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Gießens Trainer Pete Strobl hat zwei Wochen Zeit, bis seine 46ers im Kellerduell in Oldenburg wieder in das BBL-Geschehen eingreifen.

Gießen 46ers

Gießen 46ers: Bruder von Spieler erschossen - Pete Strobl über aktuelle Situation

  • Wolfgang Gärtner
    VonWolfgang Gärtner
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Pete Strobl ist kein Trainer, der beschönigt. Er hasst Niederlagen - und besonders solche wie am Samstag, als bei seinen Gießen 46ers gar nichts lief und bei Crailsheim alles.

Wer Pete Strobl kennt, weiß, dass er am Samstagabend innerlich explodiert ist. Sein Basketball-Bundesliga-Team - die Gießen 46ers - erhielten im Heimspiel gegen die Merlins Crailsheim eine 70:104-Klatsche. Besondere Umstände wie Verletzungen, Krankheiten und persönliche Dinge führten dazu, dass die Gießener völlig von der Rolle waren. Auf der Club-Homepage konkretisierte Geschäftsführer Sebastian Schmidt die besonderen Umstände und sagte, dass die Gießen 46ers samt Mannschaft am Spieltag eine schockierende Nachricht erfuhren: Der Bruder einer der amerikanischen Spieler der Gießen 46ers sei erschossen worden. Der betreffende Spieler, so Schmidt weiter, wollte am Samstag unbedingt spielen. Er sei im Moment in den USA und werde in einer Woche wieder nach Gießen zurückkehren. Das erklärt einiges. Und im Interview beantwortet Strobl weitere Fragen.

Warum haben Sie sich entschieden, am Samstag gegen Crailsheim die beiden jungen Spieler Maximilian Begue und Kilian Binapfel in die Starting-Five zu stellen?

Das war wegen der personellen Sorgen und Verletzungen. Beide sind auf einem guten Weg. Sie müssen Erfahrungen sammeln, daher benötigen sie Spielminuten. Sie helfen uns aktuell noch nicht so viel, aber sicherlich in der Zukunft - in einem Monat oder in der nächsten Saison. Sie arbeiten hart an ihrer Weiterentwicklung, vor dem Training, nach dem Training. Die beiden haben sich den Einsatz verdient. Sie müssen Spielminuten bekommen, auch wenn das ab und zu wehtut, wenn sie Fehler machen oder nicht so gefährlich sind wie vielleicht andere. Wir müssen in sie investieren.

Spielmacher Bjarne Kraushaar hat am Samstag nur ganze 69 Sekunden auf dem Parkett gestanden. Warum?

Er leidet an einer muskulären Verletzung an seinem Bein. Wir haben versucht, dass er spielen kann. In der zweiten Halbzeit mussten wir was ändern - und so haben wir es mit ihm versucht. Aber er hat Schmerzen gehabt und konnte so nicht liefern, wie er es wollte.

Für Kraushaar läuft die Saison noch nicht so rund. Wie bauen Sie in dieser Situation einen jungen Spieler auf?

Mit einem Spieler, der gesund ist, kannst du viel leichter arbeiten. Dennoch können junge Spieler lernen, vor allem wenn sie so Ambitionen wie Bjarne haben. Bjarne ist verletzt. Ich hoffe sehr, dass er in dieser Woche mehr Zeit zum Regenerieren erhält, damit er dann wieder Vollgas geben kann. Er ist ein junger Spieler - und die müssen härter als alle anderen arbeiten. Wenn er im Training liefert, dann bekommt er mehr Spielminuten. Das gilt nicht nur für ihn, sondern für alle.

Nach so einer Niederlage ist es wichtig, dass die verunsichert wirkende Mannschaft aufgerichtet wird. Wie gehen Sie das nun an?

Was wir machen müssen, ist nicht zusammenkommen und singen und tanzen. Wir müssen arbeiten. Wir müssen einen Rhythmus haben - und seit dem Spiel in Würzburg haben wir keinen Rhythmus bekommen. 

Pete Strobl, Trainer Gießen 46ers

Wegen unserer schwierigen Vorbereitung - mit zu wenigen Spielern und nicht mit der eingeplanten Mannschaft - war es keine gute Trainingswoche. Wir müssen ein bisschen Geduld haben, dass die Jungs wieder gesund werden. Was aber nicht so leicht ist. Weil: Ich will arbeiten, ich will mit ihnen trainieren, ich will sie pushen, ich will sie weiterentwickeln. Momentan geht das aber nicht so, wie es eigentlich sein sollte. Deswegen ist es ganz gut, dass wir ein spielfreies Wochenende haben. Wir werden diese Zeit klug nutzen, um mit denen zu arbeiten, die können, und die schonen, die es brauchen. Nächste Woche müssen wir aber einfach wieder wie eine richtige Mannschaft trainieren können.

Gibt es irgendwelche außergewöhnlichen Maßnahmen - ein gemeinsames Essen zum Beispiel oder Ähnliches?

Die Jungs machen das schon unter sich aus. Unsere Teamchemie stimmt - die Jungs mögen sich, sie arbeiten gerne miteinander, streiten auch mal. Sie tragen die Konflikte aus und kämpfen im Training. Und dann sind sie wieder eine Einheit. Was wir machen müssen, ist nicht zusammenkommen und singen und tanzen. Wir müssen arbeiten. Wir müssen einen Rhythmus haben - und seit dem Spiel in Würzburg haben wir keinen Rhythmus bekommen. Das ist für mich ausschlaggebend.

Wie haben Sie am Samstag die Unterstützung der Fans in der Osthalle wahrgenommen?

Ganz ehrlich: Während eines Spiels verstehe ich die Worte nicht. Sie singen, es ist laut. Ich bekomme nicht so viel mit, weil ich mich auf das Spiel konzentriere. Am Ende habe ich das Gefühl gehabt, dass sie trotz unserer grottenschlechten Leistung uns unterstützt haben. Dafür bin ich natürlich sehr, sehr dankbar. Aber es tut mir von unserer ganzen Mannschaft leid, dass wir so schlecht gespielt haben und nicht mehr gegeben haben. Unsere Zuschauer sind absolut spitze - und wir spielen in der Liga wie ein 14. oder 15. Wir müssen einfach mehr liefern.

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