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Alles im Griff: Münchens Nihad Djedovic (l.) verteilt gegen die Gießener Verteidiger Stephen Brown und Luke Petrasek (r.) den Ball beim mühelosen Sieg seines FC Bayern gegen die 46ers. FOTO: IMAGO

Gießen 46ers

Gießen 46ers ohne Chance beim Meister

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In der EuroLeague setzt der deutsche Meister aus München keinen Stich. Beim 94:75 (47:32)-Sieg gegen die Gießen 46ers macht der FC Bayern Basketball am Sonntag aber kurzen Prozess mit den Hessen.

Satte 26 Fastbreak-Punkte gestatteten die Gießen 46ers am Sonntagnachmittag ihrem Kontrahenten. Eine unterdurchschnittliche Dreierquote von nur 21 Prozent war zu wenig, um den turmhohen Favoriten länger zu ärgern. Dabei schien der FC Bayern vor dieser Basketball-Bundesliga-Partie schlagbar wie selten. Doch am Ende setzte sich der Spitzenreiter erwartungsgemäß mit 94:75 klar durch.

Die Bayern hatten unter der Woche zwei bittere Euro- League-Niederlagen einstecken müssen. "In Deutschland sind sie die beste Mannschaft, auch wenn sie in diesem Wettbewerb gerade zufällig auf dem letzten Platz stehen", machte sich Coach Ingo Freyer vor der Partie dennoch keine Illusionen über die Schlagkraft seines Gegners.

Zu Beginn glich die Partie einem Dreier-Shootout. Fünf Schüsse fielen auf beiden Seiten allein in den ersten vier Minuten durch die Reuse. "Sie sind eigentlich kein klassisches Dreier-Team. Aber wir haben ihnen zu viel Zeit für offene Würfe gelassen", monierte Guard Teyvon Myers bereits zur Halbzeitpause. Erschwerend für Gießen kam hinzu, dass die athletischeren Süddeutschen haufenweise Offensivrebounds kontrollierten. "Boxout!", rief Freyer seinem Team in einer frühen Auszeit zu. Da stand es 8:13 aus Sicht der Mittelhessen.

Mit fortlaufender Spielzeit attackierten die Gießener nun aber vermehrt das Brett. Alen Pjanic setzte mit einem einhändigen Dunk im Fastbreak eine Duftmarke. Myers durchschnitt die bayerische Zone mit der Präzision eines Schweizer Taschenmessers und verkürzte auf 18:23. Zu Beginn des zweiten Abschnitts waren es erneut Myers und Pjanic, die in Brettnähe aussichtsreich auf 22:26 (12.) stellten. Zwei schnelle Dreier zwangen Freyer aber erneut zur Auszeit. Myers packte direkt danach einen Statement-Dunk aus, bei dem die bayerische Verteidigung keinen guten Eindruck machte. Danach ließen die Gießener aber zu viele gute Abschlusschancen ungenutzt. Paul Zipser, Maodo Lo und Alex King nach Steal und Dunk erhöhten auf 39:24 (16.) aus Sicht des Gastgebers.

Erst in der 18. Minute erzielte Brandon Thomas die ersten Freiwurfpunkte für seine Farben (30:41, 18.). Ein weiterer 7:2-Run bis zur Pause machte aber deutlich, wohin die Reise nach dem Seitenwechsel gehen sollte. "Die Bayern spielen eine sehr gute, harte Verteidigung. Und wenn du versuchst, dann zweite oder dritte Optionen auszuspielen, wird es sehr, sehr schwer. Wir hatten offene Würfe und haben diese nicht konsequent geworfen", legte Freyer nach der Partie den Finger in die Wunde.

Eine Kostprobe der bayerischen Defensivstärke bekam sein Team zu Beginn des dritten Viertels. Der FCB rührte für einige Minuten puren Zement an. "Heute war es sehr wichtig für uns, auf unserem besten Level zu spielen, was wir vor allem in der Defense gezeigt haben", konnte sich Münchens Coach Oliver Kostic freuen. Ein 11:2-Blitzrun brachte sein Team auf die Siegerstraße.

In der anschließenden Gießener Auszeit lieferten sich Myers und Freyer ein kleines Wortgefecht. Der Guard hatte zuvor zweimal in Folge den Ball verdaddelt. Nach drei Ballverlusten in der gesamten ersten Halbzeit hatten die 46ers bereits nach vier Minuten des zweiten Durchgangs ebenso viele Turnover produziert.

Myers durfte am Ende des Viertels zurück aufs Parkett, wirkte aber übermotiviert und handelte sich schnell sein viertes Foul ein. Für ihn kam Youngster Leon Okpara, der schon am Tag zuvor mit den 46ers Rackelos gegen die zweite Mannschaft der Bayern verloren hatte. Zwei schicke Anspiele von Bjarne Kraushaar in den Lowpost zu Matt Tiby und John Bryant bedeuteten das 52:67 nach 30 Minuten.

Die Bayern investierten auch im letzten Quarter nicht mehr Energie, als zwingend nötig. Doch auch den Gießenern fehlte jetzt der letzte Biss. "Vielleicht waren wir vom Kopf her nicht da", sagte ein zerknirschter Pjanic nach der Partie. "Wir haben nächste Woche spielfrei, vielleicht waren die Jungs mental woanders. Gegen Bayern muss man immer 100 Prozent geben und darf nicht zu viel Respekt zeigen", legte der mit zwölf Punkten und fünf Rebounds gut aufgelegte Forward nach. Zwei dieser Zähler markierte Pjanic aus der Halbdistanz zum 54:70. Dreier durch Zipser und Nihad Djedovic ließen es dann aber schnell wieder deutlich werden (82:56, 33.). Spätestens als Zipser erneut vom Perimeter knipste, schienen sich die Bayern ihren EureLeague-Frust von der Seele gespielt zu haben.

Der zuletzt zweimal exzellent aufgelegte Luke Petrasek kam erst in der 34. Minute zu seinen ersten Zählern. Aus der Distanz netzte der US-Amerikaner ins Gesicht seines ehemaligen College-Kumpels Lo. Spätestens als Coach Kostic Youngster Jason George seine ersten Bundesliga-Minuten schenkte, war die letzte Spannung verflogen. Der 18-Jährige konnte sich in der Schlussminute noch in die Scorerliste eintragen.

Weiter geht es für die Gießen 46ers erst am 22. Februar mit einem Gastspiel im Rheinland bei den nach wie vor akut abstiegsbedrohten Baskets aus Bonn.

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