Gießens Kapitän John Bryant (am Ball) wird von Crailsheims Jeremy Morgan (l.) und Dejan Kovacevic bedrängt. Trotz 14 Punkten wirkt der Center bei der deutlichen Niederlage wie ein Fremdkörper. (Foto: Friedrich)

Basketball-Bundesliga

Gießen 46ers: Debakel zum Auftakt gegen Crailsheim

  • vonSebastian Kilsbach
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Das tut richtig weh. Mit 92:108 haben die Gießen 46ers zum Start der neuen Saison in der Basketball-Bundesliga gegen die Merlins Crailsheim verloren. Erschreckend war einmal mehr die Defensiv-Leistung.

Mit 92:108 (47:49) haben die Gießen 46ers am gestrigen Abend beim Saisonauftakt der Basketball-Bundesliga gegen die Merlins Crailsheim verloren. Vor allem die Defensivleistung sorgte für Stirnrunzeln.

Mit Alexander Abreu und Duke Shelton hatten sich die 46ers kurz vor dem Saisonstart von zwei Spielern verabschiedet. In die Starting Five rückte am Abend neben Kenadll Gray, der für die großen Positionen nachverpflichtet wurde, Point Guard Teyvon Myers. Mit Bjarne Kraushaar und dem von der zweiten Mannschaft ausgeliehenen Wyatt Lohaus bekamen aber alle bei Gießen noch auf der »1« zur Verfügung stehenden Akteure früh Einsatzzeit. Nicht auf dem Feld stand zunächst John Bryant, der erst spät im ersten Viertel eingewechselt wurde.

Ein Ruhepol fehlte den Gießenern anfangs schmerzlich. »Wir kamen schlecht in die Systeme rein, haben nicht gut ins Spiel gefunden«, sollte Headcoach Ingo Freyer nach Spielende sagen. Erst nach vier Minuten markierte Brandon Thomas den ersten Feldkorb per Dreier (5:10). Kraushaar bediente Jordan Barnett nach einem Zuckeranspiel wenig später zum 12:12. Einiger Rebounds und einem sehenswerten Block zum Trotz wirkte der eingewechselte Kapitän jedoch wie ein Fremdkörper. Während Crailsheims Sebastian Herrera zum Korb spazierte und das 18:14 erzielte, konnte Kraushaar mit einem Buzzerbeater zum Viertelende Schadensbegrenzung betreiben (18:25).

Auch die ersten Minuten des zweiten Durchgangs gehörten den Gästen. Das Highlight eines furiosen Zwischenspurts produzierten Aaron Jones und DeWayne Russsell: Aus dem Gleichgewicht geraten ließ Jones den Ball beim Fastbreak gegen das Brett prallen. Der mitgelaufene Russell verwandelte die Vorlage mit einem einhändigen Dunk (24:36, 14.), wie man ihn auch in der NBA nicht jeden Tag sieht.

Danach verriegelten die 46ers ihren Korb aber und profitierten davon, dass Crailsheim aus dem Dreierbereich zum Backsteinproduzenten avancierte. Vor allem Myers agierte befreiter, scorte seinerseits zweimal von jenseits des Perimeters und zwang Gästecoach Tuomas Iisalo zur Auszeit (38:38, 18.). Nach einem Einwurf 1,7 Sekunden vor der Halbzeit verwandelte der US-Amerikaner aus acht Metern schließlich zum 47:49.

Die Pause kam für die 46ers aber zur schlechten Zeit. Crailsheim legte einen 4:13-Run aufs Parkett. Zunächst konnten sich die Mittelhessen glücklich schätzen, dass die Zauberer aus der Dreipunktedistanz weiterhin reihenweise daneben trafen. Erst Dejan Kovacevic brach den Bann und verwandelte aus der Distanz zum 53:69 (25.) aus Gießener Sicht. Offensiv brachten die Hausherren auch nach Auszeiten von Coach Freyer nur Stückwerk zusammen.

Schlimm wog da, dass auch die Defensive in alte Muster zurückfiel: Nachdem Quincy Ford zweimal mutterseelenallein aus dem Dreipunkteland versenken durfte, hagelte es die ersten Pfiffe von der Tribüne. Reihenweise zugelassene Offensivrebounds ließen den Unmut dabei nicht schrumpfen. Ins Schlussviertel ging Gießen mit einem 65:84-Rückstand.

Immerhin hängen ließen sich die 46ers nicht. Ein Dreier von Brandon Thomas hauchte Team und Osthalle kurzfristig neues Leben ein. Als es auch John Bryant von Außen klingeln ließ (73:84, 32.), schien ein Turnaround möglich. Spätestens als Luke Petrasek nach mehreren guten Aktionen mit dem fünften Foul auf die Bank wandern musste, war der Widerstand aber gebrochen. Crailsheim spielte den ruhigeren, überlegten Basketball und zog auf den letzten Metern unaufhaltsam davon. Als Jeremy Morgen völlig verwaist von Außen einlötete und so stilecht das 102:88 aus Crailsheimer Sicht markierte, verließen die ersten Zuschauer die Halle.

»Wir haben schwach gespielt«, äußerte sich Freyer nach dem Spiel selbstkritisch. »108 Punkte sind viel zu viel, da müssen wir ansetzen«, so der Cheftrainer weiter, der bei diesem Unterfangen auf die Dienste des noch zu verpflichtenden Point-Guards hofft. Der soll heute am Frankfurter Flughafen in Empfang genommen werden und auch im Pokal-Achtelfinale am Sonntag gegen Bamberg (18 Uhr/Osthalle) zum Einsatz kommen.

Gießen: Kraushaar (7), Myers (18), Pjanic, Petrasek (13), Gray (6), Barnett (15), Lohaus (4), Thomas (15), Bryant (14). Crailsheim: Russell (18), Carpenter (1), Span (11), Herrera (11), Bleck (7), Ford (15),

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