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Mit viel regionalem Bezug und einem jungen Kader geht der FC Gießen in die Saison. Trainer Daniyel Cimen weiß: "Wir müssen uns in der Regionalliga anpassen."

Fußball-Regionalliga

Vor Saisonstart: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum FC Gießen

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Nach schwierigen Wochen im Mai kommt der FC Gießen nun ins Rollen - die Vorfreude steigt. Wir stimmen Sie vor dem Start an diesem Samstag ein: zehn Fragen und Antworten.

Mit der Neuverpflichtung von Nico Rinderknecht, großer Anspannung und der Gewissheit, dass der Klassenerhalt Priorität hat, startet der FC Gießen am Samstag (14 Uhr) bei der SV Elversberg in die neue Saison der Fußball-Regionalliga Südwest. Vorab zehn wichtige Fragen.

1. Wie schwer wird der Start in der Regionalliga Südwest wirklich?

In den ersten vier Regionalliga-Spielen in der Vereinsgeschichte des FC Gießen trifft man gleich auf drei Mannschaften, die Aufstiegsambitionen hegen: SV Elversberg, FC Homburg, TSV Steinbach. Dazwischen gesellt sich ein Auswärtsspiel in Pirmasens, die erfahren im Viertliga-Abstiegskampf sind. Keinen sollte es daher verwundern, wenn der FC Gießen nach vier Spieltagen mit drei Punkten oder weniger dasteht.

Zumal die Vorbereitung "suboptimal" verlief, wie Trainer Daniyel Cimen einräumt. "Zum Trainingsstart hatten wir zwölf fitte eigene Spieler zur Verfügung." Erst nach und nach kamen angeschlagene Akteure zurück, Neuzugänge hinzu, Gastspieler wie Sascha Heil oder Aykut Öztürk wurden verpflichtet. "Da fiel es zeitweise schwer, Automatismen einzustudieren." Nach schwerem Start kommt der FC nun ins Rollen. Im letzten Test gegen Hessenligist FSV Fernwald überzeugte der FC Gießen mit dem 7:0. Dieser Fakt und die Tatsache, dass der Kader nun quasi komplett ist, machen Hoffnung. So sagt Neuzugang Nico Rinderknecht: "Wir sollten keinen Gegner zu hoch hängen und selbstbewusst nach Elversberg fahren."

2. Wird der FC Gießen jetzt im Fernsehen übertragen?

Im HR-Heimspiel! wird es am Samstag (17.15 Uhr) regelmäßig Ausschnitte von der 14-Uhr-Partie des FC Gießen geben - zum Beispiel schon an diesem letzten Juli-Wochenende von der Auftaktpartie in Elversberg. Zwischen zehn und zwölf Regionalliga-Partien werden im Laufe der Saison live auf Sport1 übertragen. Schon am Montag gibt’s Kickers Offenbach gegen SSV Ulm (20.15 Uhr) live zu sehen. Dass der FC Gießen live gezeigt wird, will Regionalliga-Geschäftsführer Sascha Döther nicht ausschließen: "Erste Bedingung ist aber die Infrastruktur, eine Notstromversorgung und Flutlicht mit mindestens 800 Lux. Zweiter Faktor ist, dass der Verein Werbung macht, sich bemüht, sodass Sport1 sieht, dass dieser Verein unbedingt will." So wurde zum Beispiel der TSV Steinbach im November 2017 beim Duell gegen Offenbach live im Free-TV gezeigt. Auch der FSV Frankfurt wird in der Hinserie zweimal gezeigt. Übrigens: Unter anderem beim Wettanbieter tipico kann man auch auf die Spiele des FC Gießen tippen.

3. Welche Teams gilt es im Kampf um den Klassenverbleib hinter sich zu lassen?

Zur unteren Hälfte der Regionalliga, die vermutlich um den Klassenerhalt kämpfen wird, zählen neben Gießen auch Astoria Walldorf, FK Pirmasens, die TSG Balingen, der Bahlinger SC, FC Bayern Alzenau, FSV Mainz 05 II und TuS Rot-Weiß Koblenz.

Der Klassenerhalt muss das Ziel sein, an dem geeint gearbeitet wird - nur darum kann es in Jahr eins der vierten Liga gehen - zumal der Kader spät beisammen war. "Jedem, der ins Waldstadion kommt, sollte bewusst sein: Ich sehe ein spannendes Spiel, hoffentlich oft mit einem guten Ausgang, sodass es für uns reicht", sagt auch der Sportliche Leiter Franz Gerber. Gelingt das, kann in den nächsten Jahren peu à peu weiter nach oben geblickt werden.

4. Kommen noch weitere Neuverpflichtungen?

"Unser Etat (rund 1,2 Millionen Euro, Anm. d. Red.) ist mit der Verpflichtung von Nico Rinderknecht eigentlich ausgereizt", sagt Franz Gerber. Trotzdem geht der 65-Jährige davon aus, "dass wir noch etwas ermöglichen können". Einzelne Sponsoren könnten einsteigen und eine weitere Teamverstärkung somit realisieren. Am wahrscheinlichsten ist, dass ein zweiter Torhüter hinter Stammkeeper Frederic Löhe kommt.

5. Was sind die Heimspiel-Highlights in diesem Sommer?

Im Grunde gibt’s da gleich vier: Das erste Heimspiel steigt am 3. August (14 Uhr) gegen Aufstiegsaspirant und Ex-Bundesligist FC Homburg. Danach kommt es in der englischen Woche (13. 8., 18 Uhr) zum Derby mit dem TSV Steinbach. Auch im nächsten Heimspiel am 24. August (14 Uhr) geht’s gegen ein hessisches Team: Der FSV Frankfurt kommt. Auch am 21. September dürften noch angenehme Temperaturen vorherrschen. Dann kommt um 14 Uhr der 1. FC Saarbrücken ins Waldstadion.

