46ers treffen aus allen Lagen

  • vonSebastian Kilsbach
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Was für ein Auftritt: Mit rekordverdächtigen 20 Dreiern haben die Gießen 46ers das eminent wichtige Auswärtsspiel bei den Telekom Baskets Bonn mit 105:97 gewonnen und damit die Playoff-Plätze weiter in Sichtweite. Und so ganz nebenbei vermasselten sie dem neuen Baskets-Trainer Chris O’Shea das Heimdebüt.

In der Geschichte der Basketball-Bundesliga war es nur der FC Bayern, der mit 23 vor vier Jahren einmal mehr Dreipunktewürfe versenkte. Alleine Max Landis verwandelte acht seiner neun Versuche und wurde mit 30 Punkten Topscorer. Über das gesamte Spiel waren die Gießener von jenseits des Perimeters nicht zu stoppen, verstanden es andererseits aber auch geschickt, die Bonner in kritischen Phasen durch Stops aus dem Tritt zu bringen. Siebenmal wechselte die Führung in der ersten Hälfte, bevor die 46ers nach einem 53:48 zur Halbzeit den Vorsprung nicht mehr herschenkten. "Wir haben von unserer guten Trainingswoche profitiert", zeigte sich Headcoach Ingo Freyer nach dem Spiel glücklich. "Zu sehen, dass wir uns dann mit einem Sieg belohnen, gibt uns Mut und Kraft für das nun wartende schwere Spiel gegen Würzburg", sagte der Übungsleiter.

Nach einer offenen Anfangsphase wurde Landis für Jordan eingewechselt, der den Gästen auf beiden Seiten des Feldes mehr Feuer verlieh. Mit einem Dreier ins Gesicht von Josh Mayo eröffnete der Combo-Guard sein Privatfeuerwerk von Downtown – und brachte Gießen nach sechs Minuten mit 18:16 in Führung. Auch Siyani Chambers gab dem 46ers-Spiel in dieser Phase viel Energie und lief etwa einen Hochgeschwindigkeits-Fastbreak, den David Bell abschloss. "Wir haben früh einen guten Rhythmus etablieren können", sagte Chambers, der die homogene Teamleistung hervorhob.

Im Zusammenspiel der beiden Guards war es Chambers, der Landis per Kickoutpass an der Dreierlinie fand, von wo der 25-Jährige auf 33:23 stellte (12.). Auf der Gegenseite ließ Stefan Bircevic zwei offene Distanzschüsse liegen und unterstrich so den größten Unterschied zwischen Bonn und den Mittelhessen: 31 Prozent aus der Dreierdistanz aufseiten der Gastgeber standen bärenstarke 60 Prozent der 46ers gegenüber. Bonn steckte jedoch nicht auf und konnte durch Martin Breuning, der unter den Brettern John Bryant über weite Strecken des Spiels zu kontrollieren verstand, an der Freiwurflinie die Führung zurückerobern. Von dem im zweiten Viertel mit härteren Bandagen geführten Match profitieren die Bonner, zogen Fouls wie am Fließband und brachten Gießen so phasenweise aus dem Konzept. Erst als Landis und Chambers aufs Feld zurückkehrten, gewann das Spiel der Freyer-Truppe wieder an Dynamik, weshalb die Gießener mit einer Führung in die Kabine gingen.

Dreier von Landis, Larry Gordon und Brandon Thomas direkt ins Gesicht des Ex-Gießeners TJ DiLeo knüpften an die gezeigte Leistung vor dem Seitenwechsel nahtlos an. Als Landis auf 71:62 erhöhte, schien Bonn bereits in den Seilen zu hängen. Angeführt von einem in der Defensive wie für zwei ackernden Ex-Gießener Yorman Polas Bartolo kämpften sich die Baskets aber ins Spiel zurück. Der Deutsch-Kubaner verwandelte nach einem Offensivrebound zum 66:71. Durch zwei gute Kombinationen, die zunächst Bryant in Korbnähe und wenig später Gordon an der Dreierlinie zu Abschlüssen brachten, behielten die Mittelhessen allerdings die Oberhand.

Auch im Schlussviertel waren es Distanzwürfe von Thomas und Jordan, die ein Aufbäumen der Hausherren unterbanden. Als Thomas zur Viertelmitte Bonn erneut von jenseits des Perimeters einschenkte, schienen die Rheinländer endgültig zu resignieren. Nun waren es aber die Hausherren, die von der Dreierlinie heißliefen und durch Olivier Hanlan und Mayo zur Viertelmitte auf 88:95 verkürzten. Im Pick-&-Pop mit Thomas unterband Bryant dann aber den 10:0-Run der Bonner – natürlich ebenfalls aus der Dreipunktedistanz. Die Baskets warfen ermuntert von Mayo, der mit seinen fünf verwandelten Dreiern auch auf er anderen Seite des Feldes hätte stehen können, ein letztes Mal alles in die Waagschale und schienen 80 Sekunden vor dem Ende das Momentum beim 95:100 auf ihre Seite zu ziehen. Ein extrem schwerer Dreier von Gordon über James Webb schwebte dann jedoch zum vorentscheidenden 103:95 aus Gießener Sicht durchs Netz.

Bonn verzichtete darauf, Gießen durch taktische Fouls an die Freiwurflinie zu zwingen, sondern fokussierte sich auf die Verteidigung des direkten Vergleichs. Da das Hinspiel Anfang des Jahres aber nur mit sieben Punkten Differenz an den fünfmaligen Vizemeister gegangen war, durften sich die 46ers mit dem 105:97-Erfolg am Ende auch über diesen freuen.

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