Gießen 46ers

In Berlin teuer verkauft

  • vonMartin Vogel
    schließen

Eine schmerzhafte Niederlage für die Gießen 46ers: Bei ALBA Berlin verloren die Bundesliga-Basketballer nach couragierter Leistung mit 84:85 – einmal mehr eine knappe Niederlage gegen ein Top-Team der BBL, in der sich die Gießener teuer verkaufen konnten, aber eben nicht gewannen.

Denis Wucherer ließ den Kopf hängen und starrte auf den grauen Beton der Berliner Aren a am Ostbahnhof, und wer den Coach der Gießen 46ers nach Spielende so sah, der wusste, an was er dachte: An den 1. Mai 2016. Damals endete die Saison der Gießener nach einer Overtime-Niederlage an der Spree, und fast genauso bitter war es am Sonntagnachmittag. "Letztes Mal sind Tränen in der Kabine geflossen – dieses Mal nicht", konnte der Cheftrainer der 46ers gut eine halbe Stunde später nach der Pressekonferenz zumindest schon wieder schmunzeln. Doch weh tat die Niederlage in der Hauptstadt auch dieses Mal.

Denn Joshiko Saibou und Co. hatten sich teuer verkauft, zumindest einen Großteil des Spiels über. Nach der Anfangsphase und einer 7:2-Führung nach wenigen Minuten hatten die Berliner einen 16:2-Run hingelegt und nach dem ersten Viertel eine komfortable 22:13-Führung ihr Eigen genannt. Fast schon hätte sie noch höher ausfallen müssen, denn in den ersten zehn Minuten machten die 46ers insgesamt zu viele Fehler, um mit den zuvor neun Mal in Serie erfolgreichen "Albatrossen" mithalten zu können.

Nach der Viertelpause war davon allerdings nichts mehr zu spüren: Als hätte Wucherer ihnen gesagt, dass sie doch das Talent haben, um mit den Hausherren in der riesigen Arena mithalten zu können, zeigten die Gießener plötzlich, was in ihnen steckt: Die Defense wurde engagierter, die Pässe fanden präziser ihren Abnehmer, um jeden Rebound wurde gekämpft. Der Lohn für die harte Arbeit: Zur Pause lagen die Gäste von der Lahn nur noch mit 39:43 im Hintertreffen, und das trotz eines 9:20-Defizits im Rebound.

Nach dem Seitenwechsel ging es auf Augenhöhe weiter: Der starke Dwayne Evans schloss einen Fastbreak per krachendem Dunking ab, Cameron Wells fand Joshiko Saibou für einen Dreier und Skyler Bowlin kurz darauf wiederum Evans für den Dunk – plötzlich lag Gießen mit 48:47 (24.) in Führung! Es ging nun hin und her, immer wieder wechselte die Mannschaft, die vorne lag. Doch ultimativ waren es die Berliner, die sich an der Führung festhalten konnten: Mit 66:62 für die Gastgeber ging es in den Schlussabschnitt, und die vier Punkte blieben eine Art Mindestabstand, unter den die 46ers nicht mehr kamen. Doch kurz vor Beginn der Schlussminute war es Kapitän Wells, der per Freiwurf den 78:81-Anschluss herstellte – und nur wenige Sekunden später sogar auf 80:81 verkürzen konnte.

37 Sekunden waren nun noch auf der Uhr – und blieben dort auch erstmal, als Skyler Bowlin mit einem Foul gegen Engin Atsür die Zeit stoppte. Der Guard wäre besser beraten gewesen, es in diesem Moment mit Verteidigung zu versuchen, anstatt die Uhr anzuhalten. Atsür erhöhte von der Linie wieder auf drei Punkte Vorsprung für Berlin, was die Partie aber noch nicht entschied: Berlins Niels Giffey traf einen weiteren Freiwurf, und nach zwei Wells-Punkten von der Linie hätte Ismet Akpinar den Sieg für Alba sieben Sekunden vor dem Ende endgültig eintüten können. Aber nur einer seiner Freiwürfe traf den Korb, und so konnte 46ers-Neuzugang Bazoumana Koné auf 84:85 verkürzen. 2,6 Sekunden verblieben, und die Gießener schickten Berlins Kapitän Dragan Milosavljevic an die Linie: Der Serbe vergab beide Chancen, und Justin Sears sicherte sich den Ball – doch sein Wurf von der eigenen Grundlinie schaffte es nicht in den Berliner Korb. Jubel bei den Hauptstädtern, gesenkte Köpfe auf Gießener Seite.

"Täglich grüßt das Murmeltier", kommentierte Wucherer eine weitere Niederlage gegen ein Topteam zunächst launig. "Die Situation könnte ärgerlicher sein, aber wir haben schon neun Spiele gewonnen. Es gab Phasen, in denen das Spiel offensiv stockte, was aber normal ist: Wir haben mit Bazou Koné einen neuen Spieler, Andi Obst hat das erste Mal wieder gespielt nach seiner Verletzung, Justin Sears seit längerem Mal wieder unter Wettkampfbelastung – da ist normal, dass es nicht immer so rund läuft. Wir haben Wege gefunden, uns da reinzukämpfen. Und dass wir am Ende die Chance hatten, das Spiel noch zu gewinnen, spricht ja auch dafür, dass wir einiges richtig gemacht haben." Dennoch dürfte es auch dem Trainer lieber sein, wenn sich seine Mannschaft bald nicht nur teuer verkauft, sondern dafür auch Punkte mit nach Hause an die Lahn nehmen kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare