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Gießen 46ers

Gießen 46ers fahren ohne Druck zu den Bayern

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Die Stimmung ist gelöst bei den Gießen 46ers. Nach zwei Siegen in der Basketball-Bundesliga in Folge fahren die Mittelhessen ohne Druck, aber mit Selbstvertrauen zum FC Bayern.

Rückblende: Letzten Sonntag, Schlussminute im Spiel gegen Bayreuth: Stephen Brown hatte in der Verteidigung einen Steal erbeutet. Vorne zog Teyvon Myers zum Korb - und verlegte. Der überragende Luke Petrasek stieg empor und tippte den Ball zum vorentscheidenden 98:93 durch die Reuse. Unter "Luke, Luke!"-Rufen der Fans trat der Forward kurz darauf an die Freiwurflinie und hielt sich schadlos. Es waren seine Zähler 24 und 25. Kurze Zeit später durfte der US-Amerikaner die "Humba" mit den Fans anstimmen. Es war der zweite Sieg in Folge für die 46ers, die nun am Sonntag dem FC Bayern (15 Uhr/MagentaSport) mit Rückenwind begegnen.

Die Lage: Der siegreiche Doppelpack bringt Ruhe in Verein und Umfeld. Vier Siege Vorsprung haben die 46ers nun auf den einzigen Abstiegsplatz, den der Mitteldeutsche BC belegt. Umgekehrt sind es ebenso viele Siege Abstand auf den hintersten Playoffrang. Viel entspannter kann man kaum zum "Branchenprimus" reisen, wie Coach Ingo Freyer das Aufeinandertreffen mit dem FC Bayern beschreibt. Auf dem Papier treten die 46ers als krasser Außenseiter beim amtierenden Meister an. Alle 14 bislang ausgetragenen Spiele gingen in stiller Regelmäßigkeit deutlich an die Münchener. Druckbefreit und voller Selbstvertrauen sind die Mittelhessen zwar. Dennoch müssten die Bayern, die gestern Abend noch in der Euroleague gegen de Valencia BC ran mussten (siehe Seite 15), einen schwachen Tag erwischen, wenn etwas gehen soll. Immerhin: Die Doppelpaarung - am Samstag spielen Rackelos und FC Bayern II in der ProB gegeneinander - sorgt dafür, dass sich viele Auswärtsfans auf die Reise jenseits des Weißwurstäquators begeben.

Die Stimmung: Brandon Thomas und John Bryant führten die Riege der Gießener an, als diese einmal entgegen dem Uhrzeigersinn an der Osthallen-Bande entlangschritt und mit den Fans abklatschte. Auf dem Parkett übernehmen derzeit andere Spieler die Führungsrolle: Etwa der erwähnte Petrasek, der nach seiner langwierigen Wirbelsäulenerkrankung zum echten Faktor und Gamechanger der Mittelhessen mutiert. Seine fünf Dreier gegen Bayreuth feierte der Mann, der auch während seiner Rekonvaleszenz-Phase das Lachen nie verlernt hatte, mit Luftgitarreneinlagen. "Er hatte heute seinen großen Tag", musste auch Bayreuths Center Andreas Seifert bekennen.

Der Gegner: Während die Bayern in der Liga von Sieg zu Sieg eilen, verläuft ihre EuroLeague-Saison schleppend. Anfang des Jahres übernahm Oliver Kostic an der Seitenauslinie. Auch im Pokal scheiterte der Verein früh - und das ausgerechnet auf heimischen Parkett gegen jenes Bonner Team, das in der BBL derzeit gegen den Abstieg kämpft. Die einzige Niederlage gegen einen anderen Bundesligisten musste der FCB vor drei Wochen gegen Ludwigsburg verkraften. Nur sechs Tage später unterlagen die Riesen dann den Gießen 46ers: dem "Bayern-Bezwinger-Bezwinger".

Schlüsselspieler:Bei den Münchnern nach dem Schlüsselspieler zu fragen, ist müßig - es sind zu viele. "Sie sind so aufgestellt, dass sie EuroLeague und BBL unter einen Hut kriegen. Man weiß nie, auf wen man sich vorbereiten muss", erklärt Freyer. Im Hinspiel verzichtete der damalige Coach Dejan Radonjic auf einen Einsatz von Ex-NBA-Center Greg Monroe und Vladimir Lucic: zwei Stützen des prominent besetzten Teams.

Personelles: Youngster Tim Köpple zog sich im ProB-Spiel der Rackelos am Samstag einen Cut zu. Diagnose: Gehirnerschütterung. Ansonsten kann Freyer personell aus dem Vollen schöpfen. Ob erneut Kendall Gray in den Kader rücken wird, ist unklar. Nach der Rückkehr von Petrasek haben die 46ers sieben US-Amerikaner im Team. Eingesetzt werden dürfen nur sechs. "Der Konkurrenzkampf tut der Mannschaft gut", führt Freyer aus. Zuletzt erwischte es Forward Jordan Barnett.

Das sagt Freyer:Es ist ein ganz besonderes Spiel, in welchem wir uns beweisen und zeigen wollen, ob wir mit ihnen mithalten können. Das macht es so schön. Ob sie den besten BBL-Kader aller Zeiten haben, weiß ich nicht, da muss man die Ergebnisse abwarten, die sie liefern. Aber sie verfügen natürlich über eine Vielzahl hochkarätiger Spieler.

FOTO: DPA

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