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Unter anderem eine Flutlichtanlage und eine Platzentwässerung fehlen im Waldstadion.

FC Gießen

FC Gießen: Ausbau des Waldstadions »in der Schwebe«

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Es gibt Pläne für einen Ausbau des Waldstadions. Mit dieser Aussage ließ FC-Gießen-Notvorstand Turgay Schmidt vor einigen Tagen aufhorchen. Was gemacht werden soll und vor allem, wer es bezahlen wird, ist aber noch lange nicht geklärt. Die Stadt spricht von einem Schwebezustand.

Fast auf den Tag genau ist es drei Jahre her, dass der FC Gießen auch optisch Gestalt annahm. Bei einer Präsentation im Volksbank-Forum herrschte Aufbruchstimmung, die Monate später in Form roter Sitzschalen auf das Waldstadion abfärbte. Große Pläne hatte das Management um Geschäftsführer Jörg Fischer mit dem einzigen richtigen, aber in die Jahre gekommenen Gießener Fußballstadion. Mehr als die Erfüllung der Mindestanforderungen an den Spielbetrieb in der Regionalliga Südwest konnte der neue Verein in der Folge baulich aber nicht stemmen.

Nun ist wieder von größeren Investitionen in die Infrastruktur der nach wie vor städtischen Sportanlage die Rede. FC-Gießen-Notvorstand und Fischer-Nachfolger Turgay Schmidt berichtete in seiner jüngsten Pressekonferenz unter Bezugnahme auf ein Gespräch mit Oberbürgermeisterin und Sportdezernentin Dietlind Grabe-Bolz vom Bau einer Flutlichtanlage, dem Einbau einer Platzentwässerung, einer Modernisierung des Kabinentrakts und der Übernahme der früheren Stadionkneipe, die derzeit noch vom Tanzclub Rot-Weiß als Übergangsdomizil genutzt wird. »Die Stadt Gießen ist für den FC Gießen der wichtigste Partner«, betonte Schmidt.

Direkte städtische Investitionen im Stadion plant die Eigentümerin gleichwohl nicht. »Es sind die Pläne des Vereins«, erläutert Magistratssprecherin Claudia Boje. Diese Pläne seien hinsichtlich einer möglichen Bezuschussung durch Land und Stadt aber noch nicht konkret genug, was baurechtliche Genehmigungen und einen Finanzierungsplan betreffe. Was im Moment vorliege, reiche selbst für eine Vorprüfung von Förderanträgen nicht aus. »Dazu brauchen wir weitere Unterlagen«, sagt Boje.

FC Gießen wird wohl kein Erbpächter

Unklar ist auch weiterhin, wie die Vertragssituation für die Waldstadion-Nutzung künftig gestaltet wird. Den Erbpachtvertrag, über den sich der FC und der Magistrat bereits Ende 2018 geeinigt hatten und der vom Stadtparlament abgesegnet wurde, wurde vom Verein dann doch nicht unterschrieben.

Als Grund gab die damalige Führung an, man wolle, ehe man als Pächter auch kostenträchtige Verpflichtungen übernehme, sichergestellt wissen, dass der Bebauungsplan nicht zu Einschränkungen des Stadionbetriebs führt. Diese Ende 2018 eingeleitete Bebauungsplanung liegt ebenfalls auf Eis.

So gilt im Moment nach wie vor der mit dem FC Gießen im Sommer 2018 abgeschlossene Nutzungsvertrag. Da die Stadt nun offenbar nicht mehr damit rechnet, dass der Verein in absehbarer Zeit als Erbpächter einsteigt, drängt der Magistrat auf eine »Aktualisierung« dieses Vertragsverhältnisses, das eigentlich nur als Zwischenlösung gedacht war. Stadtsprecherin Boje: »Wenn der Nutzungsvertrag nun zum Dauer-Nutzungsvertrag werden soll, müssten unter anderem auch Regelungen zu den Investitionen neu verhandelt werden.« Dies sei aber alles noch nicht geschehen und hänge daher »in der Schwebe«.

In der Rückschau sicherlich etwas ärgerlich war die Entscheidung der Stadt vor gut drei Jahren, 80 000 Euro aus Mitteln des Kommunalen Investitionsprogramms, mit dem eigentlich der obere Kabinen- und Sanitärtrakt des Waldstadions saniert werden sollte, nicht abzurufen. Die Fusion des VfB 1900 Gießen mit Teutonia Watzenborn-Steinberg stand damals unmittelbar bevor und es gab Signale, dass der neue Verein selbst ins Stadion investieren wird. 50 000 Euro für den Kabinenumbau sollen nun vom neuen FC-Sponsor Nike kommen, kündigte Notvorstand Schmidt im März an.

Kein Bann über den »Profisport«

Mit Querschüssen aus der Stadtpolitik müssen der FC Gießen, aber auch die Gießen 46ers, aktuell wohl nicht rechnen. Mit der Gießener Linken steht zwar eine Gruppierung kurz vorm Einstieg in die neue Stadtkoalition, deren Wahlprogramm die Forderung enthält, dass der »Profisport« nicht mehr mit Mitteln aus dem städtischen Haushalt unterstützt werden darf. Dies habe man der Linken aber ausreden können, berichtet Grünen-Fraktionschef Alexander Wright aus den Koalitionsverhandlungen. »Wir haben es hier ja nicht mit Sportunternehmen zu tun, die Millionen Euro Gewinn machen«, sagt Wright.

Vielmehr hätten beide Clubs doch erkennbar Probleme, ihre Ligen sportlich zu halten und den Spielbetrieb zu finanzieren. Hinzu komme ein förderwürdiger Unterbau mit Jugendarbeit. Wright weiter: »Basketball und Fußball auf einem gewissen Niveau gehören zu Gießen.«

Zuletzt hatte das Stadtparlament im Rahmen des Haushalts 2021 über eine halbe Million Euro bewilligt, um die Sporthalle Ost mit Blick auf die Fernsehvermarktung durch die Basketball-Bundesliga aufzurüsten. Aus der sind die 46ers nun freilich sportlich abgestiegen.

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