Gießen 46ers

Gießen 46ers: Das Fast-Triple-Double war John Bryant egal

  • Wolfgang Gärtner
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John Bryant, der Kapitän der Gießen 46ers, lieferte zum wiederholten Mal eine Gala-Vorstellung ab. Er schrammte nur knapp am Triple-Double vorbei. Das war ihm aber völlig egal.

Für den 2,11-m-Koloss zählte vor 3383 Zuschauern in der Osthalle einzig und allein der Erfolg gegen die Löwen Braunschweig (99:97) – der erste Heimsieg im neuen Jahr. Dementsprechend glücklich waren alle Beteiligten. Zuletzt gab es nicht so viel zu lachen für die Mannschaft von Trainer Ingo Freyer: Sie gewann nach einem tollen Saisonstart aus den letzten zehn Partien nur zwei und schloss am Samstag die Hinrunde in der Basketball-Bundesliga mit 16:18 Punkten – wie in der vergangenen Spielzeit – auf Rang zehn ab.

Freyers Hinrunden-Fazit

"Wenn du ein ausgeglichenes Punktekonto hast, dann bist du im ganz guten Mittelfeld. Genau das wollen wir auch. Von daher haben wir eine Menge richtig gemacht. Wir haben in den ersten acht Spielen toll gespielt, dann haben wir sechs verloren und dann wieder drei Spiele gespielt, von denen wir zwei gewonnen haben. Das ist ungewöhnlich. Aber das ist bei so einer Mannschaft, wo wir im Ranking stehen sollen, normal", bilanzierte Freyer.

Über die Leistung seines Kapitäns freute sich der 47-jährige Coach. Für ihn war die Punkteausbeute von 33 aber nichts Ungewöhnliches – wie die von Brandon Thomas, der ebenfalls groß aufspielte und letztlich auf 26 Zähler kam. Das war von Freyer ein Teil seiner Strategie, dass die beiden im Angriff oft den Ball erhalten und abschließen, aber auch fordern sollten. "Das hat man gleich in den ersten Systemen gesehen, die waren allesamt für Brandon und John", erklärte der Trainer. Aber er zog natürlich seinen Hut vor dem bravourösen Auftritt der beiden und fügte an, dass man die Dinger auch alle erst einmal treffen müsse.

Geniale Aktion in letzter Sekunde

Wie den Korbleger von Bryant in der letzten Sekunde. Bei einer Restspielzeit von 2,4 Sekunden und Gleichstand von 97:97 gab es Einwurf in der Hälfte der Braunschweiger. Gießens "Mann für alle Fälle" Larry Gordon hielt den Ball in den Händen und ließ sich lange Zeit, bis er ihn mit viel Risko auf Bryant per Lob-Pass spielte. Der hatte sich nach einem Gegenblock von Brandon hinter seinen Bewacher Scott Eatherton gemogelt und bei einer Sekunde Rest per Korbleger abgeschlossen. Da er dabei noch gefoult wurde, erhielt der überragende Bryant noch einen Bonuswurf, den er aber extra vorbeiwarf, sodass die Gäste keine Siegeschance mehr besaßen.

Bryant nicht zufrieden mit der Defense

Natürlich stand der in der BBL nach seinen 33 Punkten, elf Assists und acht Rebounds auf MVP-Kurs steuernde 2,11-m-Hüne anschließend auch dem Fernseh-Moderator Rede und Antwort. Dabei hob er die Bedeutung des Sieges heraus – nicht seine herausragende Leistung –, der für die Gießen 46ers nach den schwierigen Zeiten auch wichtig für die Psyche war. Zudem konstatierte er: "Zu Hause zu gewinnen, ist immer wichtig, auch für die Fans – damit die hinter uns stehen und uns pushen." Der Kapitän blickte auch ein wenig auf die Rückrunde: "Es wird eine lange Saison mit vielen Hochs und Tiefs, und hoffentlich stehen wir am Ende da, wo wir stehen wollen." Natürlich wollen die 46ers-Spieler die Playoffs erreichen – das haben sie in Gesprächen oft genug betont. Den Rückstand auf Rang acht (Braunschweig) haben sie auf zwei Punkte reduziert.

Kritisch ging der Topscorer mit der eigenen Defense um" "Da müssen wir dran arbeiten. Die hatten viele offene Würfe und Offensivrebounds, deswegen müssen wir sehen, wie wir das hinbekommen und besser ausboxen." Das ist Cheftrainer Freyer auch negativ aufgefallen: "Wir haben zu viele Offensiv-Rebounds zugelassen. Dadurch haben wir Braunschweig in der ersten Halbzeit auf Augenhöhe spielen lassen." Insgesamt waren es 19 Abpraller, die die Mannschaft von Trainer Menz am gegnerischen Brett sicherte.

Kraushaar kommt nicht zum Einsatz

Auffälig war zudem, dass der zuletzt mit vielen Einsatzminuten bedachte Youngster Bjarne Kraushaar überhaupt nicht spielte. Der 19-Jährige absolviert seit letzter Woche ein Praktikum, das ihn zeitlich einschränkt, sodass er nicht alle Trainingseinheiten bestreiten konnte. Das sei aber nicht der Grund gewesen, so Freyer, der ihn dann nannte: "Wir wollten in diesem Spiel mit Siyani (Chambers) und Jared (Jordan) den Aufbau spielen." Er war wie alle anderen aus dem 46ers-Lager einfach froh, endlich wieder ein Heimspiel gewonnen zu haben. Seine Gedanken waren aber auch schon beim nächsten Gegner Bonn.

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