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Hinter dem Korb rufen sie "Luke, Luke, Luke!" - und vorne markiert Gießens überragender Powerforward Petrasek an der Freiwurflinie den Hunderter beim Heimsieg gegen Bayreuth. FOTO: FRIEDRICH

Gießen 46ers

Gießen 46ers: Fans skandieren "Luke, Luke, Luke"

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Die Gießen 46ers zeigen beim 100:93 gegen die Bayreuther eine starke Teamleistung, nehmen erfolgreich Revanche aus dem Hinspiel und feiern den zweiten Sieg in Folge. Luke Petrasek ragt heraus: Der Powerforward hat ein heißes Händchen von der Dreierlinie.

Bezeichnend für das Spiel der Gießen 46ers am Sonntagnachmittag: Luke Petrasek erzielte durch Freiwürfe den Hunderter, fischte sich hinten den letzten Rebound und hielt den Ball bis zum Abpfiff in seinen Händen.

A nschließend gab Gießens Powerforward auch eine gute Figur mit dem Mikrofon ab: Traditionell stimmt der beste Spieler 46ers bei einem Heimsieg die Humba an. Ohne Probleme - nur mit einer klitzekleinen Hilfe von Souffleur Bjarne Kraushaar - spulte der 2,08-m-Schlaks das übliche Programm für die Fans mit jedem einzelnen Buchstaben und den gesungenen Wörtern "Heimsieg" und "Ausrufezeichen" ab. Der Großteil der 3155 Zuschauer war noch in der Halle und grölte beim Karnevalshit mit.

Überglücklich war der 24-jährige Petrasek, der aufgrund einer Rückenverletzung erst seit kurzem wieder einsetzbar ist. "Ich war heiß auf das Spiel. Ich bin dankbar dafür, dass alle so lange Geduld mit mir hatten. Unser Ziel war es nach dem gewonnenen Ludwigsburg-Spiel, einen weiteren Heimsieg zu holen. Das haben wir getan", konstatierte der Matchwinner. Er avancierte mit 25 Punkten zum Topscorer, bei einer 75-prozentigen Dreierquote (5 von 7), holte sich sechs Rebounds, verteilte drei Assists und kam auf starke 31 Zähler in der Effektivitätswertung. Natürlich war das Bestleistung für ihn in der BBL:

Komplimente verteilte ein sichtlich zufriedener Gießener Trainer Ingo Freyer: "Luke Petrasek hat gut gespielt, aber auch Stephen Brown hat ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht. Wir wissen, dass wir da Qualitäten haben, nicht so leicht auszurechnen sind und jeder da mal in die Bresche springen kann." Der 48-Jährige hob aber auch die gute Leistung aller anderen heraus. Und für seinen Kapitän hatte er ebenfalls lobenswerte Worte parat: "Auch John Bryant hat ein gutes Spiel gemacht, vor allem in einer Phase, als er uns offensiv getragen hat."

Das 100:93 war ein ganz wichtiger Erfolg für die Gießen 46ers, die somit den Abstand zum Tabellenkeller vergrößerten, den Anschluss zum Mittelfeld herstellten und natürlich das Hinspiel-99:115 vergessen machten.

Die Freyer-Truppe agierte von Beginn an mit hoher Intensität im Angriff und in der Abwehr, einer enormen Konzentration (nur fünf Ballverluste), einer variablen Spielweise (27 Assists) und einem großen Kämpferherz. Das einzige Manko war der Defensivrebound, der im Spiel auf Augenhöhe für die Lahnstädter fast zum Verhängnis geworden wäre. Die Bayreuther, die nach zwei Siegen hintereinander in der BBL und dem Einzug ins Europe-Cup-Viertelfinale mit breiter Brust nach Gießen kamen, holten sich 19 Abpraller am gegnerischen Brett und hatten somit viele zweite Wurfchancen. Vor allem Center Andreas Seiferth stand beim Offensivrebound oft goldrichtig.

Überhaupt zeigte der deutsche Nationalcenter seine vielfältigen Fähigkeiten. Er scorte von weit draußen, nah am Brett und schlüpfte zudem häufig in die Rolle des Spielmachers: Immerhin gelangen dem 2,09-m-Hünen fünf Vorlagen - genauso viel wie seinem Teamkollegen auf der Spielmacherposition, James Robinson.

Doch ausgerechnet Seiferth stand in der Crunch-Time im Mittelpunkt. Bei Führung Gießen 96:93 durch Petrasek - wer sonst! - nahm Gästecoach Raoul Korner 61 Sekunden vor dem Ende Auszeit - er wollte der Partie die entscheidende Wende geben. Das gelang ihm aber nicht. Freyer hatte den Plan seines Gegenübers durchschaut und selbst den entscheidenden Tipp an seine Mannschaft gegeben: Sie sollte besonders auf den Pass auf Seiferth achten.

Der hellwache Brown antizipierte im richtigen Moment. Als die Bayreuther ihren Big Man unter dem Korb suchten, sprang der Guard dazwischen und klaute den Ball. Da anschließend Petrasek einen verlegten Korbleger von Teyvon Myers per Tip-In vollendete, war bei Restspielzeit 25,3 Sekunden und der 98:93-Führung der 46ers das Spiel entschieden. War es beim Coup gegen Ludwigsburg der angeordnete Forward-Terror von Freyer, warf der Coach diesmal vermehrt seine Guards Brown, Myers und Kraushaar zusammen in die Waagschale. Und wieder ging der Schachzug auf. "Im Endeffekt zählt, dass wir gewonnen haben. Jetzt konzentrieren wir uns auf das nächste Spiel in München", blickte Freyer bereits auf die kommende Aufgabe. Mal sehen, was ihm beim deutschen Meister an gewieften Taktiken einfällt?

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