Handball-WM

Der Faszination kaum entziehen

  • vonRedaktion
    schließen

Schafft es das deutsche Handball-Nationalteam bei der WM heute Abend in Hamburg gegen Norwegen ins Finale? Wir haben uns bei Akteuren anderer Sportarten umgehört:

Die Handball-Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark elektrisiert die Massen. Die Hallen sind – auch bei Spielen ohne deutsche Beteiligung – voll, die Stimmung ist prächtig, die Top-Teams des Planeten und ihre Superstars fühlen sich sichtlich wohl. Kurzum: Nach dem Wintermärchen 2007 wird zumindest in organisatorischer Hinsicht schon jetzt der nächste Erfolg des Deutschen Handball-Bundes gefeiert. Ob es auch für den Titel reicht, klärt sich allerdings erst im Finale am Sonntag, wenn denn das Halbfinale gegen Norwegen am heutigen Freitagabend (20.30 Uhr) gewonnen wird. Fest steht aber bereits jetzt: Auch abseits der Handballszene wird kräftig mitgefiebert – auch in Gießen und Umgebung, wie unsere Umfrage unter Nicht-Handballern zeigt.

Alen Pjanic (Gießen 46ers, Gießen 46ers Rackelos, 21 Jahre): "Bisher habe ich noch nicht so viele Spiele der deutschen Handball-Nationalmannschaft sehen können, da wir fast immer zeitgleich Training hatten. Den Hype um die Mannschaft habe ich aber realisiert – und die Begeisterung finde ich gut. Meine Familie hat dagegen alle Spiele verfolgt. Es ist toll, dass das deutsche Team das Halbfinale erreicht hat. In unserem Basketball-Team ist Handball kein Thema, in meinem Freundeskreis schon. Immerhin habe ich mal selbst beim TSV Klein-Linden als Zwölfjähriger eine kurze Zeit gespielt. Ich drücke auf jeden Fall die Daumen, dass der Einzug ins Finale klappt."

Noah Jung (Delta Bike, 18 Jahre): Der Mountainbiker verfolgt die deutschen Spiele "mit großem Interesse" und "hofft, dass die Handballer das Endspiel erreichen und auch im Endspiel in Herning überzeugen können." Der Mechatroniker-Azubi bei Schunk führt weiter aus: "Als Einzelsportler finde ich es immer wieder faszinierend, auf welchem Niveau die Handballer zusammen spielen, harmonieren und taktieren und funktionieren, obwohl sie nicht über die ganze Saison zusammen spielen, sondern in ihren Vereinen ihrem Job nachgehen. Beim Handball fasziniert mich u. a. auch die überragende Fankulisse. Für mich als Sportler ist es auch während des Wettkampfes enorm wichtig, vom Publikum oder den Betreuern angefeuert zu werden, dies setzt Energie und Motivation frei und steigert oftmals damit die eigene Leistungsfähigkeit. Ich bin froh, dass ich auch in meinem Individualsport Mountainbiken schon diese schöne Erfahrung und den Leistungsschub erleben durfte. Während die deutschen Handballer ihren Saisonhöhepunkt mit der WM im eigenen Land haben, bin ich noch in der Vorbereitung für die kommende Saison. Die packenden Spiele und der Teamgeist unserer Handballer motivieren mich auch in der kalten Jahreszeit, mein Trainingspensum zu bewältigen, um in der kommenden Saison in der für mich neuen Altersklasse U 23 national erfolgreich sein zu können."

Tim Pfeiffer (Turnteam Linden, 22 Jahre alt): Ich schaue die Spiele der Handball-Nationalmannschaft mit Freunden oder der Familie und bin begeistert. Handball ist einfach eine super schnelle, athletische und spannende Sportart, die die Leute gerade bei solchen großen Turnieren mitreißt. Im Laufe einer WM, gerade wenn sie zuhause stattfindet, entwickelt sich dann ein Identifikationsfaktor mit der Mannschaft. Das habe ich vor allem während der Hauptrunde in der Kölner Innenstadt (Tim Pfeiffer studiert an der Sporthochschule Köln, Anm. d. Red.) gemerkt. Natürlich ist auch die mediale Präsenz und Aufmerksamkeit während so eines Turnieres viel größer – die Bundesliga verfolge ich zum Beispiel auch nur ganz beiläufig. Wir hatten mit dem Turnteam Linden mal eine Show-Einlage in der Halbzeitpause der HSG Wetzlar – von daher schaut man da schon immer mal drauf. Dem deutschen Team drücke ich für das Halbfinale fest die Daumen!"

Dietmar Schäfer (Ex-Fußballer VfB 1900 Gießen, FSV Steinbach): "Ich verfolge mit großem Interesse die WM. Es hat mich aber schon überrascht, wie stark Deutschland ist, das hätte ich der Mannschaft nicht zugetraut. Auch mit Rückblick auf die Trainerdiskussion der Vergangenheit. Aber der Heimvorteil macht offensichtlich doch viel aus. Was mir besonders gefällt, ist der Innenblock, auch die Torhüter Andreas Wolff und Silvio Heinevetter sind stark. Gegen Norwegen denke ich schon, dass wir gewinnen werden – und dann spielen wir im Finale gegen Dänemark. Aber es wird sehr, sehr eng. Die Mannschaften im Halbfinale sind auf einem Niveau. Was man aber auch gesehen hat ist, dass Handball dennoch ein bisschen eine Randsportart ist. Die Gastgeber-Nationen haben im Schnitt zwei Tage frei nach Spielen gehabt, andere nicht. Das halte ich für ein Unding, das hat mit Fair-Play nichts zu tun."

Stefan Eder (Trainer des Volleyball-Oberligisten USC Gießen): "Ich schaue die Handball-WM, wann immer es möglich ist und wenn die Spiele sich nicht mit meinem Sport überschneiden. Ich war früher selbst Handballer, irgendwann ging das aber nicht mehr, als ich höherklassig Volleyball gespielt habe. Bei den Spielen fiebere ich richtig mit. Ich glaube schon, dass die deutsche Mannschaft das Halbfinale gewinnen kann, fürchte aber, dass sie dann im Endspiel ein bisschen kalte Füße bekommen könnte. Leistungsmäßig traue ich ihr aber auf jeden Fall den Titel zu. Im finde es klasse, dass die Spiele im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt werden. Dadurch ist auch der Hype in Deutschland entstanden, der bestimmt nicht gleich nach der WM vorbei sein wird, sondern ein bisschen länger anhält."

Christina Bischoff-Moos/Lukas Moos (TSG Blau-Gold Gießen): Bei all der Euphorie in Deutschland darf man nicht vergessen, dass es auch Menschen gibt, die dem Handball so gar nichts abgewinnen können. Dazu gehören zum Beispiel Christina Bischoff-Moos und Lukas Moos, Rock’n’-Roll-Tänzer und -Trainer bei der TSG Blau-Gold Gießen. "Wir waren noch nie bei einem Spiel, bei dem es um Ballsport geht", betonen die ehemaligen deutschen Meister unisono. Das Ehepaar hat sich Ende 2018 vom Leistungssport verabschiedet und konzentriert sich ab sofort ausschließlich auf seine Tätigkeit als Trainer. "Durch Zufall bekommen wir derzeit schon mal ein WM-Ergebnis im Radio oder im Fernsehen mit", erklärt Christina Bischoff-Moos. "Speziell nach Ergebnissen recherchiere ich aber nicht." (Fotos: Kucera, hf, wu, Archiv)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare