Gießen 46ers

Gießen 46ers müssen gegen Brose Bamberg Kreise von Rice einengen

  • Wolfgang Gärtner
    VonWolfgang Gärtner
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Für die Gießen 46ers stehen die Wochen der Wahrheit an. Am Faschingssamstag (20.30 Uhr) kommt der frisch gekürte Pokalsieger Bamberg in die Osthalle.

Dann geht es nach Bayreuth und danach gastiert Berlin in der Lahnstadt: Alles Konkurrenten im Kampf um die Playoffs. Am 17. März weiß die Truppe von Ingo Freyer, wo die Fahrt in der BBL hingeht.

In der Länderspiel-Pause nutzten die Basketball-Profis der Gießen 46ers die spiel- und trainingsfreie Zeit, um auszuspannen oder andere Dinge zu tun. Larry Gordon zog nach Las Vegas um. Kapitän John Bryant sah sich live das Fußballspiel zwischen Eintracht Frankfurt und Gladbach an, ehe er zu seiner Familie nach München fuhr. Und Trainer Ingo Freyer z. B. verbrachte mit seiner Familie ein paar Tage in Hamburg. Seit letzten Freitag ist der Fokus wieder auf Bundesliga-Basketball gerichtet – und speziell auf das Heimspiel am Samstag um 20.30 Uhr in der Osthalle gegen immer besser in Schwung kommende Bamberger.

Status quo: Die 46ers gingen mit einem Erfolgserlebnis in die Pause: Beim 101:92 spielte vor allem Jared Jordan groß auf. 15 Punkte und neun Assists steuerte er bei und bestätigte eindrucksvoll, dass seine Formkurve stetig ansteigt. Da die Gießener zuvor auch Ulm in der Osthalle bezwangen, hat sich das Team von Freyer mit insgesamt elf Siegen und zehn Niederlagen auf den siebten Platz katapultiert – einen Playoff-Rang. Aber die Tabelle ist trügerisch, da sowohl Bonn, Ludwigsburg und Würzburg ein Spiel weniger haben und mit einem Erfolg daraus mit Gießen punktemäßig gleichziehen können. Allein diese Tatsache, dass die 46ers vor diesen Clubs stehen, ist aber schon als Erfolg zu werten, denn die haben alle bei weitem einen höheren Etat zur Verfügung als die Mittelhessen. Für die sind die drei kommenden Partien gegen Bamberg, in Bayreuth und gegen Berlin richtungsweisend. Das Hinspiel in Bamberg endete nach Overtime 109:101 für die Franken – übrigens am 11.11.

Gegner: Bei den Bambergern hat sich im neuen Jahr viel getan. Headcoach Trainer Ainars Bagatskis musste aufgrund von Erfolgslosigkeit gehen. Der Italiener Federico Perego übernahm. Er ist seit 2014 im Trainerteam von Brose Bamberg, war aber nur als Assistent aktiv und kümmerte sich als Scout um Videomaterial. Mit Perego ist der Erfolg in Freak City zurückgekehrt. Der Italiener hat es in kürzester Zeit geschafft, aus dem hochkarätig besetzten Kader eine Mannschaft zu formen, die das eigene Ego hinten anstellt und wieder Spaß am Basketballspielen hat. Nach dem Trainerwechsel haben die Franken in der BBL nur Siege eingefahren (Platz fünf, 28:10 Punkte) – und sich im Pokal-Finale gegen Berlin durchgesetzt. Geschäftsführer Arne Dirks bringt das zuletzt Geschehene in einem Interview auf der Clubhomepage auf den Punkt: »In wenigen Wochen hat sich enorm viel verändert, organisatorisch und sportlich. Dazu zählen die inzwischen wieder starken Leistungen und beachtlichen Erfolge der Mannschaft. Das Pokalfinale hat es gezeigt: Herzblut und Engagement sind wieder auf den Court zurückgekehrt.«

Schlüsselspieler: Davon gibt es eine Menge im Kader der Bamberger. Eigentlich könnte man fast die gesamte Mannschaft aufzählen. Es sagt schon einiges über die Qualität der Truppe aus, wenn starke Spieler wie Maurice Stuckey im Pokal-Endspiel gegen Berlin überhaupt nicht eingesetzt werden. Das »Gehirn« der Bamberger ist eindeutig Tyrese Rice. Der 31-jährige Pointguard gibt das Tempo vor und ist mit 15,2 Punkten im Schnitt bester Scorer der Bamberger. Der Weltenbummler, der nach seiner College-Zeit schon bei neun verschiedenen Clubs agierte, ist zudem der Dauerbrenner auf dem Feld (knapp 29 Minuten). Ihn zeichnet ein gutes Auge aus (6,5 Assists durchschnittlich) und im Angriff zudem der permanente Wechsel vom Ziehen zum Wurf. Immer besser in Schwung kommt Guard Ricky Hickman, der in früheren Zeiten mal das Gießener Trikot trug. Oder der Grieche Nikolaos Zisis, der gegen Berlin mit fünf von acht Dreiern zum Matchwinner avancierte. Unter dem Korb ist der athletische Augustine Rubit nur schwer zu stoppen, wie der bullige Powerforward Elias Harris und der NBA-erfahrene Cliff Alexander. Aufpassen müssen die 46ers auch auf Patrick Heckmann, der von der Eins bis zur Vier alles spielen kann.

46ers-Lazarett: Benjamin Lischka muss verletzungsbedingt pausieren. Der Powerforward knickte um. Er hofft, dass er in Bayreuth wieder dabei ist. Forward Alen Pjanic zog sich eine Muskelverletzung im Bizeps zu. Ob er mitwirken kann, steht noch nicht fest.

Das sagt 46ers-Coach Freyer: "Das Selbstvertrauen ist nach dem Pokalsieg bei den Bambergern sicher ganz weit oben. Sie gehören zu den ersten Verfolgern von Spitzenreiter München. Sie sind tief und qualitativ hochwertig besetzt – eine Topmannschaft. Tyrese Rice ist sehr dominant – gerade nach dem Trainerwechsel ist er noch mehr Chef auf dem Feld. Seine Kreise muss man einengen. Und unter dem Korb mit Rubit, Harris und Alexander sind sie auch sehr stark. Wir brauchen uns aber nicht zu verstecken. Wir haben gezeigt, dass wir gegen solche Mannschaften gute Spiele zeigen können."

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