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Jörg Fischer, Ex-Geschäftsführer des FC Gießen, gesteht ein, bei seiner emotionalen Rede über das Ziel hinausgeschossen zu sein. Foto: fro

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FC Gießen: Jörg Fischer nimmt Vorwürfe zurück - Stellungnahme im Wortlaut

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Jörg Fischer, der zurückgetretene Geschäftsführer des Fußball- Regionalligisten FC Gießen, hat eine persönliche Stellungnahme zu seiner Wutrede abgegeben.

Fischer entschuldigt sich nun für seine gegen die Redaktion dieser Zeitung sowie Sportredakteur Sven Nordmann erhobenen Vorwürfe. Überdies nimmt er in vollem Umfang seinen offen formulierten Angriff auf die Pressefreiheit zurück. Denn die Rede von Jörg Fischer am Wochenende im VIP-Zelt des FC Gießen hat hohe Wellen geschlagen. Kritische Stimmen wurden laut. Der Verein selbst spricht auf seiner Homepage von einem "Shitstorm". Auf allen Kanälen dieser Zeitung war Fischers Inszenierung das Top-Thema der Sportwoche.

Nun bezieht der Ex-Geschäftsführer Stellung und nimmt entschuldigend u. a. auch den Vorwurf zurück, die Gießener Allgemeine Zeitung versuche, "den Klub zum Scheitern zu verurteilen". In seiner Stellungnahme geht Fischer noch einmal auf die Ereignisse der letzten Tage und seine emotionale Rede nach der 2:3-Niederlage gegen den SV Elversberg ein.

"Zunächst einmal möchte ich mich für meine Aussage: Die Presse sei die 4. Gewalt in Deutschland (Anm. der Red.: "Gegen die vierte Gewalt im Staat müssen wir vorgehen") sowie den direkten (namentlichen) Angriff auf den Journalisten Sven Nordmann und die Gießener Allgemeine entschuldigen und habe dies auch in einem persönlichen Treffen (Chefredakteur) Dr. Max Rempel, (Sportchef) Ralf Waldschmidt und (Lokalchef) Marc Schäfer … mitgeteilt. Weiterhin habe ich mich auch persönlich diesbezüglich bei Sven Nordmann entschuldigt."

Eine Erklärung zu seinem offen formulierten Angriff auf die Pressefreiheit ("Wehrt euch gegen die Macht der Presse") ist Fischer besonders wichtig: "Als frei denkender Demokrat stelle ich selbstverständlich keinesfalls die Bedeutung der Presse infrage und halte die Pressefreiheit für einen der kostbarsten Grundwerte in unserer Gesellschaft."

FC Gießen: Jörg Fischer entschuldigt sich für Vorwürfe gegenüber GAZ

In der Folge geht es für den Investor aber auch darum, seine Beweggründe für seinen verbalen Ausbruch zu erläutern. "Um den FC Gießen in der Liga zu festigen und weiter nach vorne zu bringen, haben wir auch in den letzten Wochen verstärkt versucht, Investoren und Sponsoren zu finden. Der Zeitungsbericht vom vergangenen Donnerstag (Anm. d. Red.: "FC Gießen in Turbulenzen") erschwert jedoch unsere Arbeit auch in diesem Bereich, und eigentlich haben wir doch alle zusammen nur ein Ziel: Sportlicher Erfolg mit spannenden Momenten und emotionalen Höhenpunkten."

Zu den verspäteten Gehaltszahlungen bleibt aus seiner Sicht festzuhalten, "dass dies bei Mannschaften in der Regionalliga tatsächlich immer einmal vorkommen kann. Diese Liga ist wie keine andere stark abhängig von Investoren und Sponsorengeldern". Dann fährt er fort: "Ich hätte mir gewünscht, dass der Bericht vom Donnerstag letzter Woche nicht erschienen wäre und wir einfach mehr Ruhe im Umfeld des Teams gehabt hätten. Verschiedene Themen wurden ja bereits offen im Vorfeld mit der Mannschaft besprochen."

