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Die Fahne des FC Gießen wird allem Anschein nach hoch gehalten - die neuen Investoren haben ihre mündliche Bereitschaft erklärt. FRIEDRICH

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FC Gießen: Zur Rettung fehlen noch die Verträge

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Die Rettung des FC Gießen ist in Sicht: Die neuen Investoren des Fußball-Regionalligisten haben mündlich zugesagt - Verträge müssen nun ausgearbeitet werden.

Läuft alles nach Plan, hat die neue Führung um Markus Haupt kommende Woche die Zukunft des FC Gießen gesichert. In einer Sitzung am vergangenen Montag haben die neuen Investoren ihre Unterstützung beim heimischen Fußball-Regionalligisten - mündlich - zugesagt. Vorrausetzung für eine vertragliche Bindung: Die alte Führung um den zurückgetretenen Jörg Fischer erklärt sich auch schriftlich bereit, alle Altlasten aus dem Jahr 2019 zu übernehmen - und gibt nicht nur eine mündliche Absichtserklärung ab.

Vertrag zwischen alter Führung und neuer Gesellschaft vorgesehen

"Besser hätte es nicht laufen können", sagte Haupt zur Sitzung mit den Investoren. In dieser hatte der Geschäftsführer den neuen Geldgebern den "Businessplan" mit der Einnahmen-/Ausgaben-Rechnung für die restliche Saison vorgelegt. Ein Notar ist nun damit beauftragt, die Verträge für die neue Sponsoren-GmbH vorzubereiten. Dazu zählt auch ein Vertrag zwischen der alten Führung um Fischer und der neuen GmbH, der vorsieht, dass von der neuen Gesellschaft keine Altlasten übernommen werden.

Kommenden Montag steht das nächste Treffen an

Am kommenden Montag wollen sich die Beteiligten erneut zusammensetzen. Fischers schriftlicher Bestätigung vorausgesetzt, sollen die Verträge nach Überprüfung unterzeichnet, das Konto der neuen GmbH eröffnet, Geld eingezahlt und wiederum auf die Konten der Spieler überwiesen werden. So sieht der Plan der aktuellen Vereinsführung aus - Mitte kommender Woche könnte die Rettung verkündet werden.

Am 1. Februar endet die Wechselfrist

"Wir arbeiten daran, den Spielern das Januar-Gehalt noch in diesem Monat zu überweisen", erklärt Haupt. Das Fazit also lautet: Begleicht die alte Führung um Fischer die offenen Posten aus 2019, blickt der FC in eine (bis Saisonende) gesicherte Zukunft.

Nach Informationen dieser Zeitung steht nicht nur das Dezember-Gehalt (Fischers Verantwortung) aus, auch Zahlungen von Hotelübernachtungen und Busfahrten zu Auswärtsspielen in der Regionalliga-Saison sollen noch ausstehen. Gelingt die Rettung nicht, steht der Verein vor dem Aus und 26 Akteure nach dem Ende der Wechselfrist am 1. Februar vor einer halben spielfreien Saison.

Haupt: "Noch kann kein Vollzug vermeldet werden"

Der Regionalligist hat seit Oktober 2019 erhebliche finanzielle Probleme, konnte die Gehälter immer wieder nur verspätet auszahlen. Fischer, bis zum Spätherbst 2019 Geschäftsführer des Vereins und des bisherigen Hauptsponsors GHI, hatte sich zurückgezogen und der neuen Führung versprochen, alle finanziellen Altlasten von 2019 zu begleichen - ein klarer Schnitt ist angestrebt.

Seit dem 1. Januar Jahr 2020 steht Markus Haupt mit seinem sechsköpfigen Team in der Verantwortung. Dieser sagt: "Wir sind auf einem guten Weg. Es ist selbstverständlich, dass wir noch vorsichtig sind und es wäre abenteuerlich von den Investoren, wenn sie nicht auf die schriftliche Erklärung der alten Führung bestehen würden. Solange die Verträge nicht unterzeichnet sind und das Geld nicht geflossen ist, kann kein Vollzug vermeldet werden. Aber es sieht gut aus."

Neuen Investoren wollen nicht genannt werden

Die neuen Geldgeber des FC Gießen sind Privatleute. "Sie wollen nicht genannt werden", sagt Haupt. Am Dienstag hatte er vor der Mannschaft gesprochen, ihr erklärt, dass man vor einer Einigung mit den neuen Investoren stehe. "Es war eine kurze Rede ohne Details", sagt Trainer Daniyel Cimen. Vorgestellt wurde auch der neue Teammanager, Marco Vollhardt. Der 28-Jährige wird künftig alle organisatorischen Aufgaben rund ums Regionalliga-Team übernehmen, nebenbei weiterhin bei Kreisoberligist SF Burkhardsfelden spielen.

