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Joachim Löw muss manchmal die Kabine verlassen - eine Sache gefällt ihm gar nicht. 

Bundestrainer mit ehrlicher Aussage

Eine Sache provoziert Jogi Löw an jungen Spielern besonders: „Da muss ich vor die Tür“

Joachim Löw ist seit 2006 Bundestrainer und sehr viel erlebt. Nun erzählt er, warum er wegen der jungen Generation manchmal die Kabine verlassen muss. 

München - Jogi Löw hat als Bundestrainer den Umbruch in der Nationalmannschaft eingeleitet. Spieler wie Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels wurden ausgebootet. Das ganze Szenario zog ein großes Medienecho nach sich. Der Trainer ist ruhig geblieben und wurde sogar mit einem Sieg gegen die Niederlande bei der EM-Qualifikation belohnt. Nun hat er in einem Interview verraten, was ihn aber an der jungen Generation am ehesten aufregt. 

Im Gespräch mit der Bild am Sonntag verriet der 59-Jährige, welche Veränderungen er an der Jugend am beobachtet. Und da fällt dem Schlager-Fan Löw gleich die passende Antwort ein. „Den Musikgeschmack. Die spielen heute Musik in der Kabine, da muss ich vor die Tür. Ich höre lieber deutsche Schlager“, so der Weltmeister von 2014. Läuft wohl eher Helene Fischer als Drake im Autoradio von Löw. 

Jogi Löw über die junge Generation: „Die reagieren nur auf noch auf visuelle Dinge“

Doch Löw erklärt auch, wie sich die Auffassungsgabe der jungen Menschen verändert hat. „Die jungen Leute heute reagieren fast nur noch auf visuelle Dinge. Man muss ihnen die Dinge vor Augen führen, nicht mehr nur erklären“, sagt der Coach. 

Viele waren verwundert, dass der Trainer nach der gewonnenen Weltmeisterschaft 2014 oder nicht spätestens nach dem Halbfinal-Aus 2016 den Platz als Trainer geräumt hat. Vor allem nach der katastrophalen WM 2018 forderten der Großteil der Experten seinen Rücktritt. Doch er behielt seinen Posten. Und erklärt auch weshalb. Er will wieder Weltmeister werden. „Das ist das Maximum, das man in meinem Job erreichen kann. Diese Sekunden nach dem WM-Sieg 2014 haben damals ein unglaubliches Hochgefühl erzeugt“, sagt Löw. 

Jogi Löw über die Degradierung der drei Weltmeister: „Das ist wie in einer Beziehung“

Auch angesprochen auf seine Degradierung der Altmeister Hummels, Müller und Boateng erklärt sich Löw. „Es war mir klar, dass das Diskussionen auslöst, auch für mich war es hart, weil es Spieler sind, die mir ans Herz gewachsen sind. Aber man muss Visionär sein, in die Zukunft blicken: Wo soll die Mannschaft in zwei, drei Jahren stehen, welchen Fußball soll sie spielen? Und dann muss man Entscheidungen fällen. Nicht gegen jemanden, sondern für etwas, für die Zukunft. Menschlich tut mir das weh. Das ist wie in einer Beziehung“, sagt Löw, der aber seine Entscheidung weiter hartnäckig vertritt, was er vor allem mit dem Sieg gegen Holland begründet. „Das war ein guter Schritt“, so Löw. 

Sollte er weiter einen erfolgreichen Weg mit zugleich jungen Akteuren verfolgen, wird er noch öfter die Kabine verlassen müssen - außer die Jungs tun ihm einen Gefallen und legen Helene Fischer, Andrea Berg oder Co. auf. 

Deutschland empfängt Estland in der EM-Qualifikation erneut ohne Bundestrainer Joachim Löw. Wir berichten im Live-Ticker.

ank

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