Gießen 46ers

Gießen 46ers: Landis ballert sich die Sorgen weg

  • Wolfgang Gärtner
    vonWolfgang Gärtner
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Max Landis braucht nicht viel Platz und maximal eine Sekunde lang Zeit. Dann kann er zum Wurf ansetzen – am liebsten von weit hinter der 6,75-m-Linie. In Bonn traf der Shootingguard der Gießen 46ers acht von neun Dreiern.

Insgesamt sprangen für den 25-jährigen Shootingguard 30 Punkte heraus. Seinen BBL-Bestwert stellte er aber beim 97:88 gegen die Baskets Oldenburg auf, als er im vergangenen Jahr Anfang November noch einen Zweier mehr für sich verbuchte. Beim 105:97 in Bonn schoss er dagegen bei 13 Versuchen nur dreimal daneben. 76,9 Prozent Trefferquote von außen – Chapeau!

So einen Tag hat man nicht alle Tage

Gießens Cheftrainer Ingo Freyer

"So einen Tag hat man nicht alle Tage. Acht von neun Dreiern – das ist schon was Besonderes. Er war heiß, das hat man schon gemerkt", kommentierte Gießens Cheftrainer Ingo Freyer die starke Leistung seines Schützens. "Ich habe mich gut gefühlt. Es war ein Abend für mich. Das Team hat mich gefunden", erklärte Landis seine außergewöhnliche Performance in seiner typisch nüchternen Art. Der 1,88-m-Mann spielte sich am Samstag den ganzen Stress der letzten Woche von der Seele.

Sohn im Krankenhaus

Denn die Tage vor dem Spiel waren alles andere als einfach für ihn. Einer seiner beiden Söhne war krank und musste ins Krankenhaus gebracht worden. Seine Ehefrau Stefanie begleitete Creighton, Max Landis kümmerte sich um McCoy. Die beiden Jungs sind Zwillinge und werden Mitte des Jahres zwei .Jahre alt. Das alles zu managen, war sicherlich nicht einfach für Max Landis. Das Team wusste über die angespannte Situation im Hause Landis Bescheid. Und das alles konnte Landis in Bonn verdrängen, bewies mal wieder seine Wurfqualitäten und avancierte zum Matchwinner.

Bei dem ganzen Hype um den überragenden Landis gingen die ebenfalls starken Auftritte von Larry Gordon und Brandon Thomas fast schon ein wenig unter. Gordon netzte fünf von fünf Dreiern ein. Vor allem der zum 103:95 bei Restspielzeit von 57 Sekunden war der Genickbrecher für die Bonner. Letztlich kam der Allrounder auf 21 Zähler bei einer Trefferquote aus dem Feld von sagenhaften 87,5 Prozent. Thomas’ Ausbeute lag bei 19 Punkten – aber seine Dreierbilanz von vier aus sechs konnte sich auch sehen lassen.

Beide erhielten natürlich ein dickes Lob – wie die gesamte Truppe – von Coach Freyer, der stolz auf seine Mannschaft sein konnte. Die stellte mit 20 getroffenen Dreiern einen Saisonrekord auf. Das ist der zweithöchste Wert in der BBL-Statistik-Datenbank. Nur Bayern München verzeichnete in einem Spiel mehr getroffene Dreier – 23 in der Partie in Tübingen im Jahr 2015.

Freyers geniale Strategie

Freyer hatte mit seinem Co-Trainer Steven Wriedt eine geniale Strategie ausgetüftelt. Der um fast 20 Zentimeter größere Thomas nahm sich Josh Mayo (1,80 m) zur Brust. Der Spielmacher der Bonner kam drei Viertel lang nicht zur Geltung. Er konnte seinen gefürchteten Dreier nicht einbringen und zog auch nicht zum Korb. Erst im finalen Durchgang gelangen ihm Punkte.

"Das haben wir mit Brandon die ganze Woche so trainiert. Mayo war eigentlich nie im Spiel drin, außer im vierten Viertel. Da trifft er seine Dreier, weil wir zu weit weg vom Mann stehen", konstatierte Freyer. Er freute sich zudem über die Gießener Fan-Unterstützung in Bonn: "Die war echt super."

Der Sieg wurde nach der Partie natürlich mit den Anhängern gebührend gefeiert – und auch der gewonnene direkte Vergleich (Hinspiel 99:92 für Bonn). Landis genoss indes das Abklatschen auf den Rängen. Sein Fokus war aber schon auf die nächsten Aufgaben gerichtet. Er sprach von einem großartigen Start in die Rückrunde – und von den Playoffs. Die Tabelle ist zwar verzerrt, aber die Gießen 46ers haben sich im Kampf um die K.-o.-Meisterrunde zurückgemeldet. Und am Sonntag gastiert Würzburg mit Ex-Trainer Denis Wucherer in der Osthalle.

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