Trainer Cimen erklärt: "Wir alle wünschen uns, dass Markus (Haupt, Anm. d. Red.) in die Kabine kommen und sagen kann, dass alle alten Rechnungen beglichen sind und wir einen Neuanfang starten können. Es wäre schön, wenn Ruhe einkehrt und das Thema im Februar nicht mehr präsent ist, sodass wir uns voll auf das Sportliche konzentrieren können."

Mannschaft bleibt in ihrer Besetzung bestehen

Auch abgesehen vom Finanziellen stellt die neue Führung die Weichen für die Zukunft: Die Geschäftstelle in Linden bleibt bis Ende Januar geschlossen, das Zentrum wird nach Gießen ins Waldstadion verlagert.

Die Mannschaft wird nach heutigem Stand in ihrer jetzigen Besetzung zusammenbleiben. Zwar haben sich einige Spieler (über Berater) nach einem neuen Verein umgesehen, allerdings feststellen müssen, dass mit einem Wechsel erhebliche finanzielle Einbußen und/oder ein Abstieg in eine tiefere Spielklasse verbunden wären. Die Plattform Regionalliga soll in der Restsaison genutzt werden. Das Vertrauen seit dem Führungswechsel ist gestiegen. "Das Potenzial in Stadt und Verein wird nach wie vor gesehen", sagt der 35-jährige Cimen.

Trainerteam studiert neue Spielsysteme ein

In der Vorbereitung auf die Restrunde in der Regionalliga, in der der FC Gießen fünf Zähler Rückstand auf einen sicheren Nichtabstiegsplatz aufweist, wird derzeit auch an neuen Spielsystemen gearbeitet. Die Dreierkette ist eine ernsthafte Option.

Das ergibt Sinn, verfügt der FC schließlich über sechs potenziell leistungsstarke Innenverteidiger: Kevin Nennhuber, Jure Colak, Vaclav Koutny, Samuel Sesay, Sascha Heil und Christopher Spang.

Zwar ist Cimen mit dem bisherigen Training zufrieden, personell aber könnte es besser laufen. Samir Benamar und Jake Hirst sind erkrankt, Christopher Schadeberg plagt sich mit Leistenproblemen herum. Samuel Sesay und Tim Korzuschek befinden sich im individuellen Aufbautraining. Positiv: Andrej Markovic ist wieder voll ins Training eingestiegen, kann beim heutigen Test (14 Uhr, Miller Hall) gegen Hanau 93 mitwirken.

Neuzugänge sind aktuell kein Thema

Bei dem wegen Knieproblemen in dieser Saison noch gar nicht zum Einsatz gekommenen Oliver Laux steht kommende Woche eine Entscheidung bevor: Neuer Anlauf oder Verabschiedung vom Leistungsfußball. Der 29-Jährige, der in Köln lebt und studiert, hat in seiner Laufbahn bereits mehrere Kreuzbandrisse erlitten.

Neuzugänge sind aufgrund der nach wie vor im Schwebezustand befindlichen finanziellen Situation kein Thema. So sagt Cimen: "Wir können derzeit keine Angebot unterbreiten." So hat sich der zuletzt im Probetraining überzeugende Japaner Ryoya Ito für einen bayrischen Oberligisten entschieden. Auch ohne Neuzugänge sagt Cimen: "Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie das Zeug hat, die Regionalliga zu halten."

Die Restrunde in der Regionalliga Südwest wurde in dieser Woche terminiert. Der FC Gießen muss dabei, sofern er die restliche Saison bestreitet, viermal abends ran. 

TSV Steinbach Haiger (A) Sa., 22.2., 14.00

RW Koblenz (H) Sa., 29.2., 14.00

FSV Frankfurt (A) Fr., 6.3., 19.00

TSG Balingen (H) Sa., 14.3., 14.00

Astoria Walldorf (A) Fr., 20.3., 19.00

FSV Mainz II (H) Sa., 28.3., 14.00

1. FC Saarbrücken (A) Di., 31.3., 18.00

Bayern Alzenau (H) Sa., 4.4., 14.00

TSG Hoffenheim II (A) Sa., 11.4., 14.00

SSV Ulm (A) Fr,. 18.4., 18.30

SC Freiburg II (H) Sa., 25.4., 14.00

VfR Aalen (A) Sa., 2.5., 14.00

Bahlinger SC (H) Sa., 9.5., 14.00

Kickers Offenbach (A) Sa., 16.5., 14.00

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