dass die Gießener Guards in der Defense im Eins-gegen-Eins Schwächen haben. Sie agierte sehr physisch, am Rande der Legalität – das schmeckte dem Gastgeber ebenfalls nicht. Und sie hatte einen Tick mehr Aggressivitäts-Potenzial im Körper. Bestes Beispiel war Skyler Bowlin, der an seiner alten Wirkungsstätte jede gelungene Aktion gestenreich zelebrierte und damit seine Teamkollegen noch zu besseren Leistungen pushte.

Bei den Gießenern wandelte einzig Benjamin Lischka auf diesem Level des unbändigen Siegeswillens. Der Powerforward war da, als er gebraucht wurde. Seine Einstellung steckte die Kameraden im vierten Viertel an. Plötzlich waren die 46ers obenauf. Sie reduzierten den Rückstand in der 32. Minute auf sieben Punkte (68:75). Und die 3752 Zuschauer stärkten ihnen den Rücken.

In die Aufholjagd griffen dann aber die Schiedsrichter ein, die ein körperliches Gehabe zwischen Xavier Cooks und Lischka unterschiedlich ahndeten. Lischka wurde mit einem unsportlichen Foul bestraft, Cooks mit einem normalen. Aus Ballbesitz Gießen wurde Freiwurf Würzburg mit anschließendem Einwurf Seite. Statt verkürzen des Rückstandes auf vier oder fünf Zähler, sahen sich die 46ers nach dem Vorfall wieder einem Zehn-Punkte-Vorsprung der Gäste ausgesetzt. Für Freyer war das der "Killer"-Pfiff.

Das soll aber nicht die gute Gesamtleistung der Würzburger schmälern. Sie waren an diesem Sonntagabend in vielen Belangen das bessere Team und der verdiente Sieger. Die Gießen 46ers leisteten sich zu viele Turnover (18) und performten für ihre Verhältnisse viel zu schwach von der Freiwurflinie: 24 Treffer von 34 Versuchen. Zudem kam Bryant nicht so richtig in die Gänge. Die weiteren Leistungsträger Brandon Thomas und Larry Gordon trumpften ebenfalls nicht wie gewohnt auf.

Die Niederlage ist im engen Kampf um die Playoff-Plätze ein Rückschlag. Mehr noch nicht. Noch sind 15 Spiele bis zum Hauptrunden-Ende zu absolvieren. Schon am Samstag können die Gießen 46ers ihre Heimbilanz aufbessern, wenn um 18 Uhr mit den Ulmern ein weiterer Playoff-Kandidat in der Osthalle gastiert.

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