Sportjournalist Raphael Honigstein bei einer Live-Übertragung.
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Sportjournalist Raphael Honigstein fällt ein vernichtendes Urteil über die DFB-Elf.

„Ein Haufen Individualisten ohne Plan“

Deutscher Journalist ist Experte in England - und macht das DFB-Team komplett nieder

  • Marius Epp
    VonMarius Epp
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Vor dem EM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen England lästert ein deutscher Journalist auf der Insel über Jogi Löw und das DFB-Team.

London - Deutschland muss sich am Dienstag im Wembley-Stadion auf ein Auswärtsspiel einstellen: Für den EM*-Achtelfinal-Kracher gegen England dürfen keine deutschen Fans auf die Insel einreisen. Einer ist aber schon da: Der deutsche Sportjournalist Raphael Honigstein lebt seit 1993 in London und berichtet dort über den deutschen und englischen Fußball.

Unter anderem schreibt er für die englisch-amerikanische Sportwebsite The Athletic, für die er auch das Spiel der DFB-Elf* gegen Ungarn analysierte. Natürlich ist das Interesse der Engländer groß: Wie sind die Deutschen in Form? Im entscheidenden Spiel gegen Ungarn hatte Leon Goretzka* die deutsche Mannschaft in allerhöchster Not vor dem blamablen Vorrunden-Aus gerettet. Honigstein lässt in seinem Text kein gutes Haar am Auftritt von Löws Mannschaft.

EM: Deutscher Journalist zieht in englischer Presse über DFB-Elf her - „verlorener Haufen Individualisten“

„Deutschlands Team hat keinen Plan. Sie sind nur ein verlorener Haufen Individualisten“, betitelt er seinen Artikel. Auf der Insel wird man das im Gegensatz zum Wembley-Scherz des DFB gerne lesen - ob es sogar dazu führt, dass das deutsche Team unterschätzt wird? Jedenfalls war das Spiel gegen Ungarn wahrlich kein Bewerbungsschreiben für den Europameistertitel. Es offenbarte eklatante Schwächen gegen einen tiefstehenden Gegner, der auf Konter spielt.

Honigstein spart nicht mit dramatischen Ausdrücken. „Sie waren gefangen in ihrer Hilflosigkeit. Sehr selten hat man die Nationalmannschaft offensiv so harmlos gesehen. Ideenlose Flanken, ungefährliches Ballgeschiebe, keine Tiefe und keine Tempowechsel“, moniert der gebürtige Münchner, der auch für Sky als Premier-League-Experte vor Ort arbeitet. Es sei beispielsweise ein „Mysterium“ gewesen, dass Leroy Sané 90 Minuten auf dem Feld stehen durfte. „Seine ineffektive Spielweise war sinnbildlich für das ganze Team.“

Deutschland - England: Kimmich macht klare Ansage - „Brauchen so nicht antreten“

Auch die deutschen Spieler selbst wissen, dass sie im Achtelfinale ein anderes Gesicht zeigen müssen. „Wenn wir so spielen, brauchen wir gegen England gar nicht antreten“, brachte es Joshua Kimmich auf den Punkt. Honigstein warnt in seinem Fazit: „Wenn Löw sich nicht schleunigst eine Strategie einfallen lässt, können sie auch gleich zuhause bleiben.“

Ganz so pessimistisch muss man die Ausgangslage als deutscher Fan aber auch nicht sehen. Schließlich werden es sich die Engländer kaum erlauben können, vor eigenem Publikum ähnlich destruktiv zu spielen wie Ungarn. Damit ergeben sich automatisch wieder mehr Räume - mit denen die DFB-Elf durchaus einiges anzufangen weiß, wie sie gegen Portugal gezeigt hat. Und schließlich gilt bekanntlich eins: Deutschland muss es „nur“ bis ins Elfmeterschießen schaffen. (epp) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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