Gießen 46ers

Benjamin Lischka von den Gießen 46ers: »Refs haben ein Auge auf mich«

  • Wolfgang Gärtner
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Benjamin Lischka ist bekannt dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Im Interview erklärt der verletzte Powerforward der Gießen 46ers, was ihn alles beschäftigt.

Benjamin Lischka hat seine Akkus aufgeladen. Der Powerforward der Gießen 46ers entspannte in der Länderspielpause mit seiner Ehefrau Beke ein paar Tage in Tirol. Am Montag knickte er aber im Training um: Gegen Bamberg muss er heute pausieren (Sprungball: 20.30 Uhr in der Osthalle). Im Interview spricht er über seine Zukunft als Profi, über die Schiedsrichter in der BBL, über die Nationalmannschaft und über die Playoffs.

Wenn Benjamin Lischka in den Heim spielen bei der Teamvorstellung in die Osthalle einläuft, entbrennt ein tosender Applaus. Die Fans mögen den 29-Jährigen. Der gebürtige Gießener ist der Lokalmatador und gibt immer 100 Prozent. Seine physische Art Basketball zu spielen, behagt nicht jedermann. Der 2,04-m-Mann zieht auf dem Feld die Aufmerksamkeit auf sich – besonders die der Schiedsrichter, die meist ein besonderes Auge auf ihn haben. Am heutigen Samstag ist er aber zum Zuschauen verdammt: Lischka knickte am Anfang der Woche im Training mit dem linken Fuß um. Nächste Woche will er in Bayreuth wieder dabei sein. Bei seiner Frau Beke ist er in den besten Händen: Sie ist auch Physiotherapeutin.

In den letzten Partien kam es vor, dass Ihnen unsportliche Fouls angehängt wurden, die mehr als grenzwertig waren. Wie gehen Sie damit um?

Benjamin Lischka: Ich reflektiere das schon, schaue mir die Szenen auch noch einmal an und denke, da sind schon Pfiffe dabei, die nicht unbedingt sein müssen. Ich bin jemand, der Emotionen schürt und körperlich spielt. Viele Leute mögen das nicht. Es scheint so, als hätte ich einen Ruf in der Liga. Viele Refs haben ein Auge auf mich. Ich habe zum Beispiel letztens eine Szene im Fernsehen gesehen, in der Bastian Doreth (Bayreuth, Anm. d. Red.) im Spiel gegen Vechta jemandem absichtlich das Bein stellt. Das hat keiner gesehen und auch nicht bestraft. Das war kein unsportliches, sondern ein disqualifizierendes Foul – was eine Sperre nach sich zieht. Aber da guckt keiner drauf. Ich werde dagegen immer mit Argusaugen beobachtet. Ich habe halt diesen Status bei den Schiedsrichtern weg.

Wie haben Sie die trainingsfreie Zeit verbracht?

Lischka: Ich war mit meiner Frau vier Tage im österreichischen Maurach am Achensee. Wellness, Kopf frei bekommen, entspannen. Beke ist Ski gefahren, ich Schlitten.

Seit wann läuft der Trainingsbetrieb wieder normal?

Lischka: Seit letzten Freitag. Da haben wir gleich zwei Einheiten absolviert. Am Sonntag hatten wir frei. Und seit Montag läuft die Vorbereitung auf das Spiel am Samstag gegen Bamberg.

Bamberg ist ein schwerer Brocken. Die Franken kommen immer besser in Schwung. Wie sind sie zu schlagen?

Lischka: Die Bamberger haben nicht mehr die Strahlkraft, die sie vor zwei, drei Jahren hatten. Wir haben uns im Hinspiel gut verkauft, erst nach Overtime verloren. Wenn wir zu Hause gut spielen, können wir sie schlagen. Wir können zu Hause jeden schlagen, aber auch gegen jeden verlieren – das hat die Saison leider auch bisher gezeigt. Wir sind gegen Bamberg guter Dinge. Und wir wollen natürlich, dass die Punkte in Gießen bleiben.

Sie haben noch bis zum Ende der Saison Vertrag bei den Gießen 46ers. Gab es schon Signale einer Weiterverpflichtung. In den Jahren zuvor wurde sie immer als ein Highlight des Neujahrsempfangs bekanntgegeben?

Lischka (lacht): Es gab noch keine Signale. Ich bin definitiv interessiert, hier zu bleiben. Es gab aber auch schon im letzten Jahr Angebote anderer Clubs – und es gibt auch in diesem Jahr Interesse anderer Vereine an meiner Person. Ich denke hier und da schon mal an das Geld, aber für mich ist das Wichtigste die Familie. Ich habe geheiratet, und wir fühlen uns hier sehr wohl. Wenn nichts Großartiges passiert und Gießen mich noch will, dann dürfte eigentlich der Vertragsverlängerung nichts im Wege stehen. Das Finanzielle muss aber auch passen. Mein erster Ansprechpartner sind natürlich die Gießen 46ers. Und was danach passiert, steht in den Sternen.

Haben Sie sich in den letzten Tagen die WM-Quali-Spiele der deutschen Nationalmannschaft angeschaut?

Lischka: Ich habe am Sonntag mal kurz beim Spiel gegen Griechenland reingeschaut, aber das Spiel war so grottenschlecht, da habe mir dann doch lieber Fußball Dortmund gegen Leverkusen reingezogen.

Das kann ich nur bestätigen.

Lischka: Da werden Leute eingeladen, die schon lange dabei sind. Ob sie wirklich was in der Nationalmannschaft zu suchen haben, das weiß ich nicht. Ich glaube, ein TJ DiLeo gehört da hinein – oder auch sein Bonner Teamkollege Martin Breunig. Die waren nicht eingeladen.

Sie haben auch keine bekommen?

Lischka: Ich hätte vielleicht im ersten Länderspielfenster auch mal eine Chance erhalten können. Das war aber nicht der Fall. Man muss das Thema einfach abhaken.

Die Playoffs in der BBL aber nicht – oder?

Lischka: Ich bin einer, der eher konservativ an die Sache herangeht. Wir geben alles. Die Leute schielen darauf, dass wir in die Playoffs kommen. Es sind für uns jetzt wohl auch die Wochen der Wahrheit: gegen Bamberg, in Bayreuth, gegen Berlin. Wenn wir aus den drei Spielen zwei gewinnen können, was schwer genug ist, können wir vielleicht von den Playoffs reden. Es kann aber auch sein, dass wir da 0:3 rausgehen, dann ist in der Stadt Gießen große Krise angesagt. Es wäre natürlich cool, wenn ich mit meiner Heimatstadt in die Playoffs kommen würde – das war für mich immer ein großes Ziel. Aber wir müssen von Spiel zu Spiel denken – das ist die richtige Herangehensweise.

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