6. Wie verändert sich das Gießener Waldstadion?

Ein fest installierter Zaun für den Gästebereich wird für die Regionalliga ebenso angebracht wie ein Ballfangnetz auf der Seite des VIP-Zeltes. Mittelfristig dürfte die Installation einer festen Flutlichtanlage für Viertligafußball unabdingbar sein. In weiter Ferne, aber von den Verantwortlichen schon einmal in den Raum geworfen, liegen ein Multifunktionsgebäude mit Spielertunnel unter der Haupttribüne und eine Überdachung der Stehplatztribüne - Unterstützung von Stadt, Land und Wirtschaft vorausgesetzt.

7. Wer wird neuer Publikumsliebling des FC Gießen?

Mit Markus "Mü" Müller hat der Publikumsliebling seine Karriere beendet. Sieben Spieler des FC haben einen direkten Gießener Bezug, drei weitere kommen aus dem mittelhessischen Raum. Gerber: "Wir haben eine enorme Regionalität im Kader." Vor allem Johannes Hofmann (Rückennummer sechs, Lollar) und Nico Rinderknecht (Rückennummer 16, Gießen) im zentralen Mittelfeld könnten als lauffreudige Spieler als Gesicht und Identifikationsfigur herhalten. Weitere Kandidaten durch Leistung und Auftreten: Der neue lautstarke, robuste Innenverteidiger Jure Colak sowie der flinke gebürtige Licher Stürmer Noah Michel.

8. Wie entwickelt sich die Fanszene?

Dass das Interesse am FC groß ist, bewies der Zuschauerschnitt von über 1500 Besuchern pro Partie im Premierenjahr. Die Gießen Supporters wurden im April 2019 gegründet - deren Vorsitzender Marc Zimmermann sagt: "Wir rechnen bis zum Ende der Hinrunde mit mindestens 75 Mitgliedern." Zu jedem Auswärtsspiel der Regionalliga wird ein Fanbus gestellt. "Mit dem Tag der Spielplan-Bekanntgabe haben wir die Busse fest reserviert." Anmeldungen gibt’s unter 0177/4650800 oder auf der Homepage der Supporters, Abfahrt ist am Samstag um 9.45 Uhr vom Waldstadion aus. Zimmermann: "Insgesamt sehe ich noch viel Luft nach oben. Wünschenswert wäre es, wenn der Verein einen Fanbeauftragten einstellen könnte, der auf die Belange der Fans eingeht."

9. Wie könnte die Startelf aussehen?

Eine mögliche Variante: Frederic Löhe im Tor, Ricardo Antonaci, Kevin Nennhuber, Jure Colak und Vaclav Koutny in der Viererkette, Nico Rinderknecht, Johannes Hofmann und Timo Cecen im zentralen Mittelfeld, Jann Bangert, Marco Koch und Noah Michel als variable Offensivspieler. Nah dran an der Startelf dürften auch die Defensivakteure Christopher Spang und Andrej Markovic sowie Stürmer Aykut Öztürk sein. Klar ist: Gießen wird nicht mehr so offensiv agieren wie in der Hessenliga. FC-Trainer Daniyel Cimen sagt: "Wir müssen uns anpassen und auf eine hohe Flexibilität im Kader zurückgreifen." Bei manchen Heimspielen gegen tief stehende Gegner wird’s weiterhin offensiv, gegen Topteams und häufiger auswärts dürfte man sich auf weniger Ballbesitz einstellen. Enge Räume in der Defensive, über Tempo nach vorne: Das ist das Mittel.

Klar ist auch: "Jede Mannschaft wird 90 Minuten voll da sein. Unser Naturell war es zuletzt, immer weiter nach vorne zu spielen. Wir werden nun auch mal Geduld haben und mit einem Punkt leben können."

10. Wann hat Gießen das letzte Mal Viertligafußball zu sehen bekommen?

Vor genau 19 Jahren! In der Saison 2000/2001 spielte der VfB 1900 Gießen letztmals in der Oberliga Hessen, die zur damaligen Zeit die vierthöchste Spielklasse in Deutschland war. Nach der Verpflichtung des Weltmeisters Uwe Bein im Dezember 1996 strebte der Verein zwar zunächst einen Durchmarsch bis in die 2. Bundesliga an, peu à peu aber zogen sich vor allem die Sponsoren zurück - bis der Verein die Mannschaft aus finanziellen Gründen im Sommer 2001 komplett zurückzog und ein Jahr später in der Kreisliga B neu begann. Günther Moll, der mit acht Jahren das Fußballspielen beim VfB 1900 begann, zur damaligen Zeit Mannschaftsarzt war und den Verein später förderte, erinnert sich: "Gießens damaliger Oberbürgermeister Manfred Mutz kam sogar mit zum Flughafen, um Uwe Bein zu empfangen. Die Euphorie in der Stadt war riesengroß. Leider hat man bald die Bodenhaftung verloren und hat nur noch nach oben geguckt. Es war eine spannende Zeit, aber es ging schnell bergab. Gießen ist eine Fußballstadt - wenn der Erfolg da ist, bin ich überzeugt, dass der FC Gießen ein Renner wird, dass noch mehr Sponsoren einsteigen und das Interesse da ist. Wenn ich nun wieder Begeisterung im Waldstadion sehe, freut mich das sehr. Aber man sollte keine Luftschlösser bauen, sondern nachhaltig und vernünftig planen."

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