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FC Gießen

Weshalb der FC Gießen weiter trainiert: "5.12. ist unser Richtwert"

  • Sven Nordmann
    vonSven Nordmann
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Der FC Gießen trainiert seit Montag wieder - die Spieler sind darüber äußerst froh, andere Fußball-Regionalligisten haben den Weg der Kurzarbeit gewählt und warten ab.

Gießens Gabriel Weiß flachst auf dem Weg von der Kabine zum Rasenplatz mit Co-Trainer Marco Vollhardt, Torwarttrainer Jörg Kässmann jagt Frederic Löhe von einer Ecke zur anderen und Johannes Hofmann und Marco Boras liefern sich körperbetonte Zweikämpfe - Szenen vom Donnerstagstraining des FC Gießen bei sonnigem Herbstwetter in Watzenborn-Steinberg.

Genauso unterschiedlich wie die Fußball-Regionalligen in Deutschland verfahren, agieren auch die hessischen Südwest-Teilnehmer in der Pause. Während der TSV Steinbach Haiger und der FSV Frankfurt auf Kurzarbeit geschaltet haben und bei Eintracht Stadtallendorf nur Einzeltraining stattfindet, stehen die Fußballer des KSV Hessen Kassel, der Offenbacher Kickers und des FC Gießen auf dem Rasen.

"Ich halte mich gerne an Fakten", sagt Gießens Verteidiger Hendrik Starostzik. "Und Fakt ist, dass wir aktuell am 5. Dezember ein Heimspiel gegen den VfB Stuttgart II haben. Es ist höchst professionell, dass wir jetzt weiter trainieren."

Auch FC-Trainer Daniyel Cimen bekräftigt: "Dieser Tag ist unser Richtwert. Wir müssen jetzt davon ausgehen, dass Anfang Dezember wieder gespielt wird. Sollte es anders kommen, werden wir handeln."

Derzeit setzt die Regionalliga Südwest den Spielbetrieb im November aus und will jenen Anfang Dezember nur dann fortführen, wenn in allen betroffenen Bundesländern bis spätestens 17. November wieder Mannschaftstraining erlaubt ist.

In Rheinland-Pfalz ist das derzeit für die betroffenen Vereine FK Pirmasens, TuS RW Koblenz und TSV Schott Mainz nicht möglich - eine Entscheidung der dortigen Landesregierung soll dem Vernehmen nach erst nach der Ministerpräsidentenkonferenz am 16. November fallen.

Ganz unabhängig von der weiterhin offenen Frage sind die Spieler des FC Gießen äußerst froh über die sportliche Betätigung, wie sie im Gespräch verdeutlichen. "Es tut einfach gut, ein schönes Gefühl", sagt Starostzik.

"Viele von uns verbringen den Tag sonst auch zu Hause und sind so froh, jetzt, nach der Quarantäne, wieder trainieren zu können." Der 29-jährige Innenverteidiger aus Marburg nutzte die Pause, um nach einer zähen Sehnenreizung im Fuß, die er sich beim Joggen während der ersten Quarantäne zugezogen hatte, zurückzufinden.

Viele zuletzt verletzte Spieler wie Dren Hodja oder Milad Salem haben in der Pause den Anschluss gefunden, wirkten am Donnerstag in Watzenborn-Steinberg, auch unter den Augen von Vorstand Turgay Schmidt, mit. Die Stimmung während der Einheit: Teils lässig, teils fokussiert.

Das Training stellt für viele im zweiten Corona-Lockdown den Großteil der sozialen Kontakte dar. "Trotzdem müssen wir uns ja an die Hygieneregeln halten, in der Kabine sind nur einige wenige Spieler gleichzeitig und auf dem Platz geht’s dann mit dem Training los", meint Starostzik. "Der Austausch ist eingeschränkt, aber es tut natürlich gut. Als Fußballer willst du Fußball spielen."

Das sieht auch der Gießener Linksverteidiger Andrej Markovic so. "Ich bin sehr, sehr glücklich darüber, dass wir seit Montag wieder trainieren. Die Mannschaft", sagt der 22-Jährige, "siehst du in diesen Zeiten öfter als deine Familie. Der Fußball ist für uns alle ein großer Teil unseres Lebens."

Dass andere das Training ausgesetzt und auf Kurzarbeit geschaltet haben, versteht Markovic: "Letztlich ist ein Regionalligist oft nichts anderes als ein Betrieb - und vielen geht es derzeit schlecht." Trotzdem sagt der Gießener: "Ich hoffe, dass wir am 5. Dezember weiterspielen können. Ich will nicht auf dem vorletzten Platz in die Winterpause gehen. Dafür müssen wir topfit und eingespielt sein."

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