Auf diesen Bericht sei er dann am Samstag von vielen Fans und Sponsoren angesprochen worden. All diese Ereignisse sowie das anschließend verlorene Spiel, "nach der vielleicht besten Leistung unserer Mannschaft in dieser Saison", seien mit ein Grund für seine emotionale Reaktion gewesen. Er wünsche sich nichts mehr, so Fischer, "als dass die Fans, die Partner, Sponsoren und die Presse diesen Weg weiterhin positiv begleiten und alles daransetzen, die Klasse zu halten, um zukünftig … aufregenden, spannenden und sportlich fairen Fußballsport erleben zu dürfen".

Dass er dabei über das Ziel hinausgeschossen ist, hat Jörg Fischer der Redaktion gegenüber selbstkritisch zum Ausdruck gebracht.

Info: Die Pressemeldung im Wortlaut

Liebe FC Giessen Fans, liebe Sponsoren und Partner liebe Fußballfreunde, 

mit der heutigen Pressemitteilung möchte ich auf die Ereignisse der letzten Tage und meiner emotionalen Rede im vollen VIP Zelt nach unserer Niederlage gegen Elversberg eingehen. Zunächst einmal möchte ich mich für meine Aussage: “Die Presse sei die 4. Gewalt in Deutschland“, sowie den direkten Angriff dem Journalisten Sven Nordmann und der Gießener Allgemeinen gegenüber entschuldigen, und habe dies auch in einem persönlichen Treffen Herrn Dr. Max Rempel, Herrn Ralf Waldschmidt und Herrn Marc Schäfer von der Giessener Allgemeinen Zeitung mitgeteilt.

Weiterhin habe ich mich auch persönlich diesbezüglich bei Herrn Sven Nordmann entschuldigt. Als frei denkender Demokrat stelle ich selbstverständlich keinesfalls die Bedeutung der Presse in Frage und halte die Pressefreiheit für eines der kostbarsten Grundwerte in unserer Gesellschaft. Um den FC Giessen in der Liga zu festigen und weiter nach vorne zu bringen, haben wir auch in den letzten Wochen verstärkt versucht Investoren und Sponsoren zu finden. Der Zeitungsbericht vom vergangenen Donnerstag erschwert jedoch unsere Arbeit auch in diesem Bereich, und eigentlich haben wir doch alle zusammen nur ein Ziel: Sportlicher Erfolg mit spannenden Momenten und emotionalen Höhenpunkten.

Zu den verspäteten Gehaltszahlungen bleibt festzuhalten, dass dies bei Mannschaften in der Regionalliga tatsächlich immer einmal vorkommen kann. Diese Liga ist wie keine andere stark abhängig von Investoren und Sponsorengeldern. Ich hätte mir gewünscht, dass der Bericht vom Donnerstag letzter Woche nicht erschienen wäre und wir einfach mehr Ruhe im Umfeld des Teams gehabt hätten. Verschiedene Themen wurden ja bereits offen im Vorfeld mit der Mannschaft besprochen.

Auf diesen Bericht wurde ich dann am Samstag von vielen Fans und Sponsoren angesprochen.

All diese Ereignisse, sowie das anschließend verlorene Spiel, nach der vielleicht besten Leistung unserer Mannschaft in dieser Saison, waren mit ein Grund für meine emotionale Reaktion am vergangenen Samstag. Wenn dann noch ein volles VIP-Zelt lang anhaltenden Beifall spendet, dann sollte das nicht irritieren, sondern mich und auch alle anderen nachdenklich stimmen!

Der FC Gießen ist für viele von uns eine Herzensangelegenheit geworden! Ich wünsche mir nichts mehr, dass die Fans, die Partner, Sponsoren und die Presse diesen Weg weiterhin positiv bestreiten und alles daran setzen, die Klasse zu halten, um zukünftig in unserem geliebten Waldstation vor möglichst vielen tausenden Fans und Zuschauern aufregenden, spannenden und sportlich fairen Fußballsport erleben dürfen. 

Herzlichst Euer

Jörg Fischer

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