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Die Gießen 46ers stehen bei den Bayern kurz vor der Sensation: Kendale McCullum passt an Augustine Rubit (München) vorbei zu John Bryant (l.).

Gießen 46ers

Gießen 46ers: Kurz vor der Sensation bei den »Über-Bayern«

  • VonMartin Vogel
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46ers-Trainer Pete Strobl war angefressen - und wohl keiner konnte es ihm verdenken. 35 Minuten lang waren die Gießen 46ers das bessere Team gewesen im Duell beim Favoriten FC Bayern München - und standen am Ende trotzdem nach Verlängerung ohne Erfolg da. Beim 64:71 haben sie das Spiel eher verloren als die Münchener gewonnen.

Es war kein Nachmittag für die Freunde des feinen Bundesliga-Basketballspiels, für all jene, die auf Highlights und Spektakel aus sind. Stattdessen eher ein Match, das seine Faszination dadurch ausübte. Und indem die Gießener nach einer mäßigen Anfangsphase durchgängig mit dem Topklub von der Isar auf Augenhöhe waren. Mehr noch: Die meiste Zeit waren die 46ers sogar die bessere Mannschaft. Und noch mehr: Sie waren die bessere Mannschaft, obwohl schon nach drei Minuten Phillip Fayne II mit zwei Fouls auf die Bank beordert wurde - und obwohl Kyan Anderson, Nuni Omot und auch Kendale McCullum offensiv Nachmittage zum Vergessen hatten. Doch in der Verlängerung war Ognjen Jaramaz nicht zu stoppen: Zehn Punkte markierte der Serbe allein in der Overtime, war in der Extrazeit von keinem Gießener zu kontrollieren. Die 46ers dagegen hatte nach dem verpassten Erfolg in der regulären Zeit der Mut und auch die Kraft verlassen, das Momentum war aufseiten der Münchener gewechselt.

Gießen 46ers: Zu viele zweite Chancen zugelassen

Dass es überhaupt fünf Minuten mehr Basketball für die 3000 Zuschauer im Audi Dome gab, lag aber insbesondere an einer Sache: »Wir haben einfach viel zu viele zweite Chancen zugelassen«, ärgerte sich Strobl nach dem Spiel. 24 Offensivrebounds sicherten sich die Münchener, holten damit am Gießener Brett mehr Rebounds als die 46ers selbst, die nur auf 22 Defensivrebounds kamen.

Zudem waren die Münchener in der entscheidenden Phase des vierten Viertels vielleicht nicht die bessere, aber die cleverere Mannschaft: Auch hier war es vor allem Jaramaz, der die Bayern auf seine Schultern packte. Während die anderen Münchener nach den zwei Niederlagen unter der Woche in der Euroleague angesichts der drohenden Pleite gegen die Gießener verschreckt wirkten, verkürzte Jaramaz zunächst auf 54:56, schnappte sich dann den Defensivrebound und sprintete nach vorn: Korbleger zum Ausgleich, zudem noch ein zu zögerliches Foul von Blake - wäre der Freiwurf hier drin gewesen, hätten die Gießener schon in der regulären Spielzeit den Sieg verspielt gehabt.

Stattdessen gab es noch einmal die Chance, mit dem letzten Wurf den ersten Auswärtssieg an der Isar seit dem Wiederaufstieg der Bayern zu holen. Aber McCullum fand im letzten Angriff keine gute Anspielstation, musste selber einen eher mäßig herausgespielten Wurf im Eins-gegen-Eins nehmen und setzte den nur auf den Ring.

Wir wollen eine Siegermentalität in Gießen entwickeln, aber das ist ein Prozess.

Pete Strobl, Trainer Gießen 46ers

»Wir wollen eine Siegermentalität in Gießen entwickeln, aber das ist ein Prozess«, erklärte Strobl. Und mit etwas mehr Zeit zur Mannschaftsentwicklung hätte man sich vorstellen können, dass die 46ers das Spiel sogar mit Leichtigkeit für sich hätten entscheiden können. »Das heißt nicht, dass wir das bessere Team haben«, stellte der Gießener Headcoach noch einmal klar.

Doch seine Mannschaft konnte trotz der Niederlage auch einige Lichtblicke für sich vorweisen: Jalen Tate tat sich vor allem zu Beginn noch schwer mit den Bayern, was jedoch für einen Rookie in seinem zweiten BBL-Spiel keine Überraschung sein dürfte. Doch der Flügelspieler zeigte vielversprechende Ansätze - genau wie Kilian Binapfl, der gegen seinen Jugendverein in der ersten Fünf stand und mit acht Punkten bei fehlerfreier Zweierquote überzeugen konnte. Kendale McCullum dagegen hatte zwar wenig Wurfglück - nur zwei seiner acht Wurfversuche fanden ihr Ziel, zudem verwarf er vier seiner fünf Versuche von der Linie -, wusste allerdings als Passgeber zu gefallen.

Gießen 46ers: Weiter Hunger auf Erfolg

Bis dahin können sich die Gießener Fans vor allem darüber freuen, dass die 46ers nach einer Niederlage nach Verlängerung in München angefressen waren. Kein »Immerhin gut gespielt«, kein »lange mitgehalten, ist doch toll« - angesichts der verpassten Chance auf zwei Punkte wurde beim Verlassen des Feldes allenthaltben gegrummelt. Dieser Hunger auf Erfolg ist eine gute Basis, um in den kommenden Wochen dann auch die Früchte der Arbeit einzufahren - und nicht nur Lob dafür, in München über 35 Minuten die bessere Mannschaft gewesen zu sein.

Gießen: McCullum 5 (8 Assists), Omot 6 (5 Rebounds), Nawrocki, Blake 19, Kraushaar, Anderson 2, Begue, Tate 7, Binapfl 8, Koch 5, Fayne 4, Bryant 8 (7 Rebounds).

München: Weiler-Babb 4 (7 Rebounds), Thomas 18 (14 Rebounds), Walden 6 (5 Rebounds), Obiesie (n.e.), Jaramaz 18, George 1, Obst 3, Djedovic 5, Rubit 12 (6 Rebounds), Ogunsipe, Sisko 2 (6 Rebounds), Schilling 2.

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