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Freude bei den Gießen 46ers um Luke Petrasek (l.), Teyvon Myers und dem applaudierenden Co-Trainer Steven Wriedt. 

Basketball-Bundesliga

Gießen 46ers: Hierarchie innerhalb der Mannschaft verändert

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So kann es mit den Gießen 46ers weitergehen. Zum Rückrundenauftakt holen sie gleich einen Sieg gegen die auf die Playoffs schielenden Bayreuther.

Mit den Gießen 46ers geht es nach den letzten beiden Heimsiegen gegen starke Riesen aus Ludwigsburg und gegen selbstbewusste Bayreuther bergauf. Platz 13 mit sechs Siegen und zehn Niederlagen. Der Anschluss zum Tabellenmittelfeld ist hergestellt, der Abstand zum Keller hat sich auf acht Punkte vergrößert. Die Gießen 46ers zählen vorerst nicht mehr zu den Abstiegskandidaten.

Vor drei Wochen sah das noch anders aus. Es kam zum Krisengipfel gegen Bonn, der mit 85:88 knapp verloren wurde. Untergangsstimmung machte sich breit. Die weiterhin ungeklärte Frage nach dem Nachfolger von Geschäftsführer Heiko Schelberg, der bekanntlich nach der Saison geht, ist eine weitere Baustelle der Gesellschafter, die sich in dieser Personalie bedeckt halten. Die Unruhe um das Team wurde größer. Trainer Ingo Freyer stand in der Kritik. Ist er noch der richtige Mann? Erreicht er noch die Mannschaft? Diese und ähnliche Fragen stellten sich sicherlich nicht nur die Verantwortlichen. Der 48-Jährige und seine Mannschaft gaben die passenden Antworten auf dem Court - 98:88 gegen den Rangzweiten aus Ludwigsburg, 100:93 gegen Bayreuther, die Tage zuvor ins Viertelfinale des Europe-Cups einzogen.

Es stimmten aber nicht nur die Ergebnisse, auf die es letztlich ankommt, sondern auch der gesamte Auftritt der Mannschaft, die sich als Kollektiv präsentierte und dementsprechend auch schwer auszurechnen ist. Man erkennt deutlich eine Struktur - im Angriff und in der Abwehr -, wobei die Protagonisten dennoch auf beiden Seiten des Feldes Spielraum zur Kreativität haben. Sie scheinen die richtige Balance im Entscheidungsverhalten gefunden zu haben.

Trainer Freyer stimmte der Analyse zu. Er merkte aber an, dass er im Vergleich zu den Spielen zuvor eigentlich wenig verändert hat. "Die Mannschaft ist noch die gleiche, aber wir haben Kleinigkeiten geändert", erklärte der Coach. Seine Aufgabe besteht darin, besonders darauf zu achten, welche fünf Spieler situationsbedingt den höchsten Erfolg versprechen.

Es hat sich aber auch etwas im Bewusstsein der Protagonisten getan. Man hat das Gefühl, die Mannschaft ist in der brenzligen Lage enger zusammengerückt und will allen beweisen, welches Potenzial in ihr steckt. Positiv fiel auf, dass die Spielweise von Stephen Brown variabler geworden ist. Der 22-jährige übertrieb oftmals das Ego-Gezocke. In den letzten beiden Partien fand er aber eine gute Mischung aus der Penetration und dem Pass. Umgekehrt verhält es sich bei Bjarne Kraushaar, der ein exzellenter Passgeber ist, sich manchmal aber zu ungefährlich gibt. Auch der 20-Jährige hat sich umgestellt - besonders beim Erfolg gegen Ludwigsburg fiel er durch seinen Zug zum Korb auf und zählte zu den Sieggaranten.

Die Hierarchie innerhalb der Mannschaft scheint sich verändert zu haben. Matt Tiby, Alen Pjanic, Teyvon Myers, Luke Petrasek, Jordan Barnett, Brown und Kraushaar spielen sich immer mehr in den Vordergrund - die Leistungsträger Brandon Thomas und John Bryant müssen um ihre Stellung kämpfen. Das erhöht im Training den Konkurrenzkampf, der durch die sieben Import-Akteure noch mehr Brisanz erhält, da Freyer pro Spiel auf einen Ami verzichten kann. "Jeder muss im Training abliefern - keiner kann sich ausruhen", so der Coach.

Er freut sich natürlich über die kürzliche Rückkehr von Powerforward Petrasek nach seiner Rückenverletzung. Der Schlaks spielte am Sonntag gegen Bayreuth groß auf und avancierte zum Matchwinner. "Luke gibt uns sehr viel Variabilität - in der Offense und Defense", konstatierte Freyer. Der 2,08-m-Mann kann aufgrund seiner Beweglichkeit in der Abwehr die Positionen drei bis fünf verteidigen. Im Angriff tritt er ebenfalls sehr flexibel mit einem weichen Händchen auf. Am Sonntag war er sehr erfolgreich von der Dreierposition und traf von sieben Versuchen fünf. Der 24-jährige New Yorker hat aber im Eins-gegen-Eins auch einen schnellen ersten Schritt - und insgesamt einen hohen Basketball-IQ.

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