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Die Gießener Mannschaft ist eher ein junges Team (v. l.): Tim Uhlemann ist 20 Jahre alt, Alen Pjanic 22, Stephen Brown 23, Bjarne Kraushaar 20. Dennoch stehen sie schon ihren Mann in der Basketball-Bundesliga. 

Gießen 46ers

Gießen 46ers: Mehr Geduld mit Team haben

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Die Gießen 46ers sollten auf der Hut sein. Platz 13 in der Basketball-Bundesliga ist trügerisch. Das Abstiegsgespenst ist noch lange nicht gebannt. Die Niederlage in Bonn zeigt deutlich, woran es mangelt.

Mit dem 96:112 in der Tasche und Ohrenschmerzen wegen des permanenten Gegröle von 6000 Jecken kehrte die Mannschaft von Trainer Ingo Freyer aus Bonn nach Gießen zurück. Und erneut mit der Erkenntnis, dass die Spieler nicht in der Lage sind, über 40 Minuten eine konstante Leistung abzurufen.

Das hat Gründe: Das Freyer-Team ist überwiegend jung (im Schnitt ohne John Bryant und Brandon Thomas 24 Jahre alt) und unerfahren. Teyvon Myers, Jordan Barnett, Stephen Brown und Luke Petrasek spielen zum ersten Mal in der Basketball-Bundesliga - ihnen fehlt die Erfahrung. Zwar hat jeder Einzelne seine Fähigkeiten, aber komplette Spieler sind sie noch lange nicht.

Ähnlich verhält es sich mit den beiden Eigengewächsen Bjarne Kraushaar (20 Jahre) und Alen Pjanic (22), die einen überragenden Job verrichten und schon eine Menge Verantwortung übernehmen - ihnen gehört eindeutig die Zukunft. Doch auch sie befinden sich noch im Entwicklungsprozess. Da sind Fehler programmiert. Da wird nicht immer das Richtige gemacht.

Wenn dann noch die vermeintlichen Leistungsträger wie Bryant und Thomas keine konstanten Leistungen abrufen können und den Erwartungen hinterherhinken, wird es schwierig, Spiele, die lange Zeit - wie in Bonn - auf Augenhöhe geführt werden, zu gewinnen. Dass bisher sechs Siege herausgesprungen sind und der Abstand zum "Tabellenkeller" zu den punktgleichen MBC Weißenfels und Hamburg Towers noch sechs Punkte beträgt, darf unter diesen Voraussetzungen als Erfolg gewertet werden.

Den Gießen 46ers fehlt es an Qualitätsspielern. Was in Anbetracht des Etats von geschätzten 3,2 Millionen Euro (angeblich mit dem MBC der kleinste aller 17 BBL-Teams) nicht verwundert. Gut, dass die Verantwortlichen noch einmal die Geldbörse geöffnet und Matt Tiby nachverpflichtet haben. Der Powerforward spielt sich immer mehr in den Vordergrund und zeigt, was Qualität bewirkt.

Man darf gespannt sein, wie der neue Geschäftsführer Michael Koch die Prioritäten bei der Verteilung des Etats setzen wird. Nicht nur Coach Freyer wunderte sich im letzten Jahr, als man den neuen Namenssponsor sowie einen weiteren Premiumpartner präsentierte und von offizieller Seite gesagt wurde, dass von dem nun vorhandenen Mehrgeld kein Cent in sein Team fließen sollte. Normalerweise stecken die Verantwortlichen der BBL-Klubs zwischen 40 und 60 Prozent ihres Budgets in die Mannschaft - bei Gießen soll das weit darunter liegen. Mit Berücksichtigung all dieser Umstände sollte man mehr Geduld mit dem jungen Team von Freyer haben.

Das hat in den kommenden Wochen richtungsweisende Spiele vor der Brust. Am Samstag steht der schwere Gang bei Rasta Vechta an. Die Niedersachsen sind in ihrem Dome eine Macht. Von zehn Spielen haben sie sieben gewonnen. Das Hinrundenspiel in Gießen ging an Rasta (87:79). Weil er sich den Zeigefinger seiner Wurfhand ausgerenkt hat, muss Vechta aber für mehrere Wochen auf Kapitän Joshua Adam verzichten. Der US-Amerikaner zog sich die Verletzung bei einem Trainingsunfall zu.

Nicht leichter wird die Aufgabe für die 46ers eine Woche später. Dann kommt der Nachbar aus Hessen in die Osthalle. Das Derby mit den Frankfurt Skyliners ist für die meisten Fans das Spiel der Spiele in der Saison. Am 7. März (18 Uhr) dürfte die Osthalle aus allen Nähten platzen. Die Freyer-Truppe will die Anfang Januar erlittene Hinrundenscharte ausmerzen. Und am 13. März geht es nach Weißenfels - zum Tabellenletzten der Bundesliga.

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