Die Gießener Bank und die mitgereisten Fans schauen bedröppelt aus der Wäsche: Co-Trainer Steven Wriedt, Leon Okpara, Siyani Chambers, Benjamin Lischka, Mahir Agva, Tim Uhlemann, Bjarne Kraushaar
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Die Gießener Bank und die mitgereisten Fans schauen bedröppelt aus der Wäsche: Co-Trainer Steven Wriedt, Leon Okpara, Siyani Chambers, Benjamin Lischka, Mahir Agva, Tim Uhlemann, Bjarne Kraushaar

Gießen 46ers

46ers haben den Sieg in Weißenfels nicht verdient

  • VonMartin Vogel
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Nach einer schwachen Leistung verlieren die Gießen 46ers beim Abstiegskandidaten Mitteldeutscher BC 83:86 ? nachdem sie die kaum verdiente Siegeschance gleich mehrfach wegschmeißen.

Ingo Freyer war stocksauer: Da fehlte ihm gerade noch, dass David Bell zum TV-Interview musste, anstatt sofort in die Kabine zu marschieren. Zuvor musste der Coach der Gießen 46ers schon mit ansehen, wie seine Mannschaft nach einer schwachen Leistung beim Mitteldeutscher BC mit 83:86 (43:49) verlor und bei dem Abstiegskandidaten nicht auch nur eine Sekunde in Führung lag.

Die sechs Gießener Fans unter den 1800 Zuschauern, welche die Reise nach Sachsen-Anhalt am späten Dienstagabend auf sich genommen hatten, mussten zunächst zur Kenntnis nehmen, was diese Zeitung gestern schon vermutete: Brandon Thomas blieb in Zivilkleidung, der Flügelspieler zog sich im Heimspiel gegen Berlin eine Verletzung des Daumensattelgelenks zu und verfolgte die Partie von der Bank aus.

Ohne ihren zweitbesten Scorer starteten die 46ers ohne offensive Durchschlagskraft in die Partie: Schon nach zweieinhalb Minuten nahm Ingo Freyer beim 2:7 seine erste Auszeit. Von außen ohne Fortune, mit vermeidbaren Ballverlusten und einem John Bryant, den MBC-Center Alexander Marelja über die Grenzen des Erlaubten hinweg bearbeitete, sahen sich die Gießener nach den ersten zehn Minuten einem 19:26-Rückstand gegenüber. Doch schon kurz darauf konnte Thomas lautstark verkünden: „We back in there, fellas“ – Jungs, wir sind wieder da! Denn ein krachender Dunk von Larry Gordon zum 30:34 (14.) zwang die Hausherren zu einer Besprechung. Einzig, der Aufschwung hielt nicht an. Defensiv gab es immer wieder teils haarsträubende Lücken, offensiv taten sich die 46ers schwer mit der harten Körperlichkeit, die der MBC-Defense von den Schiedsrichtern gestattet wurde. Mit einem 43:49 ging es in die Halbzeitpause.

Nach dem Seitenwechsel blieben die Referees für Gießen im Fokus: Erst kassierte John Bryant ein mindestens diskutables unsportliches Foul, kurz darauf hängten ihm die Schiedsrichter sein viertes Foul an – in einem wilden Spiel, das auf beiden Seiten in dieser Phase an Struktur verlor, fehlte den 46ers nun der Anker. Dazu gestatteten sie den Hausherren immer wieder Offensivrebounds und weiter zu häufig einfache Punkte, sodass es mit einem 62:69 ins Schlussviertel ging.

Nun folgte die beste Phase der 46ers – was in diesem Spiel zugegebenermaßen nicht viel heißen sollte. Gießen kam wieder ran, doch schaffte es trotz vieler Chancen nicht, die Führung zu übernehmen. Nachdem Larry Gordon zu Beginn der Schlussminute per Dreier das 81:83 erzielte, kamen die Gießener wieder an den Ball – doch John Bryant wollte trotz aussichtsreicher Wurfposition noch einmal Gordon für den Layup bedienen, der den Pass allerdings nicht kontrollieren konnte. Auch bei neun Sekunden auf der Uhr hatten die 46ers noch einmal die Chance auf die Führung, wieder vertändelten sie den Ball. Dass der letzte Wurf mit der Schlusssirene zum möglichen Ausgleich nicht fiel, war nach dieser Leistung fast schon verdient.

„Wir wurden oft eingeladen, aber wenn man so oft den Ball verliert und so schlechte Entscheidungen trifft auf dem Feld, dann hat man nicht verdient zu gewinnen. Wir haben schlecht gespielt und trotzdem die Chance gehabt, zu gewinnen, aber am Ende nicht das clevere Verhalten gehabt“, ärgerte sich Ingo Freyer nach Spielende sichtlich über die Niederlage gegen einen erschreckend schwachen Gegner – zwei verschenkte Punkte, die den Kampf um die Playoffs für Gießen sehr, sehr schwer machen. Mit einer Leistung wie am Dienstag steht ein Platz unter den ersten acht nach der Hauptrunde aber ohnehin nicht zur Debatte.

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