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Gießens Innenverteidiger Samuel Sesay (l.) darf vor 7000 Zuschauern über 70 Minuten gegen Goncalo Paciencia und Eintracht Frankfurt auflaufen.

FC Gießen

Zuschauererlöse, Meinungen, Tore: So lief das Eintracht-Gastspiel in Gießen

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Der FC Gießen und das Waldstadion können 7000 Zuschauer stemmen: Dank guter Organisation gelingt das Fußball-Großevent gegen Eintracht Frankfurt. Alle Infos zum Gießener 3:1-Sieg.

Nach dem Abpfiff des Fußball-Benefizspiels und rund 15 Minuten Autogramm-Marathon signalisierte Eintrachts Trainer Adi Hütter dem Sicherheitspersonal mit ausgestreckter Zunge, dass er gerne Richtung Kabine geleitet werden möchte. Der 49-Jährige nahm sich auf dem Rasen des Gießener Waldstadions Zeit wie kein Zweiter für die Foto- und Autogrammwünsche der heimischen Fußball-Fans. Nachdem Hütter, mit viel gutem Willen ausgestattet, nach einigen Metern doch wieder ein Kind glücklich machte, wurde die Traube um den Bundesliga-Trainer prompt so groß, dass ein Weiterkommen fast unmöglich war.

40 000 Euro an Sporthilfe, auch FC Gießen partizipiert

"Danke, dass so viele Zuschauer nach Gießen gekommen sind", sagte Hütter schon vor der Partie vor 7000 Besuchern. "Wir hätten auch 10 000 Karten verkaufen können", meinte Jörg Fischer, Geschäftsführer des FC Gießen. "Das zeigt, welche Strahlkraft die Eintracht hat." Am Ende stimmten nicht nur die an diesem Donnerstag so wichtigen Rahmenbedingungen, sondern auch das Sportliche auf dem Platz: Mit 3:1 (0:0) schlägt der heimische Regionalligist FC Gießen den hessischen Bundesligisten Eintracht Frankfurt im Benefizspiel.

40 000 Euro gehen an die Sporthilfe Hessen, der FC Gießen partizipiert ebenfalls, unter anderem durch den Verkauf der über 300 VIP-Tickets. (Sport-) Prominenz wie Sprintstar Lisa Mayer, Frauenfußball-Weltmeisterin Nia Künzer oder Hessens Innenminister Peter Beuth sahen, wie sich der FC Gießen den überraschenden Heimsieg verdiente.

"Die Eintracht hat nicht vor Ehrgeiz gestrotzt", registrierte FC-Mittelfeldspieler Christopher Spang. "Viele haben im Vorhinein gedacht, dass wir hier einige eingeschenkt bekommen. Aber als die Pässe ankamen und wir uns Offensivszenen erarbeitet haben, da hat es richtig Spaß gemacht. Das Ergebnis tut gut. Wir können mit Selbstvertrauen in die weitere Saison gehen."

Bereits am Sonntag wartet das sportlich wirklich wichtige Spiel dieser herbstlichen Oktober-Woche: Um 15 Uhr kommt der punktgleiche Viertliga-Konkurrent SSV Ulm. Entsprechend wechselte FC-Trainer Daniyel Cimen zur Pause achtmal, kein Gießener stand über 90 Minuten auf dem Platz. Im Gegensatz zur Eintracht, die nur mit einem 14-Mann-Kader nach Mittelhessen anreiste. Akteure wie Erik Durm, Dominik Kohr oder Goncalo Paciencia, der sich ein hitziges Wortgefecht mit Brian Mukasa lieferte, standen über die volle Distanz auf dem Waldstadion-Rasen.

Auf diesem erspielte sich der FC in der ersten Hälfte vier Einschussmöglichkeiten. Die beste vergab Noah Michel nach elf Minuten. Verfolgt von Gelson Fernandes stürmte der gebürtige Licher frei auf Eintracht-Keeper Felix Wiedwald zu - etwas überhastet schoss Michel den Keeper an. Frankfurt blieb bis auf David Abrahams Abschluss (41.) blass.

Nach Paciencas Treffer an den Außenpfosten (55.) folgte Gießens beste und effektivste Phase: Der Ex-Eintrachtler Nico Rinderknecht köpfte nach einer Ecke zum 1:0 ein (56.) und bereitete mit einem Ballgewinn in Strafraumnähe auch das 2:0 durch Marco Koch (65.) vor. In vielen Offensivaktionen der Gießener war zu erkennen: Die Mannschaft stabilisiert sich, wirkt mittlerweile freier und selbstbewusster. Nachdem die Gießener Fußball-Fans fünf Heimspiele lang auf ein Tor warten mussten, gab es nun innerhalb von sechs Tagen gleich sieben Waldstadion-Treffer zu bejubeln. Wenn’s läuft, dann läuft’s. Das dritte Tor steuerte Probespieler Samir Benamar mit einem direkt verwandelten Freistoß (78.) bei. Zwischenzeitlich hatte Paciencia mit einem Schlenzer über die Gießener Abwehr Durms 2:1 (75.) vorbereitet.

Probespieler Benamar ist 27 Jahre alt, aus Marokko stammend und auf der linken Außenbahn zuhause. In der Saison 2017/18 absolvierte er 15 Drittliga-Spiele für RW Erfurt, aktuell ist er vereinslos. Dass er traf, passte ebenso ins Bild wie die Tatsache, dass sich das in dieser Woche bis dato regnerische Wetter verzog und die Sonne pünktlich zum Donnerstagnachmittag die Waldstadion-Besucher erfreute.

"Es war ein ganz, ganz besonderer Fußball-Nachmittag", sagte Jörg Fischer. "Keine Probleme", hatte Abteilungsleiter Andreas Heller nach Schlusspfiff festgestellt, zu sehen waren ebenfalls keine. Mit Hilfe von Polizei, Feuerwehr, Deutschem Roten Kreuz, den städtischen Ämtern und zig ehrenamtlichen Helfern hat es der FC Gießen geschafft, das Großevent zu stemmen (siehe Extra-Kasten rechts). 7000 Zuschauer, die es seit über drei Jahrzehnten nicht mehr gab, sind nicht zu viel für das Waldstadion - das ist fast die wichtigste Nachricht des gestrigen Tages.

Gießen (1. Hälfte): Ellenfeld - Antonaci, Sesay, Nennhuber, Koutny - Hofmann, Spang - Cecen - Bangert, Michel, Kara. (2. Hälfte): Zabadne - Teller, Sesay, (72. Mukasa) Colak, Markovic - Rinderknecht, Schadeberg - Kittel - Koch, Bangert (72. Ferfelis), Benamar.

Frankfurt: Wiedwald - Chandler (25. Iroere), Abraham, Da Costa, Otto, Kohr, Fernandes, Stendera (62. Molenaar), Müller (62. Cakar), Paciencia.

Im Stenogramm: Tore: 1:0 (56.) Rinderknecht, 2:0 (65.) Koch, 2:1 (75.) Durm, 3:1 (78.) Benamar. - Z.: 7000. - SR.: Haustein (Buseck).

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