Gießen 46ers

Gießen 46ers: Coach Ingo Freyer sieht noch immer Playoff-Chancen

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Nach zuletzt fünf Niederlagen in Folge haben die Gießen 46ers nur noch geringe Chancen auf die BBL-Playoffs. Trainer Ingo Freyer hat das ambitionierte Ziel längst noch nicht aus den Augen verloren.

Die Playoff-Teilnahme ist das Ziel, das die Bundesliga-Basketballer der 46ers vor der Saison ausgegeben hatten und das nach den starken Vorjahren, in denen man den dafür nötigen achten Platz nur knapp verpasste, durchaus realistisch klang. Immerhin konnte mit John Bryant der vielleicht beste Gießener Spieler seit Chuck Eidson davon überzeugt werden, seinen Vertrag zu verlängern. Mit Jared Jordan, David Bell und Brandon Thomas verfügt der Center nominell über genug Feuerkraft an seiner Seite, um die erste Playoff-Teilnahme seit 2005 zu realisieren. Nach tollem Saisonstart kam aber Sand ins Getriebe. Eine Spurensuche.

Wie ist der Status quo bei den Mittelhessen?

Acht Partien warten noch auf die Gießen 46ers, die mit 22 Punkten auf dem zwölften Platz und damit zwei Siege hinter dem Tabellenachten aus Würzburg stehen. Siege über den Mitteldeutschen BC und die Crailsheim Merlins hätten gereicht, um im Playoffkampf weiter kräftig mitzumischen. "Beide Partien hätten auch anders ausgehen können. Gerade die zwei letzten Niederlagen schmerzen sehr", erklärt Headcoach Ingo Freyer, der sein Team nach wie vor aber voll im Soll sieht. "Wir erscheinen jetzt etwas abgeschlagen, haben aber noch alle Möglichkeiten", blickt der Coach auf die nun anstehenden Aufgaben. Mit Braunschweig wartet ein direkter Konkurrent – und somit vielleicht die letzte Chance, um die Hoffnungen auf die Meisterrunde zu wahren.

Was sind die Gründe für die Niederlagenserie?

"Hätten wir in den letzten beiden Partien zwei Körbe mehr gemacht, würden wir dieses Gespräch womöglich nicht führen", verweist Freyer auf die knappen Ausgänge. Schon vor der gegenwärtigen Malaise hatten sich die Mittelhessen auf hauchdünne Endergebnisse verstanden. Mit 92:91 und 91:90 behielt man gegen Ulm und Frankfurt die Oberhand. Gegen Vechta, den derzeitigen Tabellendritten, fehlte beim 83:84 das letzte Quäntchen Glück – ähnlich wie gegen Weißenfels und Crailsheim. Sind waschechte Krimis somit charakteristisch für das diesjährige 46ers-Team, kam gegen die Merlins am Samstag eine verkorkste Endphase hinzu. Beim Stand von 108:98 hundert Sekunden vor dem Ende sahen die Hessen wie der sichere Sieger aus. Auch die Defensive hatte sich im Schlussviertel eingependelt. Ein 17-Punkte-Lauf Crailsheims auf der Zielgeraden, der in einem zirkusreifen Buzzerbeater von Frank Turner gipfelte, machte den 46ers einen Strich durch die Rechnung.

Gerade die zwei letzten Niederlagen schmerzen sehr

Ingo Freyer

Wie ist die Stimmung im Team der Gießen 46ers?

"Die Stimmung ist immer besser, wenn man gewinnt", erklärt Freyer, der die Niederlage mit seiner Mannschaft genau analysiert hat. "So verfahren wir auch nach Siegen, wenn es meine Aufgabe ist, das Team auf dem Boden zu halten", sagt der Trainer weiter, dem es um ein gesundes Mittelmaß geht. Die Standards der Liga werden immer höher, weshalb es mittelfristig gilt, die 46ers weiter in der BBL zu etablieren. "Wir freuen uns, wenn die Öffentlichkeit über das Team spricht und mit einer gewissen Erwartungshaltung an uns herangeht", so Freyer weiter über die geringer werdenden Playoffchancen. Wichtiger sei aber ein Weitblick über die Saison und konkrete Ergebnisse hinaus.

Wie ist die Stimmung unter den Fans in der Osthalle?

"Bei dieser Defensivleistung hätte man mich auch aufstellen können." – "Immerhin steht die Zonenverteidigung perfekt." Am Samstag konnte man in der Osthalle kaum einen Schritt gehen, ohne derlei spöttische Kommentare der Fans über die Leistung ihres Teams aufzuschnappen. Zwar wissen die basketballaffinen Anhänger der 46ers, dass sich die defensive Stärke einer Basketballmannschaft nicht allein an den zugelassenen Punkten bemisst und Freyers Spielanlage mit dazu beiträgt, dass Partien eher mit 90:85 als mit 70:65 ausgehen. Der Coach präferiert eine rasanten Spielstil mit vielen Abschlüssen, der automatisch dazu führt, dass auch der Gegner mehr Würfe generiert. 65 Punkte zur Halbzeit gegen einen Abstiegskandidaten und 229 Zähler insgesamt – die viertkorbreichste Partie seit 1998 in der BBL – ließen den Geduldsfaden bei vielen aber reißen. "Wir haben es mit einem sehr emotionalen Umfeld zu tun, den Leuten steht diese Meinung absolut zu", gibt Geschäftsführer Heiko Schelberg eine realistische Einschätzung, bittet gleichzeitig aber um Demut: "Wir müssen rational und realistisch bleiben. Die Liga ist sehr stark." Tatsächlich hätten sich die Fans vor zehn Jahren wohl die Finger nach einer Saison im sicheren Tabellenmittelfeld geleckt.

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